Griechenland
„Geld ist nur Papier“

Das Rettungsprogramm der EU für Griechenland ist ausgelaufen, beim IWF steht das Land nun in Zahlungsverzug, die Pleite wirft immer größere Schatten. Doch die griechische Regierung zerstreut die Sorgen seiner Bürger.
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Athen/BrüsselVerzweifelte Sparer stehen vor den griechischen Geldautomaten an, Rentner warten vergeblich auf ihre Pensionen, die Griechen haben Angst um ihr Geld, sie fürchten den Staatsbankrott. Aber Stathis Leoutsakos, Parlamentsabgeordneter der radikal-linken Regierungspartei Syriza, zerstreut die Sorgen seiner Landsleute: „Geld ist nur Papier, und das wird sich finden“ verkündet Leoutsakos, der im Zentralkomitee und Politbüro von Syriza sitzt.

In einem Rundfunkinterview bekräftigte Leoutsakos das Nein der Regierung in der Volksabstimmung am kommenden Sonntag: „Wir sind entschlossen, diesen Weg zu gehen – um jeden Preis.“

Dem Staatsbankrott kommt sein Land allerdings immer näher: Am Dienstag um Mitternacht ist das Rettungsprogramm für Griechenland offiziell ausgelaufen. Nach Einschätzung von zwei Ratingagenturen steht Griechenland nur noch eine Stufe vor der völligen Zahlungsunfähigkeit. Die Ratingagentur Fitch stufte am Dienstagabend das hoch verschuldete Land von CCC au CC zurück und folgte damit der Agentur Standard & Poor's, die das bereits am Montag so eingeschätzt hatte.

„Es wäre verrückt“, das Programm unter den derzeitigen Umständen fortzusetzen, weil Athen die auf dem Tisch liegenden europäischen Vorschläge nicht akzeptiere, sagte der Chef der Eurogruppe, Jeroen Dijsselbloem, nach einer Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister am Dienstagabend. Der bisherige Rettungsschirm werde beendet, weil „alle Vorschläge zurückgewiesen wurden und die griechische Regierung ein Referendum angesetzt hat und den Menschen empfiehlt, mit Nein (gegen die EU-Vorschläge) zu stimmen“, erklärte Dijsselbloem.

Der Empfehlung wollen längst nicht alle Griechen folgen. Am Dienstagabend demonstrierten in Athen Tausende für ein Ja zu den EU-Vorschlägen bei der Volksabstimmung am Sonntag. Die Polizei schätzte die Menge auf 10.000 bis 12.000 Menschen. Viele riefen: „Wir bleiben in Europa“, dann brach ein Gewitter über die Demonstranten herein. Viel trotzten dem Regen und blieben auf dem Syntagma-Platz.

Abgerissen ist der Gesprächsfaden noch nicht. Die griechische Regierung machte am Abend nach eigenen Angaben der Eurogruppe zusätzliche Vorschläge zur Lösung der Schuldenkrise. „Wir haben einen Brief geschickt, der die Differenzen weiter verkleinert“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Gianis Dragasakis im Staatsfernsehen.

„Wir machen eine zusätzliche Anstrengung. Es gibt sechs Punkte, wo diese Anstrengung gemacht werden kann“, erklärte er. „Ich werde nicht in die Details gehen. Sie schließen aber Renten und Arbeitsmarktfragen ein.“

Aus Athener Regierungskreisen war zuvor verlautet, die Telefonkonferenz sei am Abend beendet worden, solle aber am Mittwochmorgen fortgesetzt werden. Dabei sollten neue griechische Vorschläge zur Abwendung des Staatsbankrotts erörtert werden, hieß es. Weitere Details wurden nicht mitgeteilt.

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Rettungsprogramm ausgelaufen - die Folgen

Kommentare zu " Griechenland: „Geld ist nur Papier“"

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  • Geld ist eben nicht nur Papier, sondern entsteht im wesentlichen aus Wertschöpfung einer arbeitenden Bevölkerung nach dem Prinzip der Gegenleistung. Vielleicht sollte der stellvertretende Ministerpräsident Gianis Dragasakis bei der Suche mal in seinem eigenen Land anfangen. Die mehreren 100 mio €, die über viele Jahre geflossen sind, müssen ja irgendwo verblieben sein. Geld verschwindet nicht sondern wechselt nur den Besitzer....

  • Geld ist nur dann ein Papier, wenn kein Wert dahinter steht. Und der Wert drückt sich darin aus, dass eine Währungsunion eine wirtschaftliche Wertschöpfung = Innovation betreibt bzw. genug eigene Rohstoffe = Energieträger wie Oel, Gas, Uran, Kohle im Boden hat und diese Rohstoffe vermarktet bzw. als Energieträger in Kraftwerken zur Energieumwandlung (Strom und Wärme) für seinen eigenen Wirtschaftsraum nutzt. Beides will das Grün-Sozialistische EU-EURO Land jedoch nicht mehr. Das Grün-Sozialistische EU-Deutschland will weder wirtschaftliches Wachstum, noch die Energieträger Kohle, Gas, Oel und Uran in der Zukunft. Mit dieser Grün-Sozialistischen Einstellung von Marktwirtschaftlicher und Wachstumsfeindlichkeit wie auch der Kampf gegen die Energieträger Kohle, Gas, Oel und Uran, wird der EURO immer mehr von einen wirtschaftlchen Wertpapier zu einen Papier.

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