Griechenland

Firmen stellen sich auf Rückkehr der Drachme ein

Griechenlands Verschuldung steigt und steigt. Inzwischen stimmen sich immer mehr Unternehmen und Banken auf den Euro-Austritt des Landes ein. Die Vorbereitungen darauf werden diskret getroffen.
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eine Münze von 20 Drachmen und eine griechische Euromünze (r). Quelle: dpa

eine Münze von 20 Drachmen und eine griechische Euromünze (r).

(Foto: dpa)

Frankfurt, London, DüsseldorfImmer mehr Unternehmen, Banken und Privatleute, die langlaufende Geschäfts- und Zahlungsbeziehungen mit Griechenland haben, bereiten sich auf den Euro-Austritt des Landes vor. Bei Sven Zeller, Jurist und Partner bei Clifford Chance in Frankfurt, häufen sich die Anfragen von Fonds-Managern, Bankern und in Griechenland investierten Immobilien-Unternehmen. "Alle wollen wissen, wie sie vermeiden können, dass ihre Forderungen von Euro auf eine Weichwährung umgestellt werden - egal ob Neu-Drachme oder Süd-Euro."

Die Sorge ist nachvollziehbar: Bevor Griechenland dem Euro beitrat, verlor die Drachme zwischen 1982 bis 1996 jährlich rund zehn bis zwölf Prozent an Wert gegenüber der D-Mark. Dies ging so weiter, bis die EU-Kommission im Mai 2000 den Euro-Beitritt empfahl. Danach sanken die Zinsen in Griechenland, und die Verschuldung stieg.

Die Vorbereitungen auf einen Euro-Austritt werden diskret getroffen. Nur wenige äußern sich so offen wie der Reisekonzern Tui. Dessen Deutschland-Chef Volker Böttcher sagte im November, dass man die Euro-Vorauszahlungen für Hotelreservierungen für den Fall einer Drachme-Einführung absichere. Auch Rewe Touristik beobachtet die Entwicklung genau, bestätigt Unternehmenssprecher Sören Hartmann.

Die Banken dagegen, ob Deutsche oder Commerzbank, wollen ihre Strategie lieber nicht erläutern. Der Euro-Austritt Griechenlands sei doch ausgeschlossen, heißt es dort. Ganz anders der Bundesverband der Immobilien-Investment-Sachverständigen (BIIS): Vor drei Wochen tagte die Branche in Frankfurt zum Thema: "Euro-Breakup - Chancen und Risiken für Immobilienverwalter". Sven Zeller: "Bei Miet-, Kredit- und sonstigen Immobilienverträgen werden nun Fragen nach Gerichtsstand, deutschem, britischem oder griechischem Recht oder der Vertragswährung plötzlich sehr wichtig. "

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  • Es geht nicht nur um schnelles Geld. Aus diesem Grund haben der deutsche Mittelstand und die Dax-und M-Dax- Unternehmen eine zunehmend östliche Orientierung. Lieferketten werden zunehmend personifiziert aber auch gespalten.

  • PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!
    Vielleicht sollte man folgendes konstatieren:
    Der Erkenntnisgewinn zu Griechenland nimmt nach längerfristig eselsgleicher Verleugnung nunmehr wieder exponentiell zu. - Und das ist gut so!
    Die Geradlinigkeit des Ablaufes eines Griechenland-Bankrotts, so wie hier auch geschildert, sehe ich nicht.
    Die griechische innerstaatliche Situation ist unvergleichlich von Staatenlosigkeit geprägt.
    Vor meinem geistigen Auge sehe ich eher Showdown ähnliche Szenen eines Wild-West-Films. Ein Stetson tragender Barroso, Rompuy oder auch einer Ashton sehe ich, mit und ohne Winchester, nicht.

  • Die Raubritter sitzen in der Regierung. Die Banken sind nur die Durchführungsgehilfen.

  • Falsch, Herr Kohl hat nie etwas erstritten (schon garnicht die Wiedervereinigung) und hat alles Wichtige bloß ausgesessen. Genauso wie die Merkel, die die Macht geerbt hat (d.h. wen man wie in der Hand hat).

  • Nein, den Apfel muss man aus dem Wort auch noch streichen.

  • Und frisches Kapital, fast ohne jegliche Zinsbelastung mit hohen Gewinnen Erträge schöpfen, die wer bezahlt. Richtig, diejenigen, welche es möglich machten den Steuerzahler zu schröpfen. Die BürgerINnen allerorte. Cheers, Santé, Salute und Prost.
    All those buffet's are ready, more and more. Please no miles anymore, just more money. Thank U!

  • richtig : Unberechenbarkeit der Allgemeinsituation" :

    es gibt für Mittelständler KEINE RECHTSSICHERHEIT in den PIGS ,

    es wird viel Schaden produziert, dann manipuliert und genötigt in den PIGS.
    Der deutsche Mittelständler soll den Schrott dann abnehmen und bezahlen und er hat von heut auf morgen keinen Lieferanten mehr.

    Auch wenn deutsche Mittelständler sich intensiv vor Ort um Qualitätssicherheit engagieren und investieren - die machen was sie wollen , vertuschen und am Ende stehen beide Seiten vor großen Verlusten und vor Gerichten , die nur Zeit und Geld und Geld kosten und zu 99% bleibt der deutsche Mittelständler auf seinem Schaden sitzen.
    Es geht leider nur ums schnelleGeld , nicht um Zusammenarbeit und supply-chain-management .

  • Das hat Hans Eichel zu verantworten - er hat persönlich dafür gesorgt, dass Kritiker in den eigenen Reihen seiner Regierung und der Bundesbank mundtot gemacht wurden. Dabei wussten schon damals alle Eingeweihten, dass die Zahlen zu Staatsverschuldung und Wirtschaftsleistung Griechenlands, vorsichtig ausgedrückt, sehr "optimistisch angesetzt" waren.

  • Anonymer Benutzer: Solist

    Haben Sie eine Vorstellung,was dann ein Schäuble-Koffer wiegt und wie unangenehm die Geldbörse in der Gesäßtasche wird?

  • Anonymer Benutzer: Oeconomicus

    Ihr Vortrag ist schlüssig. Doch wer wird aus welchem Wirtschaftszweig und wann in GR investieren bei dieser Unberechenbarkeit der Allgemeinsituation. Mit welchen politischen Mehrheiten kann gerechnet werden und wie werden sich die Gewerkschaften dazu verhalten?

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