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Griechenland-Hilfe: IWF rückt von seinen Forderungen ab

Im Streit um die Griechenland-Hilfen sollen sich der Internationale Währungsfonds und die Euro-Finanzminister angenähert haben. Jetzt hängt es noch an einer Finanzlücke von zehn Milliarden Euro, die geschlossen werden muss.

Zwei Hauptdarsteller in der Eurokrise: IWF-Chefin  Christine Lagarde und der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Quelle: dpa
Zwei Hauptdarsteller in der Eurokrise: IWF-Chefin Christine Lagarde und der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Quelle: dpa

AthenIm Streit über weitere Milliardenkredite für das hoch verschuldete Griechenland haben die Gläubiger des Landes Athener Regierungskreisen zufolge Fortschritte erzielt. Demnach näherten sich der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Euro-Länder in der wichtigen Frage des Schuldenziels für Griechenland an. Um zu seiner endgültigen Lösung zu kommen, müsse aber noch eine Finanzlücke von zehn Milliarden Euro geschlossen werden.

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Ein hochrangiger Regierungsvertreter sagte am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters, der IWF habe eingewilligt, den griechischen Schuldenstand im Jahr 2020 nun mit 124 statt der bislang festgelegten 120 Prozent der Wirtschaftsleistung als tragfähig zu erachten. Die Euro-Gruppe habe sich bereits auf Maßnahmen verständigt, wie die Schuldenquote bis 2020 auf 130 Prozent gesenkt werden kann. Um auf die angepeilten 124 Prozent zu kommen, müssten die zehn Milliarden Euro aufgebracht werden, hieß es. Als Reaktion stieg der Euro am Vormittag auf den höchsten Stand seit drei Wochen und notierte bei 1,2908 Dollar.

Entscheidung vertagt Geldgeber gehen frustriert auseinander

Die Euro-Finanzminister schaffen es nicht, das Hilfspaket für Griechenland aufzustocken. Dabei attestieren sie dem Land, alle vor dem Treffen geforderten Maßnahmen erfüllt zu haben. Nun wird am Montag erneut verhandelt.

Eine andere mit den Verhandlungen vertraute Person bestätigte zwar, dass der IWF inzwischen die Schuldenquote von 124 Prozent akzeptiere. Allerdings sei die genannte Lücke von zehn Milliarden Euro zu optimistisch. Bislang wurde mit einer Schuldenstandsquote von 144 Prozent im Jahr 2020 gerechnet. Auf welchem Wege genau die Verbindlichkeiten verringert werden sollen, war zunächst unklar.

Die Frage, in welcher Höhe die griechischen Schulden als tragfähig eingeschätzt werden, ist einer der wichtigsten Streitpunkte zwischen den Europäern und dem IWF. Experten des Fonds haben einen Schuldenerlass auch durch öffentliche Gläubiger angeregt, was vor allem Deutschland ablehnt. Finanzminister Wolfgang Schäuble verweist auf rechtliche Probleme. Zudem würde der sogenannte Schuldenschnitt auch den Steuerzahler belasten.

Die Sicherung der langfristigen Schuldentragfähigkeit ist eine Voraussetzung dafür, dass Griechenland dringend benötigte Kredite aus dem zweiten Hilfspaket mit einem Gesamtumfang von 130 Milliarden Euro erhalten kann. Die nächste Tranche umfasst voraussichtlich 44 Milliarden Euro und soll im Dezember überwiesen werden.

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Bei ihrem Treffen am Dienstag hatten sich die Finanzminister der Euro-Gruppe zunächst nicht auf weitere Hilfen für Griechenland einigen können. Eine weitere Konferenz ist für Montag angesetzt. Vorgesehen ist ein Bündel mit verschiedenen Maßnahmen. Im Gespräch ist etwa, dass Griechenland den Preisverfall seiner Anleihen nutzt und Schuldtitel zurückkauft. Vorgeschlagen wurde auch, Gewinne der Europäischen Zentralbank (EZB) an Griechenland weiterzureichen.

 

  • 27.11.2012, 13:56 Uhrdago138161

    Der Euro hat keine Zukunft in den heutigen 17 Ländern, wovon über die Hälfte schon angeschlagen sind. Diesen sollte man erlauben zu ihren alten Währungen zurück zu gehen, selbst evtl.mit einem kleineren Haircut, dann wären sie nach einer Abwertung wieder wettbewerbsfähig und könnten sich so aufstellen, dass sie in Zukunft eine Chance hätten zu den Euro-Ländern zurück zu kehren u. mithalten zu können.--Die gegenwärtige Politik des Aufschiebens, das
    Peitschen eines lahmen Gauls, des Glaubens und Verfechtens von Versprechungen eines Landes, das in der Regel Versprechen nicht hält,ist bewusste Hinhaltetaktik,auch was der Fin Min gerade im Fernsehen erklärt und verteidigt.--
    Deutschland muss den Euro verlassen, solange dies noch möglich ist. Von der gegenwärtigen Politik profitiert die Finanzbranche, von den Target2 nur die Export-und Großindustrie. Aber die Bürger werden nicht gehört bzw.ignoriert.

  • 24.11.2012, 09:31 UhrSchuischel

    Lieber Rechner, das sagte sogar die Welt: http://www.welt.de/wirtschaft/article108618854/Berlin-hadert-mit-der-Geldwaschmaschine-Zypern.html . Und im ESM ist dieses Prinzip sogar in §2 und 6 festgehalten: "Die Mitgliedstaaten, deren Währung der Euro
    ist, können einen Stabilitätsmechanismus einrichten, der aktiviert wird, wenn dies unabdingbar ist, um die Stabilität des Euro-Währungsgebiets insgesamt zu wahren."

    So, ich phantasiere? Sie sollten sich bilden, Herr "Rechner". Einen Rechner, welche solche Fehler macht, den wirft man i.d.R. weg. Oder bedroht Zypern die Stabilität des Währungsgebiets. Hoch interessant. Und die 17 Mrd sind keine Spekulation. Vassos Shiarly selbst hat es bestätigt. Und als Finanzminister Zyperns sollte er es doch besser wissen, wie Sie? Oder welches Amt bekleiden Sie?

  • 24.11.2012, 00:29 UhrRechner

    'FranzVeldung' sagt
    ------------------------
    Der Schuldenschnitt war wohl kein Ereignis ? Der Haircut ist schon im Frühjahr erfolgt,insofern müssten auch die Verluste verbucht werden.
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    Doch, der Schuldenschnitt war ein Ereignis.

    Verbucht werden muß da aber nichts, da die entsprechenden Forderungen schon hinreichend abgeschrieben waren.

    +++

    'FranzVeldung' sagt
    ------------------------
    Hat ja eine DBK oder SocGen auch gemacht.Sie im Bundeshaushalt nicht zu erwähnen ist unseriös,siehe Kritik der Grünen dazu !
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    Der Bundeshaushalt ist kein Geschichtenbuch für grüne Laienschauspieler.

    Sondern ein RECHENWERK für Einnahmen/Ausgaben.

    Das sich durch die Realisierung von bereits vorgenommenen Abschreibungen weder kameralistisch noch kaufmännisch ändert.

    Natürlich begreifen die Grünen den Unterschied nicht. Sie wollen bloß den Schuldenschnitt noch einmal propagandistisch ausschlachten.

    Womit sie ihre Wähler für dumm verkaufen - die Grünen sind doch die Gutdemagogen die am liebsten ganz Deutschland an Ausländer verschenken würden.

    ...

    Der Schuldenschnitt ist ja nun wirklich nicht insgeheim vorgenommen worden.

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