Griechenland-Hilfe
Notenbanken geben weniger - Staaten müssen einspringen

Zur Rettung Griechenlands haben die europäischen Notenbanken versprochen, ihre Anleihenerlöse an Athen abzugeben. Doch nun wollen sie dabei zunächst Kosten verrechnen. Die Differenz bliebe auch an Deutschland hängen.
  • 37

BerlinDie europäischen Notenbanken werden einem Pressebericht zufolge weniger zu den Hilfen für Griechenland beitragen als bisher bekannt. Zwar bleibe es dabei, dass die Banken ihre Erlöse aus dem Erwerb griechischer Staatsanleihen an Athen abtreten, doch würden ihre Einnahmen in Höhe von etwa zehn Milliarden Euro zuvor mit einer Reihe von Kosten verrechnet, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".

Dadurch dürfte der Gewinn am Ende um ein bis zwei Milliarden Euro niedriger ausfallen. Allein auf den Haushalt von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kommen damit Mehrbelastungen von bis zu 500 Millionen Euro zu, schrieb die "SZ".

Die Notenbanken der Euro-Zone hatten seit dem Frühjahr 2010 griechische Anleihen im Nominalwert von geschätzt 50 Milliarden Euro aufgekauft, dafür wegen des vorangegangenen Kursverfalls aber deutlich weniger bezahlt. Sobald die Titel fällig werden, ergibt sich somit ein Erlös. Um an der Krise nicht noch zu verdienen, hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Montag zugestimmt, die Gewinne an Griechenland abzutreten.

Allerdings hatten die Notenbanken parallel zu den Anleihekäufen an anderer Stelle Liquidität aus den Finanzmärkten abgesaugt, um eine Inflation zu verhindern. Dazu musste sie den Geschäftsbanken Zinsen bieten, die sonst nicht angefallen wären. Diese Zinskosten wollen sie nun mit ihren Anleihegewinnen verrechnen.

Dem "SZ"-Bericht zufolge schütten sie erst danach die Erlöse an ihre jeweiligen Regierungen aus, die das Geld wiederum nach Athen weiterreichen. Da die Euro-Finanzminister Griechenland aber die vollen zehn Milliarden Euro versprochen haben, müssen sie die Differenz aus ihren eigenen nationalen Haushalten begleichen. Schäuble etwa hat 2,7 Milliarden Euro über mehrere Jahre zugesagt, wird von der Bundesbank aber womöglich nur etwa 2,2 Milliarden erhalten.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland-Hilfe: Notenbanken geben weniger - Staaten müssen einspringen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Vicario
    "Dann könnte man eine Art EWG wiederaufbauen"
    Davon rede ich doch. Die EU muss umgewandelt werden, dann brauchen wir nicht auszutreten.

  • @ Delinix

    Ihre Ideen sind goldrichtig, da kann ich nur zustimmen ! Das Internet sollten wir nutzen, um die Nomenklatura zu beseitigen, das ist die abslut primäre Aufgabe ! Und Ihre Aktivität in dieser Hinsicht ist ja auch beispielaft !
    Aber die vernünftige Endlösung sehe ich nur im Austritt aus der EU ( ein EU-Staat ist eine Utopie, die Europa ins Unglück stürzt ). Und wenn Deutschland austritt, fällt das Kartenhäuschen zusammen ! Dann könnte man eine Art EWG wiederaufbauen, die wirklich allen Europäern nützt und die Völker nicht gegenseitig aufhetzt.

    Die heutige EU wird auch von den Franzosen dominiert, die sehr chauvinistisch veranlagt sind und mit denen wir wegen ihrer egoistischen Haltung nichts erreichen !

    Das muß ganz einfach weg, sonst ruinieren wir wegen Finanztransfers unser eigenes Land.

  • @Vicario
    Ich sag ja - das geht ganz sicher viel besser und billiger ohne diesen Wahnsinns-Verwaltungsapparat in Brüssel. Dass es EINFACH ist, habe ich nicht gesagt. Aber wir müssen damit beginnen. Wir müssen Verbündete suchen, durch Aktionen z.B. Wenn erstmal der Anfang gefunden ist, wird eine Lawine ins Rollen kommen.
    Wir sind ja nicht die Einzigen, die die Nase voll von dieser EU-Politik haben.
    Facebook ist sicher ein guter Anfang. Und es gibt auch die sog. Online-Demos, die sehr öffentlichkeits-wirksam sind. Wenn z.B. zu einer bestimmten Stunde die Webseite des Finanzministeriums durch häufiges Anklicken lahmgelegt wird, gleich danach möglichst viele Strom-Sicherungen ausgeschaltet werden UND den Medien der Sinn der Sache zugespielt wird ("wir sind mit der Euro-Rettungspolitik nicht einverstanden, wir wollen diese neue GR-Hilfe nicht"), dann dürfte so etwas sicher auch beachtet werden. Und die nächste Aktion - nach dieser - wird dann einfacher und wird mehr Zulauf bekommen.
    Ist nur eine Idee.
    Haben Sie eine bessere?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%