Griechenland
Jetzt soll auch Athens Regierung bluten

Das Land ist hochverschuldet, mutet seinen Gläubigern einen harten Schuldenschnitt und der Bevölkerung massive Einsparungen zu. Griechenlands Beamtenapparat wächst und wächst. Doch das soll nun endlich anders werden.
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AthenDirektoren, die Däumchen drehen, Sekretärinnen, die gar nicht erst zur Arbeit kommen: nicht ungewöhnlich in der griechischen Verwaltung. Jetzt will das hochverschuldete Land seinen Regierungsapparat verschlanken, um Ausgaben zu sparen. Die meisten Ministerien sollen um 30 bis 36 Prozent verkleinert werden. Ausgenommen von den Kürzungen bleiben lediglich das Außen-, das Finanz- und das Bürgerschutzministerium sowie das Verteidigungsressort. Noch vor den nächsten Wahlen, die Ende April oder Anfang Mai stattfinden sollen, will die Regierung des parteilosen Ministerpräsidenten Lucas Papademos die Streichungen gesetzlich verankern.

Diese Sparmaßnahme in eigener Sache beschloss jetzt eine Ministerrunde unter Vorsitz von Dimitris Reppas, des Ministers für Inneres und Verwaltungsreform. Im Zuge der Kürzungen sollen in den Ministerien zahlreiche Abteilungen geschlossen und Personal entlassen werden.

Die griechischen Ministerien haben in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Fett angesetzt, weil die politischen Parteien nach jeder Wahl treue Anhänger und Günstlinge mit gut dotierten Jobs im Staatsdienst belohnten. Weil die vorhandenen Beamten wegen der Unkündbarkeit nicht entlassen werden konnten, wuchs die Zahl der Ministerialbediensteten immer weiter an. Um die Neuen unterzubringen, wurden ständig weitere Abteilungen erfunden und zusätzliche Planstellen geschaffen. Eine Entwicklung, die auch unter Papademos' Vorgänger, den lange als Reformer hochgelobten Giorgos Papandreou, munter weiter ging.

Diese griechische Klientelwirtschaft ist eine der Ursachen für die Schuldenkrise des Landes. Allein das griechische Erziehungsministerium hat über 1000 Dienststellen und Abteilungen. Zwei der vier Generalsekretariate des Ministeriums sollen jetzt gestrichen, die Zahl der Direktoren von 59 auf 30 reduziert werden. Die 212 Hauptabteilungen werden auf 126 zusammengestrichen. Manche Abteilungen in der griechischen Ministerialverwaltung bestehen nach Berichten von Insidern nur aus dem Direktor und seiner Sekretärin. In anderen Dienststellen gibt es Beschäftigte, die gar nicht zur Arbeit kommen. „In meiner Behörde gibt es drei Leute, die ich noch nie an ihrem Arbeitsplatz gesehen habe“, berichtet ein öffentlicher Bediensteter, der anonym bleiben möchte.

Alle nicht absolut notwendigen Verwaltungseinheiten sollen jetzt gestrichen werden. Die tiefsten Einschnitte sind jetzt im Wirtschaftsministerium geplant. Das Ressort soll um 46 Prozent verkleinert, also fast auf die Hälfte reduziert werden.

Interaktive Infografik

Griechenland: Staatsverschuldung von 2007 bis 2011

in Mrd. Euro


Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

Kommentare zu " Griechenland: Jetzt soll auch Athens Regierung bluten"

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  • Genau! Arbeit geben und überwachen. Dann ist der Job nicht mehr interessant und weg sind sie.

  • "Direktoren, die Däumchen drehen, Sekretärinnen, die gar nicht erst zur Arbeit kommen: nicht ungewöhnlich in der griechischen Verwaltung."

    Ist es denn hier anders?

    Im bundestag ist es noch nicht einmal anders. Weshalb soll es denn dann in den Amtsstuben besser sein?

  • Rudolfo

    Man kann von heute auf morgen kein System ändern, aber von heute auf morgen eine Enteignung der Anleihegläubiger gegen ihren Willen durchführen(CAC clauseln) Diese zahlen für die Erhaltung des Systems. Ich gratuliere

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