Griechenland
Generalstreik gegen Sparpolitik

Erneut legt ein Generalstreik Griechenland lahm. Tausende protestieren gegen den Abbau von Stellen im öffentlichen Dienst. Bis Jahresende sollen über 4000 Jobs wegfallen.
  • 4

AthenEinen Tag vor der Parlamentsabstimmung über Massenentlassungen im öffentlichen Dienst Griechenlands sind tausende Staatsbedienstete auf die Straßen gegangen. Unter dem Motto „Generalstreik - Wir sind Menschen, keine Zahlen“, legten am Dienstag nach Gewerkschaftsangaben Beschäftigte im ganzen Land die Arbeit nieder. Landesweit fuhren keine Züge, Krankenhäuser hielten nur eine Notversorgung aufrecht, Tausende Menschen demonstrierten gegen die Regierungspläne.

Einem Zeitungsbericht zufolge könnte der Gesetzentwurf noch kurz vor der Abstimmung abgemildert werden. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass 4.200 Staatsbedienstete ihren Job verlassen sollen. Acht Monate lang sollen sie für 75 Prozent ihres Gehalts weiterarbeiten. Falls sie sich in dieser Zeit nicht für einen anderen öffentlichen Job entscheiden, werden sie arbeitslos. Betroffen sind vor allem Lehrer und Polizisten. Die Gewerkschaften bezeichnen das Vorhaben als „Grabstein“ für die Angestellten.

Konservative und Sozialisten haben eine knappe Mehrheit von 155 Abgeordneten im 300-Sitze Parlament des Euro-Krisenlandes. Regierungschef Antonis Samaras und sein Vize, der Sozialist Evangelos Venizelos, arbeiteten am Dienstag mit Hochdruck, damit es keine Abweichler gibt. Eine Niederlage würde den Sturz der Regierung verursachen, berichtete übereinstimmend die griechische Presse.

Linke Abgeordnete und Demonstranten forderten derweil einen „Stopp der Entlassungen im privaten und staatlichen Bereich“. Stattdessen müsse die Koalitionsregierung der Konservativen mit den Sozialisten abserviert werden, hieß es.

Die Auswirkungen der Streiks waren in der Urlaubs-Hochsaison vielerorts zu spüren. Im ganzen Land blieben zahlreiche öffentliche Einrichtungen geschlossen. In der Hauptstadt Athen war der Busverkehr beeinträchtigt, die U-Bahn Richtung Flughafen fuhr nicht. Andere U-Bahn-Linien verkehrten zwar, drei Haltestellen im Stadtzentrum wurden aber wegen Demonstrationen gesperrt. Weil auch die Fluglotsen streikten, waren rund ein Dutzend Inlandsflüge verspätet. Die vor allem für Touristen wichtigen Fährverbindungen zu den griechischen Inseln waren von dem Ausstand nicht betroffen.

Zum vierten Generalstreik in diesem Jahr hatten die beiden größten Gewerkschaften des Landes aufgerufen. In Athen nahmen laut Polizei rund 16.000 Menschen an einer Demonstration teil, in Thessaloniki waren es 7000.

Die Zeitung „Ta Nea“ berichtete am Dienstag, der rund hundert Paragrafen umfassende Gesetzesentwurf solle in letzter Minute noch verändert werden. Demnach würden Alleinerziehende von den Plänen ausgenommen.

Hintergrund des Gesetzesvorhabens ist die Zusage der griechischen Regierung an die internationalen Geldgeber, bis Jahresende 4.000 der 700.000 Stellen im Staatsdienst zu streichen und 12.500 Bedienstete zu versetzen. Die Eurogruppe hatte Griechenland vergangene Woche die schrittweise Auszahlung von 6,8 Milliarden Euro im Herbst zugesagt, wenn die Regierung weitere Reform- und Sparmaßnahmen umsetzt.

Ministerpräsident Antonis Samaras verteidigte das aktuelle Gesetzesvorhaben am Sonntag. „Für jeden Menschen, der am Ende den Job verliert, wird jemand eingestellt, der jetzt arbeitslos ist“, sagte er der Wochenzeitung „Proto Thema“. Zudem würden binnen zwei Jahren lediglich 15.000 der 700.000 Staatsbediensteten gekündigt, was einem Anteil von „nur zwei Prozent“ entspreche.

Seite 1:

Generalstreik gegen Sparpolitik

Seite 2:

Schäuble reist nach Athen

Kommentare zu " Griechenland: Generalstreik gegen Sparpolitik"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Soso unsere "Freunde" aus Griechenland d.h. einiger der Heerschar von parasitaeren Beamten "streikt".

    Entweder sind die im Zweitjob Beamte und bekommen so nur ein zweites Gehalt ohne jemals im Dienst zu sein, ein Parteibuch der Pasaok muss sich ja lohnen --- oder wenn die tatsaechlich "im Dienst" sind, dann wird Alles was machbar ist blockiert und nur gegen Fakelaki (Geldumschlag mit Bargeld) bearbeitet.

    700.000 Beamte in einem 11 Mio Einwohner Land(6,4%). Zum Vergleich in D zumindest VOR Orange Gruen (Schroeder /Fischer) waren es 950.000 (1,2%).

    Nach Schaffung von 400.000 neuen Stellen im oeffentlichen Dienst zur Versorgung der Gruenen Klientel von SoWi, PoWi Studienabbrechern als Frauenbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte, Auslaenderbeauftrage, Integrationsbeauftragte ... alle nebst grossen Ressorts versteht sich ist old germania inwischen auch "auf einem guten Weg" ala Griechenland.

  • Jedem Streikenden sollte die Frage gestellt werden, woher das Geld für die vielen Staats-Bediensteten kommen soll. Er hätte die Möglichkeit zu entscheiden: durch Zuwendungen
    von anderen Staaten (Alimentierung) oder durch eigene Gelddruckmaschinen. Oder gibt es noch irgendeine
    geheime Geldquelle, von der ich nichts weiß? Nur der Grieche?

  • Handelsblatt berichtet
    --------------------------
    Einen Tag vor der Parlamentsabstimmung über Massenentlassungen im öffentlichen Dienst Griechenlands sind tausende Staatsbedienstete auf die Straßen gegangen. Unter dem Motto „Generalstreik - Wir sind Menschen, keine Zahlen“, legten am Dienstag nach Gewerkschaftsangaben Beschäftigte im ganzen Land die Arbeit nieder.
    --------------------------

    Das ist SCHÖÖÖN!

    Für Streiktage wird nichts bezahlt - so leisten die Scheinbeschäftigten im öffentlichen Selbstbedienst einen Beitrag zur Sanierung des Staatshaushalts.

    ...

    Tatsächlich arbeitende haben sich ja anscheinend nicht an dieser Manifestation des Irrsinns beteiligt.

    +++

    O-Ton Samaras
    ------------------
    Zudem würden binnen zwei Jahren lediglich 15.000 der 700.000 Staatsbediensteten gekündigt, was einem Anteil von „nur zwei Prozent“ entspreche.
    ------------------

    Weshalb man Griechenland den Geldhahn sofort abdrehen sollte.

    Es ist deutschen Steuerzahlern nicht zuzumuten diese frechen Faulenzer weiter zu finanzieren.

    ...

    Da die Bundesregierung dazu anscheinend nicht bereits ist, empfehle ich die Wahl der NPD.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%