Griechenland
Gewerkschaften rufen zu Generalstreik auf

Die beiden größten Gewerkschaften Griechenlands wollen kommende Woche das Land für zwei Tage lahm legen. Am 6. und 7. November rufen die Arbeiter-Verbände ihre Mitglieder zu einem Generalstreik auf.
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AthenDie beiden größten griechischen Gewerkschaften haben zu einem 48-stündigen Generalstreik am 6. und 7. November aufgerufen. Die Aktion richtet sich gegen das neue Sparpaket der Regierung, über das das Parlament in der kommenden Woche abstimmen will. Der Generalstreik soll an beiden Tagen von Demonstrationen im Zentrum von Athen begleitet werden, wie die Gewerkschaften am Mittwoch mitteilten. Für den Abend haben die Gewerkschaften bereits zu einer Großdemonstration gegen die Sparpolitik der Regierung aufgerufen. Die griechischen Journalisten traten am Mittwoch in einen 24-stündigen Streik.

Bereits heute gab es für die Koalitionsregierung in Athen bei einer Abstimmung über weitreichende Privatisierungen nur eine knappe Mehrehit. Dafür stimmten 148 Abgeordnete. Dagegen votierten 139 Parlamentarier. Damit wurde das Regelwerk gebilligt, mit dem der Fonds (TAIPED) zur Privatisierung von Häfen, Flughäfen, der Elektrizitätsgesellschaft und anderen staatlichen Betrieben voranschreiten kann. Der Koalitionsregierung aus Konservativen, Sozialisten und der Demokratischen Linken stehen zwei noch schwierigere Abstimmungen bevor: Das neue 13,5 Milliarden Euro neue Sparprogramm und der Haushalt 2013 müssen gebilligt werden.

Die Gewerkschaften werden von den weiterhin schlechten Aussichten für die griechische Wirtschaft angetrieben. Die griechische Regierung musste ihre wichtigsten Ziele für das kommende Jahr korrigieren. Das Bruttoinlandsprodukt wird demnach um 4,5 Prozent einbrechen, geht aus dem am Mittwoch in endgültiger Fassung vorgestellten Haushaltsentwurf für 2013 hervor. Bislang war ein Minus von 3,8 Prozent erwartet worden. Nach sechs Rezessionsjahren in Folge soll es 2014 eine Rückkehr zu Wachstum geben, das dann bei 0,2 Prozent liegen soll

Die wirtschaftliche Misere lässt auch die Neuverschuldung steigen: Erwartet wird ein Defizit von 5,2 Prozent. Anfang Oktober war noch von 4,2 Prozent die Rede gewesen. Der sogenannte Primärhaushalt - bei dem die Kosten für den Schuldendienst ausgeklammert werden - soll erstmals seit 2002 wieder ein Plus ausweisen. Es dürfte aber mit 0,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes nicht einmal halb so groß ausfallen wie bislang mit 1,1 Prozent angestrebt. 2016 soll er 4,5 Prozent betragen.

Auch der Schuldenberg wird stärker wachsen als angenommen. Er wird voraussichtlich 189,1 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung erreichen. Zuvor waren 179,3 Prozent prognostiziert worden. Bis 2016 soll er nur leicht auf 184,9 Prozent fallen. Die höheren Zahlen begründete die Regierung mit den Folgen der Sparmaßnahmen, die sich negativ auf die Wirtschaftsentwicklung auswirkten.

Ein neuer Schuldenschnitt steht nach Angaben des Chefs der Arbeitsgruppe der Euro-Finanzminister trotz der düsteren Aussichten derzeit nicht zur Debatte. Er sei in dieser Woche mehrfach mit Vertretern der sogenannten Troika aus EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds zusammengetroffen, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Thomas Wieser, im Deutschlandradio Kultur. "In keiner dieser Diskussionsrunden und Verhandlungsrunden wurde jemals das Wort Schuldenschnitt erwähnt." Zwar werde in der Presse darüber spekuliert. Dies habe "aber mit den Arbeiten der Troika nichts zu tun". Diese prüft derzeit, ob Griechenland die vereinbarten Reformziele erreicht hat und frisches Geld bekommen kann, ohne das Mitte November eine Staatspleite droht. "Fertig sind die Verhandlungen noch nicht", sagte Wieser.

Er sprach sich dafür aus, Griechenland mehr Zeit zum Erreichen der vereinbarten Ziele einzuräumen. So sei ein Überschuss im Primärhaushalt von 4,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes derzeit kaum erreichbar. "Angesichts des Einbruchs der griechischen Wirtschaft halten wir das nur für sehr, sehr schwer erreichbar", sagte der Österreicher. "Wir haben noch keine Entscheidung darüber getroffen, aber es könnte sein, dass das um ein Jahr oder zwei verschoben werden könnte."

Dieser Aufschub müsse die anderen 16 Euro-Länder kein zusätzliches Geld kosten. Die zusätzliche Liquidität für Griechenland könne über die bereits bestehenden Hilfsprogramme bereitgestellt werden.

Die Euro-Finanzminister beraten am Mittag in einer Telefonkonferenz über das weitere Vorgehen bei Griechenland.

 
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wenn GR mit nun dem auskommen muss, was es selbst einnimmt, so werden Löhne von max. 300,-€ normal sein. Davon KANN aber niemand leben. Die Unruhen sind vorprogrammiert.
    Eine eigene Währung ließe sich abwerten, die Menschen hätten zwar auch dann niedrige Einkommen, aber immerhin könnten sie ihre eigenen Produkte wieder kaufen. Und die dann teureren Importe wären ein Ansporn, selber zu günstigeren Preisen zu produzieren.
    So könnte es ganz langsam aufwärts gehen.
    Aber die Rettungswut von EU und IWF nimmt dem griechischen Volk die Luft zum Atmen.
    Die da demonstrieren, sind die, die am meisten zu verlieren haben – die bestverdienenden Beamten, vor allem die der DEKO. Das arbeitslose und rentengekürzte Volk ist nicht auf der Strasse.
    Mit jedem Rettungseuro wird dieses parasitäre System von 60% Beamten, die von 40% Selbständigen, privaten Arbeitern und Angestellten ernährt werden, weiter unterstützt. Samaras WIRD keine Beamten entlassen – das sind doch seine Wähler!
    Muss denn hier erst ein Bürgerkrieg ausbrechen oder geputscht werden, bevor die Rettungsbesessenen aus EU und IWF endlich kapieren, dass sie falsch handeln??

  • Es bleibt dabei: Dass die ausgezeichnete Politik von Barroso, Merkel & Co. Griechenland nicht längst in ein wirtschaftliches Aufschwung- und Wohlstand-für Alle-Paradies verwandelt hat, liegt an böser Hexerei.

    Die bösen Hexer heißen:

    - Euro-Kritiker

    - Basisdemokraten

    - Kommunisten

    - Anarchisten

  • Das nächste Land was b aden geht, ist Frankreich.

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