
ZürichDie Aufstockung des Euro-Rettungsfonds EFSF hat grünes Licht vom deutschen Parlament. Die Debatte, ob es Sinn macht, das hochverschuldete Griechenland zu retten, geht weiter. Bei einem Vortrag in Zürich vertrat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann eine Meinung, die vielen deutschen Politikern und Ökonomen nicht gefallen dürfte.
Denn Ackermann plädierte dafür, Griechenland noch lange Jahre finanziellen Beistand zu leisten. "Wir haben nur eine Wahl", sagte Ackermann vor der Schweizerischen-Amerikanischen Handelskammer in Zürich, "wir müssen Griechenland bei der Deckung seiner finanziellen Bedürfnisse helfen." Die Schulden müssten "Schritt für Schritt" abgebaut werden. Ackermann warnte davor, mit einem brutalen Schuldenschnitt die schnelle Lösung herbei führen zu wollen, wie es zahlreiche Ökonomen in Deutschland predigen.
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.
Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.
Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.
Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.
Denn dann sei es nötig, ein Übergreifen der Krise auf andere Eurostaaten wie Italien oder Spanien zu vermeiden. "Und das wird sehr, sehr schwer und viel teurer werden", so der Deutsche Bank Chef. Um den Eurorettungsfonds EFSF auf solch einen Fall vorzubereiten, müsste die Finanzkraft des Fonds "dramatisch erhöht werden", sagte er.
Die Sorge vor einer Pleite Griechenlands treibt die Finanzszene weiter um. Das Problem ist dabei nicht Griechenland selbst, sondern die Eindämmung der Folgen auf andere Euro-Mitglieder. So dürften Großinvestoren in den USA und Asien sich fragen: Wenn die Eurozone Griechenland fallen lässt, wer wird der nächste sein? Dann dürften hoch verschuldete Staaten wie Italien große Probleme haben, für neue Staatsanleihen noch Käufer zu finden oder Italien müsste so hohe Zinsen zahlen, dass das Land in die Zahlungsunfähigkeit getrieben wird. Angesichts eines Schuldenberges von 1900 Milliarden Euro wäre eine Pleite Italiens eine Katastrophe, die die Welt in eine tiefe Rezession zu reißen droht.
Italien schiebt nach Griechenland den größten Schuldenberg aller Euro-Länder vor sich her: Er ist rund 1,9 Billionen Euro groß, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Die EU-Verträge erlauben nur eine Obergrenze von 60 Prozent. Der Berg wird noch weiter wachsen, weil die Regierung erst ab 2013 ohne neue Schulden auskommen will.
In diesem Jahr erwartet sie eine Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen.
Auch bei der Neuverschuldung dürfte Italien in diesem und im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent reißen: Die EU-Kommission rechnet mit einem Minus von 4,0 und 3,2 Prozent. Erst 2014 will die Regierung ohne neue Schulden auskommen.
Im Vergleich zu den anderen großen Euro-Ländern Deutschland und Frankreich kommt Italien nicht in Schwung. Die EU-Kommission senkte erst vor wenigen Tagen ihre Wachstumsprognose für 2011 von 1,0 auf 0,7 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Währungsunion dürfte mit 1,6 Prozent mehr als doppelt so schnell wachsen. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Italien macht zu schaffen, dass die Exporteure ihre Waren vorwiegend an andere Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Der private Konsum kommt wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nicht recht in Schwung. Er leidet zudem unter Steuererhöhungen der Regierung, die im Kampf gegen die hohen Schulden beispielsweise die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent angehoben hat.
Demnach verlieren Italiens Exporteure Weltmarktanteile, weil sie ihre Produkte vorwiegend in die anderen Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Auch der private Konsum dürfte wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nur moderat zulegen.
@ Thomas-Melber-Stuttgart:
Kann man die italienischen Staatsschulden nicht in ein "Bad Italy" - beginnend südlich von Rom - auslagern?
Ackermann hat sicher einen besseren Vorschlag: Stilecht in Ackermanns Luxushotel Cosmopolitan im Zockerparadies Las Vegas auslagern !
BadZ 19.10.2011 berichtet aus LAS VEGAS:
Im Zockerparadies verzockt
Die Deutsche Bank macht in Las Vegas neue Erfahrungen mit dem sogenannten Kasinokapitalismus.
Deutschlands größtes Geldhaus macht derzeit seine eigenen Negativerfahrungen mit dem Kasinokapitalismus. In Las Vegas versenkte die Deutsche Bank ungefähr so viel Geld wie sie in Anleihen der Schuldenländer Europas zusammengenommen steckte.
Zur Eröffnung des Cosmopolitan im Dezember spielten Beyoncé, Coldplay und Jay-Z. Zwölf Millionen Dollar ließ sich der Bauherr des Luxushotels im neuen Citycenter von Las Vegas die Glitterparty kosten. Dies war eine Kleinigkeit gemessen an dem Gesamtpreis des futuristischen Hochhauspalasts aus Glas, Stahl und Beton.
4,8 Milliarden Dollar investierte die Deutsche Bank. Vergleichbar ist diese Summe mit den Anleihen, die das Finanzinstitut aus Griechenland, Spanien, Italien, Irland und Portugal zusammen hält. PIIGS-Staaten.
@ holbeinpferdchen:"Der Strippenzieher Ackermann erklärt, es werde 10 Jahre dauern, bis die Griechen ihre Schulden auf 100 % ihres BSP zurückgeführt haben werden.
Was Ackermann nicht sagt, ist wieviele -zig Milliarden dies den deutschen Steuerzahler bis 2020 kosten wird. Darüberhinaus ist sein Optimismus, die griechische Staatsschuldenkrise in 10 Jahren lösen zu können, durch nichts begründbar."
(1) Es ist keine StaatsSCHULDENkrise, sondern eine Staats-GLÄUBIGERkrise. Die französischen GLÄUBIGER-Großbanken crashen bald zu handlichen schnuckeligen Einheiten. Das haben sie verdient, weil sie die bairische Gewerbeordnung für Geldleiher nicht beachtet haben. Dafür werden sie jetzt von den Ratingagenturen bestraft. Griechenland bleibt aber auf der Landkarte erhalten.
(2) Wenn es jetzt die Deutsche Regierung endlich richtig anpackt, dann brauchen wir ab 1.1.2012 nichts mehr zu bezahlen. Dann zahlen die Griechen ihre Schulden selbst. Denn die Griechen haben das größte Pro-Kopf-Vermögen aller Euroländer, allerdings nicht zuhause, sondern weltweit gebunkert, allein in der Schweiz über 200 Milliarden Euro, da lägen sie heute schon weit unter 100 % BIP.
BILD hat heute aufgedeckt, dass die Griechen betrügerischen Bankrott zu unseren Lasten betreiben.
Dabei wurden sie bekanntlich schon von GoldmanSachs zu Mario Draghis Zeiten unterstützt, und jetzt hat IIF-Ackermann ein Interesse daran, dass dieser betrügerische Bankrott weitergeht, solange wir Deutsche bezahlen.
(3) Kürzlich hat die Allianz eine Studie veröffentlicht,
dass die Italiener und Iren reicher als die Deutschen sind, und so ihre Schulden selbst tilgen können !
@ schnullman: "Alles nur Wunschdenken und Verschleppung der Realität !
Wie soll Griechenland auch mit schärfsten Sparbemühungen die Schulden abbauen, wenn so "starke Nationen wie wir" dieses unter normalen Bedingungen nicht schaffen ??? "
Hallo Schnullerman, Sie haben wohl noch nicht geschnullt, was Sache ist? Schauen Sie ausnahmsweise mal in die heutige BILD:
Auf Konten in der Schweiz
GRIECHEN BUNKERN 200 MILLIARDEN EURO !
Die Griechen sind so reich, dass sie sich die "schärfsten Sparbemühungen" echt sparen können. Sie brauchen nur eine Rücküberweisung auf ihre Heimatbank veranlassen, Steuern und Strafe wg. Steuerhinterziehung nachbezahlen und von dem Verbleibenden solidarisch Griechische Staatsanleihen von unseren deutschen Staats- und Landesbanken zurückkaufen!
Übrigens: Dann brauchen wir auch keine EFSF, ESM und all diese luxemburgischen Faxen-Faxilitäten!
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