Griechenland EZB lässt Geldhahn für Hellas-Banken offen

Die EZB erhöht die Notkredite für die griechischen Banken – allerdings bekommen die Geldhäuser weniger als beantragt. Die Regierung des Krisenstaates strapaziert unterdessen weiter die Nerven der EU-Partner.
Update: 18.02.2015 - 23:18 Uhr 36 Kommentare

Griechische Sparer räumen Konten leer

Griechische Sparer räumen Konten leer

Frankfurt/Berlin/AthenDie Europäische Zentralbank (EZB) lässt einem Insider zufolge den Geldhahn für griechische Banken trotz des ungelösten Schuldenstreits offen. Die europäischen Währungshüter stockten auf ihrer Ratssitzung am Mittwoch den Spielraum der Notenbank in Athen zur Gewährung von Notfallhilfen an ihre heimischen Geldhäuser auf nunmehr 68,3 Milliarden Euro auf, wie eine mit den Verhandlungen vertraute Person erklärte.

Das ist eine Erhöhung um etwa 3,3 Milliarden Euro. Die Griechen hätten dagegen ein Plus von etwa zehn Milliarden Euro angepeilt, sagte der Insider. Dagegen hieß es in Bankenkreisen, in Athen habe man sich eine Ausweitung um etwa fünf Milliarden Euro erhofft.

Griechenland und die Euro-Länder bekommen mit dem Schritt nun etwas mehr Raum, eine Einigung im festgefahrenen Schuldenstreit zu finden. Die EZB hatte vergangene Woche bereits den Rahmen für die sogenannten ELA-Notfallkredite um fünf Milliarden Euro auf 65 Milliarden Euro aufgestockt.

Griechische Geldhäuser sind inzwischen in erheblichem Umfang auf solche Notfall-Liquiditätshilfen der griechischen Notenbank angewiesen. Wegen der Hängepartie im Schuldenstreit zogen Bankkunden zuletzt in größerem Umfang Guthaben von ihren Konten ab.

Auf der anderen Seite ist den griechischen Geldhäusern aber der Zugang zu frischem EZB-Zentralbankgeld mittlerweile weitgehend versperrt, da die europäischen Währungshüter bonitätsschwache griechische Anleihen nicht mehr als Pfand akzeptieren. Viel andere Sicherheiten besitzen griechische Institute aber aktuell nicht.

ELA-Hilfen (Emergency Liquidity Assistance), die von den jeweiligen nationalen Notenbanken bereitgestellt werden, dienen zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsprobleme solventer Banken. Sie werden von der EZB genehmigt und laufend überprüft. Bei den Geldspritzen trägt allerdings die nationale Zentralbank das Risiko, nicht die EZB.

Manche Währungshüter sehen die Gewährung von ELA-Hilfen an Griechenland allerdings kritisch. Bundesbank-Chef Jens Weidmann etwa fordert dabei die strikte Einhaltung der Regeln. Zudem befürchtet er, die Geldspritzen an die Banken könnten für die Finanzierung des klammen griechischen Staats missbraucht werden.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hatte unlängst gesagt, ELA-Hilfen dienten nur zur Überbrückung vorübergehender Schwierigkeiten. Allerdings hatte er in einem Interview mit einer portugiesischen Zeitung auch erklärt, bei einer systemischen Krise könne man bei der Laufzeit Flexibilität benötigen.

Einem hochrangigen Banker zufolge ist die Erhöhung des ELA-Spielraums um 3,3 Milliarden Euro ausreichend, um den Liquiditätsbedarf der hellenischen Geldhäuser eine weitere Woche zu decken: „Angenommen der aktuelle Trend bei den Abflüssen hält an, dann reicht das, um uns eine weitere Woche zu tragen.“ Laut einem weiteren Banker kann damit der kurzfristige Finanzierungsbedarf des griechischen Staates aber nicht abgedeckt werden.

ELA-Hilfen sind nicht unproblematisch. Denn die Solvenz griechischer Banken ist eng mit der Solvenz des griechischen Staates verwoben. Griechenland braucht aber dringend neue Hilfsgelder. Das aktuelle Hilfsprogramm mit seinen Spar- und Reformauflagen läuft am 28. Februar aus.

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36 Kommentare zu "Griechenland: EZB lässt Geldhahn für Hellas-Banken offen"

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  • Wir sind uns einig. Aber Sie wissen ja auch: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Eine Änderung wird es nur dann geben, wenn wir uns für eine weite Verbreitung dieses Wissens einsetzen. Die kopernikanische Wende kam auch nicht über Nacht. Aber die Aufklärungsseite von Norbert Häring zeigt, dass alternative Denkansätze auch in den Mainstream-Medien Einzug gehalten haben. Es muss so viel öffentlicher Druck aufgebaut werden, dass die Eliten aus Angst vor einer linken Revolution die nötigen Reformen vorantreiben. Ich habe jedenfalls noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass der Rollentausch fortgeführt wird und eine CDU-dominierte Regierung zentrale Fehlentwicklungen der rot-grünen (Finanz)Agendapolitik korrigiert. Der Druck muss dafür aber noch gewaltig zunehmen und die Wahlprognosen für DIE LINKE auf vermutlich 15 - 20 % steigen.

  • Oh ja! Überwachung ist dringend geboten: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/klage-vor-dem-europaeischen-gerichtshof-zwang-die-ezb-zypern-zu-einem-milliarden-minus-geschaeft/11389170.html

  • Es muss natürlich 'Dealer' heißen.

  • Korrekt! Privatisierung kommt von privare und bedeutet berauben. Erst wurde jeder noch so große Unsinn über den Interbankenmarkt kreditiert und nun sollen nicht die parasitären Fixer in die Verantwortung genommen werden, sondern die Bürger Europas über eine Verscherbelung des Volksvermögens enteignet werden: https://www.youtube.com/watch?v=xfNEZNXtYko

  • Hallo Herr Stöcker,
    da bin ich voll bei Ihnen, aber Sie wissen doch genauso gut wie ich, dass es dafür keine politischen Mehrheiten gibt.
    Geld regiert die Welt, und diejenigen, welche Jahrzehnte lang exponenziell vom Geldsystem durch Geldverleih, Zins und Rendite profitierten, sind auch diejenigen, welche politisch und wirtschaftlich die Marschrichtung vorgeben. Man kauft sich sozusagen über Staatsanleihen mit einhergehender Verschuldung ganzer Volkswirtschaften und Lobbyismus in die Parlamente ein. Macht die demokratisch gewählten Parlamente sozusagen durch immer neue Umschuldungen von den Finanzmärkten abhängig und hat somit das notwendige Erpressungspotenzial gegen die politischen Entscheidungsträger geschaffen, um die Regierungen und deren Bürger (Steuerzahler welche die Lasten der Verschuldung tragen) der einzelnen Länder in Geiselhaft zu halten.
    Dies sehen Sie ja am Mantra des angeblich alternativlosen Neoliberalismus durch Asteritätspolitik in einer globalisierten Welt. Man spart sich sozusagen zu Tode, Geiz ist schließlich geil.
    Begründet wird das ganze Trauerspiel der Volksverarschung mit den Chinesen.
    Der Chinese ist einfach zu billig.
    Schauen Sie sich an, was jetzt gerade bei der Deutschen Lufthansa passiert. Wenn ich wie z. Bsp. Qatar Airways auf einem Haufen Öl sitze, und meine Airline staatich subventioniere, was hat dass dann noch mit einem fairen Markt zu tun. Sie verstehen, was ich meine? Letztlich orientiert sich unsere ganze Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik am billigsten weltweiten Anbieter, gegen den wir um Absatz- und Standortvorteile (Billigproduktion) ringen.
    Der Wohlstand verschiebt sich von West nach Ost. Wir werden zunehmend ärmer, während die Asiaten zunehmend wohlhabender werden. Und wie gesagt, allein China hat 1,2 Milliarden Menschen dazu noch Indien, Pakistan usw.
    Es stimmt schon, dass durch die Globalisierung die Welt insgesamt wohlhabender wurde (schauen Sie nach China), aber eben nicht der Westen, wir werden ärmer.

  • Das wünschen sich wohl auch viele Lobbyisten, damit das parasitäre Spiel des Finanzsektors weiter ungestört laufen kann. Ich hätte noch vor 5 Jahren die Hand dafür ins Feuer gelegt, dass ich niemals der Linken bei einem/diesem Thema mehr Kompetenz zutrauen würde, als dem breiten Mainstream.

  • Nicht der Bargeldabzug ist das Problem (man muss halt nur Papier von A nach B karren), sondern die Überweisungen auf ausländische Konten (TARGET-Salden). Es sind doch nicht die kleinen Sparbeträge der Bürger, es sind die hinterzogenen/nicht erhobenen Steuern der 1 %.

  • So ist es: http://zinsfehler.wordpress.com/2013/10/30/tapering-liquidity-a-trap-yet-a-tapering-in-the-dark-of-economic-theory-2/

  • Da würden Sie wohl den Falschen bestrafen. Wenn überhaupt, dann als ultima ratio schon eher ein Dexit.

  • Glauben Sie doch bitte nicht diese kolportierten Märchen. Es geht nicht um Kredite FÜR Griechenland. Es geht um den überdimensionierten parasitären Finanzsektor. Die Kredite dienen doch lediglich dazu, fällige Kredite zu revolvieren, damit es nicht zu Abschreibungen und der notwendigen zügigen Bereinigung der Überkapazitäten in Finanzsektor kommt. Deutschland rettet sich hier nur selber den Ar… Zumindest den der 1 %.

    Der Aufschrei wird nicht kommen und wenn doch, dann geht er an die falsche Adresse.

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