Griechenland-Hilfen
Europäer wollen Athen auf Reformkurs halten

Die europäischen Regierungen wollen Griechenland mit einer „Kreditlinie mit erweiterten Bedingungen“ auf Reformkurs halten. Auch soll es positive finanzielle Anreize durch Ausschüttung von EZB-Gewinnen geben.
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Berlin/DüsseldorfDie europäischen Regierungen wollen Griechenland auch in Zukunft durch Auflagen und finanzielle Anreize zu Reformen anhalten. Das geht aus einem vertraulichen Bericht der EU-Taskforce Griechenland unter Leitung von Horst Reichenbach hervor, der dem Handelsblatt (Freitagausgabe) vorliegt. (Das vollständige Themenpaket zu Griechenland finden Digitalpass-Kunden hier zum Download)

Es sei beabsichtigt, Griechenland „zukünftig eine Kreditlinie mit erweiterten Bedingungen (Enhanced Conditions Credit Line, ECCL) zu gewähren“, heißt es in dem Papier. Mit einer solchen vorsorglichen Kreditlinie vom Euro-Rettungsfonds ESM wäre auch der Abschluss einer Vereinbarung über Reformen verbunden. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, wurde in Regierungskreisen betont. Die Verhandlungen mit Athen liefen.

„Über die Struktur der Kooperation“ sei „noch nicht entschieden“, heißt es in dem Papier. Die Bedingungen würden wohl nicht so kleinteilig wie beim auslaufenden zweiten Rettungsprogramm, bei dem Hunderte Einzelmaßnahmen festgelegt seien, hieß es in Regierungskreisen. Aber zwei, drei Dutzend Vorgaben seien denkbar.

Die Europäer wollen die Athener Regierung auch in Zukunft mit Geld locken. „Zugleich sollen für die Umsetzung von Reformen auch weiterhin positive finanzielle Anreize über die Ausschüttung von Zentralbankgewinnen aus den GRC-Staatsanleihen gesetzt werden“, heißt es in dem Papier der Taskforce.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zu Beginn der Euro-Krise massenhaft Anleihen von südeuropäischen Ländern gekauft. Da sie damals zu extrem niedrigen Kursen kaufte, entstehen der EZB und den nationalen Notenbanken Gewinne, wenn die Anleihen auslaufen. Im Rahmen des zweiten Hilfsprogramms hatten die Euro-Staaten vereinbart, dieses Geld nach Athen weiterzureichen.

Nun stellen die Europäer Griechenland in Aussicht, an dieser Praxis auch nach dem Ende des zweiten Hilfsprogramms festzuhalten. Es soll um mehrere Milliarden Euro gehen. Nach Einschätzung der Taskforce gibt es weiterhin hohen Reformbedarf. Griechenland sei „auf halbem Wege einer sehr umfassenden Reformagenda“, heißt es in dem Papier.

Kommentare zu " Griechenland-Hilfen: Europäer wollen Athen auf Reformkurs halten"

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  • Griechenland sei „auf halbem Wege einer sehr umfassenden Reformagenda“ - das ist eine sehr positive und wohlwollende Umschreibung der Tatsache, dass Griechenland seit Beginn seiner "Rettung" so gut wie keine Reformen angegangen geschweige denn umgesetzt hat. Und wieso auch?? Wieso sollte Griechenland auch nur im entferntesten daran denken, wenn es sich nun fast schon dagegen wehren muss, dass die europäischen Gutmenschen-Retter dem Land weitere zig-Milliarden quasi aufdrängen. EZB-Gewinne werden also nach Griechenland "weitergereicht". Dann dann lasse ich mir doch lieber Milliarden "weiterreichen" anstelle meine Griechen mit unbeliebten Reformen zu nerven,für die man am Ende nur abgewählt wird.

  • Da müssen sich die Europäer aber ganz schön anstrengen. Und genügend gute Angebote machen. Und immer wieder ermutigen. Und jeden Schritt belohnen. Am besten mit Geld.
    Da freut sich der Europäer, wenn er eine Zusage bekommt, daß Reformen umgesetzt werden sollen. Mal sehen, was man den Griechen noch weiter Guts tun kann, fragt er sich
    andauernd. Sie werden es ihm schon mitteilen, was sie gerne möchten, da kann er sicher sein.

  • >> Europäer wollen Athen auf Reformkurs halten >>

    Hier verwechselt man wieder die Europäer mit der EU !

    Die EU will Athen auf Reformkurs halten, die Europäer sollen diesen Unsinn bezahlen !

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