Griechenland
IWF fordert erneut massive Einsparungen

Der IWF-Chefkontrolleur mahnt Griechenland bei seinen Reformplänen an, notfalls staatliche Unternehmen zu schließen und Beamte zu entlassen. Er räumt aber ein, dass vorher zu wenig auf die Ausgaben geachtet wurde.
  • 17

AthenDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat erneut massive Einschnitte in Griechenland gefordert, zugleich aber Fehler eingeräumt. Der IWF-Chefkontrolleur für Griechenland, Poul Thomsen, sagte der Athener Zeitung „Kathimerini“, die Regierung in Athen müsse staatliche Unternehmen schließen und notfalls Staatsbedienstete entlassen. Außerdem müssten die Löhne drastisch gekürzt werden.

Der Mindestlohn in Griechenland sei „dramatisch höher“ im Vergleich zu anderen europäischen Staaten, sagte Thomsen. Es sei skandalös, dass wegen der hohen Mindestlöhne rund 40 Prozent der jungen Menschen in Griechenland arbeitslos sind. Thomsen sagte aber zugleich, dass es Fehler in der Politik der „Troika“-Experten von EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) gegeben habe. Das Reformprogramm habe zu sehr auf neuen Steuern basiert. Die „Troika“ hätte der Reduzierung der Ausgaben mehr Gewicht geben sollen.

Zu den laufenden Verhandlungen über einen freiwilligen Schuldenschnitt für Griechenland und die Frage, ob sich neben privaten Gläubigern auch Staaten oder die EZB beteiligen sollten, sagte Thomsen: „Wir brauchen eine kombinierte Reduzierung der Lasten der Schulden des Landes“.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hatte am Dienstag ein bislang nicht geplantes Treffen der Finanzminister der Eurogruppe in Brüssel angekündigt. „Am Montag, den 6. Februar, wird es erneut ein Treffen der Eurogruppe geben“, sagte Venizelos vor Journalisten in Athen. Dabei gehe es um den angepeilten Schuldenschnitt und das griechische Spar- und Stabilisierungsprogramm, wie es hieß. Eine Bestätigung der Eurogruppe für das Treffen gab es allerdings nicht.

„Wir müssen unsere Arbeit machen und bis zum Ende dieser Woche die Verhandlungen mit der „Troika“ über das neue Sparprogramm abschließen“, sagte Venizelos. In Zusammenhang mit dem angestrebten Schuldenschnitt von 100 Millionen Euro stünden Griechenland und die Banken „einen Schritt vor Abschluss der Verhandlung“. Venizelos schätzte, dass der Schuldenschnitt höher sein werde als bislang angepeilt. Nach seinen Worten könnten die Verluste der privaten Gläubiger die Marke von 70 Prozent erreichen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland: IWF fordert erneut massive Einsparungen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Lieber Herr IWF-Chefkontrolleur,
    die Europäische Währungsunion kann nur dann überleben wenn eine echte funktionierende Fiskalunion, mit gemeinsamer Verantwortung und Teilaufgabe der Steuerhoheit durch die einzelne Euro-Länder an eine zentrale Steuerbehörde, beschlossen und vereinbart wird.
    Was wir jetzt haben ist ein Exportreservat für deutsche Großkonzerne die, die im Euroraum realisierte Gewinne, zum größten Teil in Nichteuroländer reinvestieren.
    Daher die hohe Arbeitslosigkeit und die daraus resultierende Defizite in den Peripherieländern.
    Kurzfristig ist diese Einstellung für Deutschland vom Vorteil, langfristig wird sie zwangsläufig verantwortlich für den Zusammenbruch der Währungsunion sein.
    Ein Neokolonialismus werden sich die Europäische Völker von Deutschland nicht aufzwingen lassen. Zusammenhalt und nicht Gegeneinander ist bitter nötig.

  • Wann wird den Redakteueren des Handelsblatts endlich mal jemand den Unterschied zwischen Millionen und Milliarden erklärt. 1000 Millionen sind 1 Milliarde! Kapiert. Es geht in Griechenland also nicht um einen Schuldenschnitt von 100 Millionen sondern um 100 Milliarden - also - die tausendfache Summe. Endlich verstanden?

  • @ Delinx1

    Nur weil jemand irgendwo "lebt", bedeutet das noch lange nicht, dass er auch nur einen blassen Schimmer von politischer Ökonomie oder gar deren Kritik hat. Selbst ein gewisser Henry Ford wusste noch zumindest, dass Autos keine Autos kaufen. Passend zum "postmodernen" Zeitgeistphrasengedresche angeblich "zu hoher Löhne" muss dementsprechend konstatiert werden, dass Waschmaschinen ebenso tatsächlich doch keine "Apps" "kaufen".
    Über die immer mehr forcierte "Lohnveredlungs-Bonanza", wonach "es nicht mehr kontinentaleuropäische Löhne seien sollen, nein, sondern chinesische", hat sich vor über 150 Jahren schon ein gewisser Herr Marx genussvoll hämisch ausgelassen. Viel Vergnügen noch bei Ihrem vor die Wand laufenden Say'schen "Angebots-Dogma-Nachgeplapper" - vielleicht erzählen Sie das mal den hunderttausenden Griechen, denen mittlerweile schon lebensnotwendige Medikamente vorenthalten werden.

    Insofern heißt es tasächlich nicht "IWF fordert erneut Massenselbstmord", sondern genaugenommen lautet es: "IWF fordert Zerfallskrieg" bzw. "IWF fordert Massenmord" - denn wie heißt es schon in Shakespeares' "Kaufmann von Venedig": "Nimm mir die Mittel zum Leben, und du mordest mich."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%