Griechenland
Jede zehnte Rente könnte erschlichen sein

Bei den griechischen Renten kommt es trotz intensiver Kontrollen weiterhin zu Unregelmäßigkeiten. Die Behörden sind sich bei jeder zehnten Rente nicht sicher, ob sie rechtmäßig ist und an wen sie ausgezahlt wird.
  • 14

AthenIn Griechenland erschleichen sich Bürger trotz intensiver Kontrollen Zuschüsse und Renten. Die Behörden können für jede zehnte Rente nicht sicher feststellen, ob sie rechtmäßig ist und an wen sie genau ausgezahlt wird.

Dies sagte am Mittwoch der Chef der Behörde, die die Bücher der Rentenkassen prüft, im griechischen Radio. „Etwa jede zehnte Rente kann nicht richtig verifiziert werden, an wen sie denn geht“, sagte der Chef der Kontrollbehörde Charis Theocharis.

Neue Kontrollen sollen nun klären, „was Sache ist“, hieß es. Nach einer Verordnung des Arbeitsministeriums müssen alle Rentenkassen bis zum 17. August detaillierte Listen mit den Renten vorlegen, bei denen es Zweifel gibt.

Unterdessen ordnete die Staatsanwaltschaft von Athen umfangreiche Kontrollen in allen Regionen des Landes an. Alle diejenigen, die sich Renten oder Zuschüsse erschleichen sollen sofort zur Rechenschaft gezogen werden, berichtete das griechische Fernsehen unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft.

Die Ermittlungen richten sich nicht nur gegen die Bezieher der Renten und Zulagen sondern auch gegen Kassenangestellte und Ärzte, die für die Bewilligung verantwortlich waren. Neben Einsparungen erhofft man sich auch Einnahmen durch mögliche Rückzahlungen.

Die Behörden nehmen außerdem auch angeblich Blinde ins Visier. Kontrolleure haben auf der Ionischen Insel Zakynthos festgestellt, dass statt angeblich 700 Betroffenen tatsächlich nur 60 blind waren. Zu ähnlichen Ergebnisse kam es auch auf der Insel Chios im östlichen Mittelmeer.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland: Jede zehnte Rente könnte erschlichen sein"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Steuerschaetzer,
    Tatsache bleibt, dass in D für Renten 19,5% Beiträge fließen und für (höhere) Pensionen keine 19,5%. Das Umlageverfahre ist gerade mal ±5 Jahre in Betrieb, vorher Null.
    Ich bezweifle, dass ein Grieche zu seinem Versorgungsamt gehen kann und sagt: "Blind bin ich auch" - und dann Blindengeld erhält.

  • Mawo!

    Natürlich ist hier nicht alles ok. Wir haben ebenfalls Steuerbetrüger, in allen Einkommensschichten, wobei wer mehr hat, natürlich auch absolut mehr hinterziehen kann und zumindest auch versuchen dürfte. Aber die Unterschiede des Betrugs zwischen Deutschland und Griechenland sind signifikant. Und zu Pensionen: so einfach wie Sie es darstellen, so ist es nicht. bei -ensionen kommt ebenso ein Umlageverfahren zur Anwendung wie bei den Renten. Nur greift der Staat als Arbeitgeber auf den allgemeinen Steuertopf zurück und unterlässt eine erhöhte Auszahlung der Einkommen der Staatsbeamten mit einem dann darauf folgenden Abzug für die Pensionen. Damit verschleiert der Staat natürlich, dass die Zahlung der Pensionen genauso problematisch ist wie die Zahlung der Renten, d.h. das Problem der Alterspyramide ist bei den Pensionen gnau so relevant wie bei den Renten. Also ein Schwachpunkt im deutschen System, eine gewisse Verschleierung. Aber ich glaube nicht, dass Sie hier bei uns wie auf dieser speziellen griechhischen Insel oder in Unteritalien so viele Behinderte (Blinde!) finden. Das ist ein spezieller Fall für mafiöse Systeme, die von den Behörden bis zu den "einfachen Leuten" reichen.

  • @ Mazi,
    eine Hilfe zur Selbsthilfe ist die einzig richtige Hilfe (Notfälle/Lebensgefahr ausgenommen).
    Aber bereits im Ansatz wird doch ein "Schuldenstaat" mit einer Strafzahlung geächtet.
    Wer also kein Geld hat muss dann eine Strafe zahlen?!
    O Herr lass Hirn regnen.
    Sinn machen würde auch einem Staat zu helfen; von mir aus drastisch formuliert "unter Kuratell stellen", aber sich selber (Troika & Co) immer wieder für Dumm verkaufen lassen und fremde Gelder in ein Fass ohne Boden versenken - das rechttfertigt eine Kürzung des Einkommens wegen erwiesener Unbedarftheit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%