Griechenland-Hilfen
Arbeitgeber-Präsident Hundt fordert Banken-Beteiligung

Im Streit um die Beteiligung privater Gläubiger an einem weiteren Rettungspaket für das von der Staatspleite bedrohte Griechenland hat sich Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt hinter die Forderung von Bundesregierung und Parlament gestellt, weitere Milliarden-Hilfen an Athen nur unter Mitwirkung von Banken, Versicherern und Pensionsfonds zu gewähren.
  • 8

Berlin/Brüssel„Es entspricht unserer Verantwortung für Europa, Hilfe für Griechenland unter nachvollziehbaren Bedingungen und Voraussetzungen zu mobilisieren, dabei allerdings auch die privaten Gläubiger zu beteiligen“, sagte Hundt dem „Hamburger Abendblatt“ laut Vorabbericht. Griechenland könne sich trotz Fortschritten noch lange nicht selbst am Finanzmarkt refinanzieren. Ohne ein zweites Hilfspaket drohe deshalb eine ungeordnete Staatsinsolvenz. „Ein Zahlungsausfall Griechenlands hätte für das europäische Finanzsystem schwerwiegende Folgen.“ Am Sonntag protestierten mehr als 20.000 Griechen in Athen gegen die Sparpolitik der Regierung. Die Demonstranten versammelten sich vor dem Parlamentsgebäude und riefen „Diebe, Diebe“. Für Mittwoch haben die Gewerkschaften zu einem landesweiten Streik aufgerufen.

Neben Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte zuvor auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker erneut für eine Beteiligung privater Gläubiger wie Banken und Versicherungen an weiteren Milliardenhilfen für das hoch verschuldete Griechenland plädiert. Im Gespräch ist, dass die Banken freiwillig einer Verlängerung der Laufzeit griechischer Anleihen zustimmen. Das Euro-Land bekäme so einen Zahlungsaufschub und wäre nicht gezwungen, sich an den Finanzmärkten um Geld zu bemühen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann äußerte allerdings Zweifel an der Umsetzbarkeit und Wirkung eines solchen Modells. Die Europäische Zentralbank (EZB) befürchtet, dass eine Stundung von griechischen Schulden - dies würde die Bankenbeteiligung bedeuten - von den Ratingagenturen als ein Zahlungsausfall gesehen würde. Das will die EZB auf jeden Fall verhindern, denn sie befürchtet enorme Risiken auf den Finanzmärkten.

Ob die europäischen Gremien eine Beteiligung privater Gläubiger durchwinken, ist noch offen. Die nächste Gelegenheit zu einer Verständigung darüber bietet sich am Dienstag, wenn die 17 Euro-Finanzminister in Brüssel zu einem weiteren Krisentreffen zusammenkommen. Wie Diplomaten am Pfingstmontag in Brüssel berichteten, planen die obersten Kassenhüter eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre Unterstützung für den Schuldensünder bekräftigen wollen. Es soll demnach alles getan werden, um die Stabilität des gemeinsamen Währungsgebiets zu sichern. Europäische Spitzenpolitiker hatten beim G8-Gipfel in Deauville vor gut zwei Wochen besorgten internationalen Partnern wie den USA und Russland bereits versichert, das krisengeschüttelte Mittelmeerland nicht fallenzulassen.

Das neue Paket für Athen soll einen Umfang von 90 Milliarden Euro bis 120 Milliarden Euro haben, vereinzelt ist auch von 80 Milliarden Euro die Rede. Mit abschließenden Entscheidungen der Kassenhüter wird am Dienstag nicht gerechnet.

Weitere Etappen sind die für den 20. Juni geplante Zusammenkunft in Luxemburg und der Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel am 23. und 24. Juni. Das neue Programm soll spätestens bis Monatsende stehen - es ist eine Vorbedingung für die Auszahlung einer Tranche von zwölf Milliarden Euro aus dem seit 2010 laufenden ersten Hilfsprogramm.

Nach den Euro-Finanzchefs werden die Ressortchefs aller 27 EU-Staaten zu einem Abendessen zusammenkommen, um über die Reform der EU-Wirtschaftsaufsicht und die Verschärfung des Euro-Stabilitätspaktes zu beraten. Ein Gesetzespaket wird derzeit mit dem Europaparlament verhandelt. Ein Kompromiss soll in den kommenden Wochen gefunden werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland-Hilfen: Arbeitgeber-Präsident Hundt fordert Banken-Beteiligung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es hilft nicht, wenn wir uns hier gegenseitig bestätigen. Schreiben Sie doch bitte alle die Abgeordneten im Bundestag, speziell die für Ihren Landkreis oder Stadt zuständigen an und geigen Sie denen die Meinung:

    http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/index.jsp

    Diese Damen und Herren müssen wissen, dass wir sie auf gar keinen Fall mehr wählen werden, wenn sie diesem Ausverkauf unseres Landes zustimmen.

    Und hier kann man nachschauen, wie die einzelnen Abgeordneten abgestimmt haben:

    http://parlameter0.zdf.de/flash09/Bundestag.swf

    Linder von der FDP hat wenigstens die Größe, zuzugeben was Sache ist:

    http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/Ersparnisse-der-Buerger-in-Gefahr_aid_1008193.html

    Außerdem nervt es mich furchtbar an, wenn ich immer wieder lese, dass wir angeblich 60% unserer Exporte in die EU ausführen. Es waren vor dem Euro 44% und jetzt sind es 41%. Tendenz weiter fallend, denn wer pleite ist, kann nicht mehr so viel importieren!

  • Was will uns der Herr Hundt damit sagen? Dass einer wie er, der in der zweiten o. gar dritten Reihe der Meinungsmache steht auch noch lebt u. nachplappern kann was Schäuble u. Konsorten ihm vor beten? Die privaten Gläubiger (Banken, Versicherungen, große Anleihefonds) sind längst draußen. Die langfristigen Anleihen haben die Banken längst in eigens dafür neu aufgelegte ETF´s u. sonstige halbseidene Finanzprodukte geschoben, welche sie den treu doofen Systemschafen untergejubelt haben. Somit hält heute schon der EU Steuerzahler den überwiegenden Großteil der Griechenland-Schulden in den Händen, über die EU-Hilfen (Rettungsschirm) u. EZB (Anleihen). Jetzt, über ein Jahr nach dem ersten Griechenland-Bailout zu kommen u. eine Beteiligung privater Gläubiger einzufordern ist nichts anderes als Volksverdummung! Unsere Politiker u. Wirtschaftseliten haben es verabsäumt die Griechen im Vorjahr in die Insolvenz gehen zu lassen u. werfen nun dem schlechten noch schlechteres Geld auf Kosten der Steuerzahler hinterher. Ich kann bei weitem nicht soviel essen wie ich gerne kotzen würde, wenn ich Argumente nach Art von "an Deutschland soll der Euro nicht scheitern" oder " der Euro hat uns Frieden u. Wohlstand gebracht, den es zu verteidigen gilt" lese. Tatsächlich wird uns der Euro alle in die Armut führen u. über kurz o. lang in einem interkontinentalen Krieg enden!

  • Griechenland ist aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur bzw. mangelhaften Wettbewerbsfähigkeit ein VERLUSTUNTERNEHMEN, kein langfristig orientierter Anleger wird dem griechischen Staat sein Geld anvertrauen, auch nicht nach einem Schuldenschnitt mit Bankenbeteiligung.
    Man müsste die Anleger also mit diesen Papieren zwangsbeglücken: wie wäre es mit einem europaweiten Pensions/Renten/Solidarfond, in den die Bürger einzahlen müssen? Im Ruhestand kann der deutsche Michel sich dann für eine 30-jährige Euro-Solidaranleihe zu ehemals 100 Euro eine Semmel vom Vortag kaufen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%