Griechenland
„Griechen haben ihre Lage nicht begriffen"

Heute wäre eine 300-Millionen-Zahlung an den Internationalen Währungsfonds fällig. Doch Griechenland will mehr Zeit für Verhandlungen – und bekommt sie auch. Unions-Politiker können das gar nicht fassen.
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Athen/BerlinKurz vor Ablauf der Rückzahlungsfrist für einen Millionenkredit hat Griechenland die Notbremse gezogen. Athen bat den Internationalen Währungsfonds am Donnerstag, die am Freitag fälligen 300 Millionen Euro erst am 30. Juni zurückzahlen zu müssen – zusammen mit den übrigen drei in diesem Monat anstehenden Raten. Das sind insgesamt 1,6 Milliarden Euro. Mittlerweile hat der IWF der Regierung in Athen den Aufschub gewährt.

Es war das erste Mal in der seit fünf Jahren andauernden Schuldenkrise, dass die Regierung in Athen die Rückzahlung einer fälligen Tranche an seine Euro-Partner oder den IWF verschiebt. Zuvor hatte sich Ministerpräsident Alexis Tsipras mit den Gläubigern nicht über die Bedingungen für die Auszahlung 7,2 Milliarden Euro Hilfsgeldern einigen können.

Deshalb forderte Tsipras die internationalen Geldgeber zu Nachbesserungen an ihren Vorschlägen für eine Lösung des Schuldenstreits auf. Am Freitag will er das Parlament in Athen über den Verhandlungsstand unterrichten. Doch die Unruhe vor allem im linken Flügel seiner Syriza-Partei wächst. Die ersten sprechen offen davon, die Zahlungen zu verweigern und neue Parlamentswahlen anzusetzen.

In Deutschland stößt der IWF-Deal mit Athen auf scharfe Kritik. "Warum der IWF diese Milde an den Tag legt, erschließt sich mir nicht", sagte der stellvertretende Chef der Unionsfraktion, Michael Fuchs, der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". "Diese Entscheidung halte ich nicht für klug. Mit welcher Begründung will man einem anderen Land einen solchen Zahlungsaufschub nun nicht gewähren.?" Der CDU-Politiker ergänzte: "Ich glaube nicht, dass die Stundung für die Griechen etwas nutzt. Die Griechen haben bis heute nicht begriffen, wie ihre Lage ist."

Der Vorsitzende des Parlamentskreis Mittelstand der Unions-Bundestagsfraktion (PKM), Christian von Stetten, geht noch weiter. Er fordert ein Ende der Griechenland-Hilfen und ein Ausscheiden des Mittelmeer-Anrainers aus dem gemeinsamen Währungsraum . „Die europäischen Regierungen müssen sich ehrlich machen: Das Experiment mit den reformunwilligen Griechen im Euro-Raum ist gescheitert und muss beendet werden“, sagte der CDU-Politiker dem Handelsblatt. Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro oder die Einführung einer Zweitwährung bürge natürlich auch Risiken, „aber es würde dem Euro und seinen Vertragsstaaten die Glaubwürdigkeit und Würde zurückgeben. Es würde deutlich machen, dass sich in Zukunft wieder alle Euro-Staaten an die vereinbarten Regeln halten müssen“.

Kommentare zu " Griechenland: „Griechen haben ihre Lage nicht begriffen""

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  • Fakelaki ist tot. Das ist gut so.

  • Warum Frau Buschmann? Weil der Euro so wirkt.

    http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/merkels-europapolitik-versailles-ohne-krieg/3643258.html

    Durch den Euro ist gewährleistet, dass Deutschland aus seiner Nettozahlerposition nie rauskommt. Denn es ist durch die diversen Forderungen aus Target, den rettungspaketen usw. erpressbar. Und weil man sich erpressen lässt, hat man schon verloren.

  • Das ist wieder nur fast richtig. Griechenland lebt seit langem über seine Verhältnisse (Olympia, 5000 Panzer, viel zu viele Staatsdiener, hohe, früh gezahlten Renten, auch für bereits Verstorbene etc.).
    Die Differenz von Einnahmen und Ausgaben wird über Schuldenaufnahme ausgeglichen. Staatsschulden sind in alles Regel Staatsanleihen, die an Banken und Privatleuten ausgegeben werden, in der Hoffnung auf Zinsen und Rückzahlung.
    Nachdem GR nicht mehr in der Lage war, diese Schulden zu bedienen, wurde dies von den Gläubigerländern abgesichert. Logisch waren das dann auch die Banken die hier vom Risiko des Verlustes entlastet wurden....der feststehende Bankrott wurde ab diesem Zeitpunkt künstlich verschleppt!
    Der Fehler war aber tatsächlich, dass dies zum damaligen Zeitpunkt nicht geschehen durfte....so wurde der Eindruck manifestiert, dass GR um jeden Preis im Euro gehalten wird. Die derzeitige Regierung baut einzig und alleine nur noch darauf....aber um Sparen, Steuereintreiben, Marktliberalisieren kommt GR nach jahrelanger Misswirtschaft einfach nicht herum....das fordern die Institutionen vollkommen zurecht, weil es anders gar nicht geht. Es sei denn, sie sind für die dauerhafte Alimentierung von GR mittels Transferunion. Aber dann werden die nächsten folgen, die das genauso verlangen werden.....
    Der Euro ist das Kern-Problem!!! und sollte deswegen baldmöglichst verschwinden....

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