Griechenland: Geteiltes Presse-Echo auf Gauck-Besuch

Griechenland
Geteiltes Presse-Echo auf Gauck-Besuch

Am zweiten Tag seines Griechenland-Besuches wird Bundespräsident Gauck mit erneuten Forderungen nach Kriegsreparationen konfrontiert. Auch führende Zeitungen des Landes verlangen ein Entgegenkommen Deutschlands.
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AthenDie Diskussion über deutsche Reparationen für Verbrechen im Zweiten Weltkrieg ist aus Sicht griechischer Medien noch lange nicht ausgestanden. Am zweiten Tag des Staatsbesuches von Bundespräsident Joachim Gauck in Griechenland verlangten führende Zeitungen Entgegenkommen von Deutschland.

Die konservative Athener Zeitung „Kathimerini“ vertrat in einem Leitartikel die Ansicht, der Streit um Entschädigungen könne über Verhandlungen oder einen internationalen Schiedsspruch gelöst werden - „ohne Schreie und Populismus“. Gaucks Besuch in Athen und dem von der Wehrmacht zerstörten Dorf Lingiades seien „bedeutende symbolische Akte“. Beide Staaten sollten nun den Blick auf die Gemeinsamkeiten lenken und den „Teufelskreis der Wut und des Misstrauens“ durchbrechen. Deutschland müsse seine „strafende Haltung aufgeben“ und zeigen, dass es den Griechen mit Investitionen helfen wolle.

Die größte griechische Zeitung der politischen Mitte, „Ta Nea“, lobte, Gauck habe eine Nachricht der Solidarität übermittelt. Beim Konflikt um eine Entschädigung für die Verbrechen der Nazis hätten der Bundespräsident und der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias zwar „klare Thesen, die aber zu keiner Lösung führen“. Der Nachrichten-Radiosender Vima FM kommentierte: „Wir stehen da, wo wir auch vorher standen.“

Die linke Zeitung „AVGI“, die dem oppositionellen Bündnis der radikalen Linken (Syriza) nahesteht, kündigte am Freitag auf der Titelseite an, die Syriza werde die Reparationen im Fall einer Regierungsübernahme beanspruchen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Gauck mit erneuten Forderungen nach Kriegsreparationen konfrontiert.(Zitat)

    Da hatte er ja noch einmal Glück gehabt, denn er wurde ja nicht gleich mit "Braunhemd" wie im Fall von Merkel "konfrontiert". Hatte etwa Gauck gedacht, die Griechen lassen ihn mit schönen Worten durch ihre Landen so ohneweiteres ziehen ohne ihn an neues Geld zu ermahnen ? Na -ja jetzt weiß er es - so schnell wird er wahrscheinlich nicht wieder in Griechenland erscheinen. Die Geldeinforderung geht konstant weiter und die EU stammelt dazu machtlos mit. Nur, dass jetzt aus Griechenland gelegentlich Erfolge brav angekündigt werden aber eben auch sang- und klanglos alsbald wieder verstummen.

  • Dass das Thema Reparationen nun ernsthaft auch in deutschen Medien thematisiert wird, lässt vermuten, dass der nächste Schuldenschnit für Griechenland beschlossene Sache ist. Damit Schäuble nicht als Lügner dasteht ("Griechen zahlen ihre Schulden zurück") wird man sie mit den "Reparationen" verrechnen. Mit der Nazi-Keule ist in Deutschland alles möglich. Lügner werden zu weisen Finanzgenies, eine lahmes Bürokratenregime in Brüssel zur Wirtschaftsregierung und eine primitivkapitalistische, dysfunktionale Währung, die Deutschland verarmt und die Völker entzweit zum Friedensprojekt.

  • Der Gauckbesuch provoziert die Griechen. Er hätte ihn nicht machen sollen. Es wäre billiger gewesen und ohne Erwartungen der Griechen, die mausepleite sind und aus der EU austreten sollten. So wird das Fass ohne Boden weiter mit deutschen Euronen nachgespült, ohne Ergebnisse. Blockparteien zur Europawahl abwählen. Es gibt Alternativen!

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