Griechenland in der Krise

Staatsbankrott und Austritt wahrscheinlicher

Noch bevor die „Troika“ ihren Bericht über Griechenlands Spar-Disziplin abgibt, deuten mehrere Medienberichte auf eine baldige Pleite des Landes hin. Immer mehr machen auch ein Austritt aus der Euro-Zone zum Thema.
20 Kommentare
Griechenland steht offenbar vor dem endgültigen finanziellen Zerfall. Quelle: Reuters

Griechenland steht offenbar vor dem endgültigen finanziellen Zerfall.

(Foto: Reuters)

BerlinEin Staatsbankrott Griechenlands wird Medienberichten zufolge immer wahrscheinlicher. Die wichtigsten Geldgeber des Landes, allen voran Deutschland, sind nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ nicht mehr bereit, der Regierung in Athen über die bisherigen Zusagen hinaus zu unterstützen.

Das Gleiche gelte für den Internationalen Währungsfonds (IWF). Zuvor hatte bereits der „Spiegel“ berichtet, dass sich der IWF nicht an weiteren Hilfen beteiligen wolle. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hält einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone angesichts der Lage nicht mehr für unwahrscheinlich.

Im Sanierungsprogramm der Griechen klafft laut „SZ“ erneut ein Loch in zweistelliger Milliardenhöhe. Grund sei, dass während des Dauer-Wahlkampfs im Frühjahr fast alle Reformvorhaben liegen geblieben seien.

Außerdem entstehe durch die von der neuen Regierung geforderte verlängerte Zeitspanne zur Umsetzung der Reformen ein erhöhter Finanzbedarf. Die im zweiten EU-Hilfspaket zugesagten Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro reichten somit nicht mehr aus.

Die „SZ“ zitierte aus Berliner Regierungskreisen, es sei „undenkbar, dass Kanzlerin Angela Merkel noch einmal vor den Bundestag tritt und um Zustimmung für ein drittes Griechenland-Paket bittet“.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich indirekt dagegen aus, Griechenland mehr Zeit einzuräumen. „Wenn es Verzögerungen gegeben hat, muss Griechenland diese aufholen“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Eine Prognose zum Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone lehnte Schäuble ab. „Ich werde der ‚Troika’ nicht vorweggreifen. Wenn der ‚Troika’-Bericht vorliegt, wird die Euro-Gruppe beraten.“

Schäuble sagte zudem, wenn es Verzögerungen in Griechenland beim Sparprogramm gegeben habe, müsse das Land diese aufholen.

Rösler: „Ich bin mehr als skeptisch“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

20 Kommentare zu "Griechenland in der Krise: Staatsbankrott und Austritt sind immer wahrscheinlicher"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Man hätte sich nie über die No-Bailout-Klausel in den Verträgen zur Währungsunion hinwegsetzen dürfen. Das war der Anfang vom Ende auch der deutschen Finanzen. Ausverkauf der Arbeits- und Erwerbskraft eines ganzen Volkes zugunsten ausländischer Bürger und Millionäre.
    Kurz: Das Bailoutverbot zu brechen, war ein Staatsstreich bereits von oben inszeniert und wird sich als Anfang vom Ende der Währungsunion erweisen. Von da an war der Euro eigentlich schon tot.

  • Wer kann Griechenland schon Vertragsbruch vorwerfen, wenn die EZB dies ebenso konsequenzlos handhabt.

    Wenn die Akteure rechtlich nicht belangt werden (können), braucht man ihnen auch keine Vorwürfe zu machen. Solche Leute dann auch noch über Bares verfügen zu lassen, ist schon ausgemachte Dummheit des Volkes.

    Nicht nur in Griechenland sind Konsequenzen zu ziehen, hier bei uns auch.

  • 'Karandasch' sagt
    ----------------------
    ...nur die Banken und "Großanleger" brauchten noch Zeit um ihr Geld zu retten - das ist nun erfolgt ...das Geld ist jetzt in der Schweiz oder es wurde in London oder München eine Villa gekauft ,der " Müll" liegt jetzt bei der EZB...die Griechen bekommen ihren ( wohl 5.) Staatsbankrott (in ca 160. Jahren Staatsexistenz) und das Geld der Steuerzahler ist futsch. Das ist ja super gelaufen...Danke an alle die daran maßgeblich beteiligt waren...von schwarz bis grün...
    kann man alles vergessen.
    ----------------------

    Sie übersehen allerdings, daß sich die privaten Gläubiger beim Schuldenschnitt im März mit etwa 90 Milliarden beteiligt haben. Auch haben viele private Gläubiger letztes Jahr ihre griechischen Staatsableihen mit hohem Verlust über den Sekundärmarkt an die EZB verkauft. Diese Papiere sind inzwischen auch beim EFSF gelandet.

    Die privaten Gläubiger haben sich immerhin mit etwa 35% an den Verlusten beteiligt.

    Hätte man seitens der Retter auf mehr bestanden, wären einem dann einige der privaten Gläubiger zwecks Rettung in den Schoß gefallen.

    Gespart hätte man sich nicht viel - vielleicht wäre das ganze durch Markteffekte sogar noch teurer geworden.

    Solange es kein vernünftiges Insolvenzrecht für Großbanken gibt, wird sich an dieser Gemengelage bei drohender Staatspleite auch nicht viel ändern. Hier sind die Politiker seit 2008 in der Bringschuld.

  • 'Karandasch' sagt
    -------------------
    War es wirklich gewollt Griechenland im Euroraum zu halten ?
    Ich denke es war von Anfang an klar, daß die Griechen diese Unsummen niemals zurückzahlen können...
    -------------------

    Es wäre Griechenland durchaus möglich, selbst auf Basis der Zahlen von 2011 einen ausgeglichenen Haushalt zu erzielen. Eine Kürzung der Beamtengehälter und Sozialausgaben um je 27% würde 20 Milliarden sparen und den Haushalt ausgleichen. Und die Beamtengehälter lägen immer noch 25,3% höher als 2001, und die Sozialausgaben 52,6%.

    Die Griechen wollen aber keine 350 Milliarden langsam über 30 Jahre verzinsen und abstottern. Und auch keine 250 Milliarden - nach "Schuldenschnitt".

    Das Geld ist - wie sie richtig sagen - auf ihre Konten in Nikosia, London, Frankfurt und Zürich gewandert. Im Durchschnitt so etwa dreissigtausend pro Grieche.

    Solange wir so blöd sind weiter den griechischen Staatshaushalt per EFSF zu bezuschußen, werden die paar Milliarden extra eben auch noch dankend angenommen.

    Bloß zurückzahlen ist ein Wort daß es in der griechischen Sprache wohl nicht gibt.

  • War es wirklich gewollt Griechenland im Euroraum zu halten ?
    Ich denke es war von Anfang an klar, daß die Griechen diese Unsummen niemals zurückzahlen können...geschweige denn die Zinsen aufzubringen...nur die Banken und "Großanleger" brauchten noch Zeit um ihr Geld zu retten - das ist nun erfolgt ...das Geld ist jetzt in der Schweiz oder es wurde in London oder München eine Villa gekauft ,der " Müll" liegt jetzt bei der EZB...die Griechen bekommen ihren ( wohl 5.) Staatsbankrott (in ca 160. Jahren Staatsexistenz) und das Geld der Steuerzahler ist futsch. Das ist ja super gelaufen...Danke an alle die daran maßgeblich beteiligt waren...von schwarz bis grün...
    kann man alles vergessen.

  • Das frage ich mich auch schon die ganze Zeit, wo bleibt eigentlich die Justiz? Oder ist man vielleicht der Auffassung, dass Politiker nicht kriminell werden könnten? Gerade mit der Vergangenheit von Deutschland ist das doch sehr bedenklich, dass es da anscheinend überhaupt keine Bewegung gibt.
    Da beschliesst das Verfassungsgericht so Dinge, wie ausreichende Information, noch keinen Momnat später wiederum Klagen, weil die Politik sich nicht dran hält und nichts passiert.
    Irgendwie scheinen für die Politik Gesetze nicht zu zählen, könnte man meinen.

  • Das Griechenland und Zypern austreten müssen liegt auf der Hand.
    Vorher sollten aber noch den griechischen Finanzbehörden Tipps gegeben werden, wie sie die Millonen welche bisher außer Landes geschafft wurden, wieder zurückholen können.

  • Da frage ich mich echt wo das ganze Geld von der Hilfe nun hin ist ?!? Griechenland soll raus aus der EU das wäre für alle das beste ! Aber wenns nach den Politikern geht retten was man retten kann egal ob sinnvoll oder nicht.
    Auch so ist der Euro eher ne Last als ne Hilfe !

  • "Alternativlos" und nun soll es doch gehen .... lol , aber Hauptsache wir haften für den ganzen Scheiss!

  • Der Austritt oder Rausschmiss Griechenlands wird sich wie ein reinigendes Gewitter über Investoren, Märkte und Banken legen. Dann wäre nämlich gewiss, dass dummdreistes und anmaßendes Taktieren von korrupten Südländern nicht bis in alle Ewigkeit fortgesetzt werden kann. Und die anderen Aspiranten, der gesamte ClubMed, werden sich in Zukunft sehr genau überlegen, ob sie die erfolgreichen Nordstaaten weiter auf erpresserische Weise um ihre Steuergelder zu bringen versuchen!
    Ich mache jedenfalls ein großes Fass auf, wenn die Griechen endlich raus sind.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%