Griechenland-Hilfspaket
Schuldenschnitt entfacht Gläubiger-Disput

Die geplante Beteiligung privater Investoren an einem neuen Griechenland-Paket gestaltet sich zunehmend schwierig. Bei einem freiwilligen Schuldenschnitt würden gekaufte CDS wertlos werden und sich Institute querstellen.
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FrankfurtIn den Krisengesprächen über die Beteiligung privater Investoren an einem neuen Griechenland-Hilfspaket tauchen immer neue Schwierigkeiten auf. Jetzt ist Finanzkreisen zufolge ein Disput entbrannt zwischen den Gläubigern, die eine Kreditversicherung (CDS) gekauft haben, und den anderen. Wenn sich die Investoren wie angestrebt im Januar auf einen freiwilligen Schuldenschnitt einigen, würde das wohl keine CDS-Zahlungen auslösen. „Damit hätten einige Banken Kreditversicherungen gekauft und das würde ihnen nun gar nichts bringen“, sagt ein hochrangiger Finanzmanager mit Kenntnissen der seit Monaten laufenden Verhandlungen. Für diese Institute gebe es somit keinen Anreiz, sich zu beteiligen. Im Gegenteil: Für sie wäre ein erzwungener Schuldenschnitt - etwa im Falle einer Pleite Griechenlands - die bessere Option, da sie dann CDS-Zahlungen als Ausgleich bekämen.

„Das erschwert die Gespräche.“ Welche Gläubiger die Kreditversicherungen erworben haben, ist unbekannt. Die CDS auf griechische Bonds sichern Expertenschätzungen zufolge zwar nur ein Volumen von rund vier Milliarden Euro ab, doch der Streit zeigt, wie uneins die Gläubigerschar ist. Widerstand kommt Finanzkreisen zufolge auch von kleineren Investoren, die noch in diesem Jahr fällige Anleihen halten. Sie hätten die Hoffnung, ihr Geld noch vollständig wiederzusehen. Insider halten daher ein Scheitern weiter für möglich, auch wenn Verhandlungsteilnehmer offiziell von Fortschritten sprechen.

Die Beteiligung privater Gläubiger - Banken, Versicherungen und Hedgefonds - ist Voraussetzung für das neue Rettungspaket für Griechenland. Es sieht einen Forderungsverzicht der Gläubiger von 100 Milliarden Euro sowie neue staatliche Hilfen über insgesamt 130 Milliarden Euro vor. Das mit 350 Milliarden Euro verschuldete Land braucht das Geld dringend, da sonst im März die Zahlungsunfähigkeit droht. Am 20. März muss der Staat Anleihen über knapp 15 Milliarden Euro zurückzahlen. Bundeskanzlerin Angela Merkel machte am Montag erneut Druck: Ohne einen Schuldenerlass würden keine neuen Gelder fließen, warnte sie. Daher müsse dieses Thema vorangetrieben werden.

Vor allem die Bundesregierung hat darauf gepocht, Investoren an dem neuen Hilfspaket zu beteiligen. Nach den Vorstellungen der EU-Länder sollen die Gläubiger auf 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten, was rund 100 Milliarden Euro entspricht. Die Banken sollen demnach alte Anleihen durch neue ersetzen mit längerer Laufzeit, geringeren Kupons und kleinerem Volumen.

Doch viele Details etwa zur Höhe der Kupons und zur tatasächlichen Belastung für die Institute sind noch umstritten. So hatten die Griechen in den Verhandlungen mit dem Internationalen Bankenverband (IIF) Erleichterungen um bis zu 75 Prozent gefordert, wozu die Banken nicht bereit sind. Sie mussten wegen der Griechenland-Krise ohnehin bereits Milliarden auf ihre Hellas-Anleihen abschreiben. Französische und deutsche Banken gehören zu den größten Gläubigern.

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  • Und was ist mit den Millarden, die unsere Politiker nachgeschoben haben?

    Was ist mit dem Spruch von Merkel "Griechenland retten um den Euro zu retten"? Wenn also Griechenland pleite geht, dann vergißt Merkel den Euro?

    Es hat wohl noch nie einen Kanzler(in) gegeben, der solch schlechte Berater ausgewählt hat wie Frau Merkel.

  • Es macht keinen Sinn ein totes Pferd weiter reiten zu wollen - das wussten schon die Indianer.

    Lasst Griechenland endlich in die Staatsinsolvenz gehen, als abschreckendes Beispiel für andere hoch verschuldete EU-Staaten. Das kostet sicher den größten Wert an Staatsanleihen ist aber besser investiert als dieser langsame Tod und die Zuversicht anderer Schuldnerstaaten dass ihnen nichts passieren wird ....

  • Schon lustig wie es Politiker schaffen solch absurde Marktverzerrungen zu kreieren.

    Das Schlimme ist ja, dass mit dieser freiwilligen Umschuldung der gesamte CDS Markt in Frage gestellt wird. Die Politiker sind sich hier wohl nicht der negativen Folgen bewusst, die das zwangsweise nach sich ziehen muss.

    Spekulation mal außen vor, aber ein Unternehmer der sich nicht mehr gegen Teilrisiken (hier Staatspleite / Währungsreform) absichern kann, der wird keinen einzigen Cent mehr in den betroffenen Regionen investieren. Und ob sich jemand freiwillig 20-jährige italienische Staatsanleihen ohne Absicherung zu Zinsen unter 6% ins Depot legt glaube ich auch nicht.

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