Griechenland in der Krise: „Es wird niemals einen Grexit geben“

Griechenland in der Krise
„Es wird niemals einen Grexit geben“

EU-Chef Juncker schließt einen Grexit zwar aus. In einem Zeitungsbericht heißt es aber, dass die vormalige Troika zurück nach Athen kehren und die Bücher prüfen soll. Für Regierungschef Tsipras wäre das verheerend.
  • 3

BrüsselDie EU-Kommission hat abermals einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone kategorisch ausgeschlossen. „Die Europäische Kommission vertritt die Auffassung: Es wird niemals einen Grexit geben“, sagte der Präsident der Brüsseler Behörde, Jean-Claude Juncker, der Zeitung „Welt am Sonntag“.

„Niemand unter den politisch Verantwortlichen in Europa arbeitet an einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Das Land ist und bleibt Mitglied der Währungsunion.“ Ein Ausstieg Athens aus der Eurozone würde nach Junckers Einschätzung zu einem nicht zu reparierenden Ansehensverlust der gesamten EU in der Welt führen.

Juncker appellierte aber auch an die Europäer, die dramatische Lage im Krisenland anzuerkennen. Ein Viertel der Griechen bekomme keine Sozialleistungen mehr, und die Arbeitslosigkeit sei in die Höhe geschossen. „Wir müssen aufpassen, dass sich die Verhältnisse in Griechenland nicht noch verschlimmern“, sagte der Luxemburger. „Was mich besorgt ist, dass noch nicht alle in der Europäischen Union den Ernst der Lage in Griechenland verstanden haben.“

Die Euro-Finanzminister werden am Montag über die Lage beraten - knapp zwei Wochen nach dem grünen Licht für eine Verlängerung des Hilfsprogramms für Griechenland beraten. Das Land wird seit 2010 mit internationalen Hilfskrediten in dreistelliger Milliardenhöhe über Wasser gehalten. Mit der Verlängerung des Programms um vier Monate bis Ende Juni erhält Athen die Chance auf weitere Hilfskredite, die allerdings noch nicht in den nächsten Wochen fließen dürften.

Laut eines Vorabberichts der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) will die Eurogruppe am Montag die vormalige Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission zurück nach Athen schicken. Die drei Institutionen sollen die Bücher der griechischen Regierung prüfen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf europäische Diplomaten. Dadurch wolle die vormalige Troika in Erfahrung bringen, wie liquide die Regierung noch sei. „Wir stehen bereit, unsere Fachleute nach Athen zu senden, um die Zahlen und Probleme sofort anzuschauen. Wir wünschen uns, dass die griechische Regierung diesem Plan am Montag zustimmt“, zitiert die „FAS“ EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré. Der griechische Regierungschef Tsipras hatte sich bislang gegen eine solche Rückkehr gewehrt.

Die Regierung steuert wegen der noch nicht fließenden Hilfsgelder auf einen akuten Engpass zu: Insgesamt muss Athen im März Verpflichtungen im Umfang von gut 6,85 Milliarden Euro erfüllen. In den kommenden Wochen will Athen die drohende Finanzierungslücke mit kurzfristigen Anleihen überbrücken, wie Ministerpräsident Alexis Tsipras im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ ankündigte. Laut „FAS“ schätzen die Geldgeber die finanzielle Lage so ein, dass Athen im März noch über die Runden kommen werde. Möglicherweise müsse das Land dazu aber zu „schmutzigen Tricks“ greifen.

Griechenlands Sonderbotschafter Jorgo Chatzimarkakis forderte als Wiedergutmachung für Nazi-Verbrechen deutsche Milliarden für eine griechische Aufbaubank. Die Frage der Entschädigung sei „von den Vertretern der jeweiligen Bundesregierungen nach 1949 sehr geschickt unter den Teppich gekehrt worden“, sagte der frühere FDP-Politiker der „Rheinischen Post“ (Samstag).

Kommentare zu " Griechenland in der Krise: „Es wird niemals einen Grexit geben“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist verwunderlich, dass gegen die alten griechischen Regierungen, die diese Krise zusammen mit europäischer Ermunterung und korrupten Geschäften für europäische Firmen verursacht haben, und niemals eine solche Kampagne geritten wurde, wie gegen die neue, die das grundsätzlich ändern möchte. Die griechische Regierungen braucht viel mehr Zeit als für die kurzatmigen "Reformen", die ihr aufgezwungen werden soll. Die neue griechische Regierung soll vor dem europäischen Geldchauvinismus zu Kreuze kriechen und ihre Wähler betrügen. Das kann so nicht gut gehen.

  • Es ist doch bezeichnet für diese verrotteten Politiker in Grichenland, daß ausgerechnet ein Betrüger, Herr Jorgo Chatzimarkakis, als Griechenlands Sonderbotschafter nach Europa und Deutschland geschickt wird. Warum hat man nicht zuvor das Orakel befragt. Es hätte ganz sicher davon abgeraten.

  • Das sollte einem zu denken geben - einer der größten Steuerbetrüger, der Luxemburger, - ach ne, war ja alles legal - will den Verbleib der Griechen mit allen Mitteln. Das sollte Deutschland eine Warnung sein wohin unser Geld in Wirklichkeit fließt. Und die SPD in Form ihres dicken EU Schulz stützt solche Personen auch noch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%