Griechenland
Im Visier der Steuerfahnder

Zahlten alle Griechen ehrlich Steuern, hätte das Land kein Finanzproblem. Auf zehn Euro gezahlte Steuern kommen acht bis neun hinterzogene. Steuerfahnder legen sich ins Zeug.
  • 32

AthenDen griechischen Steuerfahndern sind einige dicke Fische ins Netz gegangen. In zwei Fällen gibt es pikante politische Verbindungen, nach Linksaußen und zur extremen Rechten. Ein Schönheitschirurg, der Einnahmen von 2,3 Millionen Euro vor dem Finanzamt versteckte, zwei Rechtsanwälte, die Honorare von je rund einer Million nicht deklarierten und ein bekannter Popstar, der dem Fiskus Einnahmen von 2,8 Millionen Euro verschwieg – das sind nur die spektakulärsten Fälle, die griechische Finanz-Fahnder in den vergangenen Wochen aufdeckten.

Die grassierende Steuerhinterziehung ist eine der Hauptursachen für die chronische Schuldenkrise des Landes. Fachleute rechnen vor: Wenn alle Griechen ehrlich ihre Steuern zahlen würden, hätte das Land überhaupt kein Finanzproblem.

Finanzminister Giannis Stournaras setzt auf drakonische Strafen. 600 Menschen seien in seiner Amtszeit bereits ins Gefängnis gewandert, weil sie Steuerschulden nicht bezahlt haben, sagte Stournaras kürzlich dem Handelsblatt. „Das ist nicht sehr schön, aber wir mussten es machen“, so der Minister.

Galt Steuerhinterziehung früher auch vor Gericht oft als Kavaliersdelikt, zieht die Justiz jetzt andere Saiten auf: Vergangene Woche wurden erstmals in Griechenland drei Steuersünder zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten sich mit gefälschten Rechnungen Mehrwertsteuer-Erstattungen von 840.000 Euro erschlichen.

Doch bevor man die Steuersünder verurteilen kann, muss man sie erst einmal stellen. Daran haperte es bisher. Immerhin: Der Druck wächst. Eine Sommerpause gönnten sich die Steuerfahnder dieses Jahr nicht. Während der Ferienzeit mischten sich die als Touristen getarnten Finanzpolizisten unter die Urlauber, besuchten Tavernen, Bars und Andenkenläden. Wenn sie genug gesehen hatte, zückten sie ihre Dienstausweise.

Tausende Stichproben führten die Fahnder in den Feriengebieten durch, mit erschütternden Ergebnissen: Bei 1256 Kontrollen stellten die Beamten allein in der ersten Augusthälfte 5668 Steuerverstöße fest. Spitzenreiter bei der Steuerhinterziehung waren die Inseln Amorgos, Paxoi und Symi, auf denen es buchstäblich in allen überprüften Betrieben Beanstandungen gab.

Kommentare zu " Griechenland: Im Visier der Steuerfahnder"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Fragen Sie doch die griechische Steuerbehörde.

    Die sollte das doch wissen, oder nicht? Ein HB Leser kann das doch garnicht einschätzen, lieber Nikos! Ob das wohl die griechsiche Steuerbehörde kann?

  • zahlen eigentlich alle deutsche die in griechenland ferienwohnungen u. sie auch vermieten steuern? einfach nur eine frage?

  • Bei den Mieteinnahmen wird gegenüber der Steuer nur die Hälfte der tatsächlich gezahlten Miete angegeben. Hierzu setzt der Vermieter einen zweiten Mietvertrag über die Hälfte der tatsächlich gezahlten Miete auf, lässt den Mieter unterschreiben und geht damit zur städtischen Behörde um sich diesen mit einem Stempel absegnen zu lassen. Der zweite Mietvertrag wird dann bei den Steuerunterlagen eingereicht. Die Miete wird vom Mieter meistens in bar bezahlt und erscheint auf keinem Kontoauszug (den es übrigens in Griechenland überhaupt nicht gibt). Die abzeichnende städtische Behörde würde nie auf die Idee kommen, sich Gedanken zu machen, ob zu so einer niedrigen Miete, überhaupt jemand vermieten würde. Man nimmt von behördlicher Seite den Steuerbetrug bewusst in Kauf. Somit ist die Steuerhinterziehung auch in den nächsten 20 Jahren in Griechenland nicht wirkungsvoll zu bekämpfen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%