Griechenland

Steuer-CD in Griechenland verschwunden

Da hat man eine CD mit den Schweizer Kontodaten von fast 2000 reichen Griechen – und dann ist sie plötzlich weg. Peinlich. Aber der griechischen Steuerfahndung ist es passiert.
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Evangelos Venizelos: Der Ex-Finanzminister ließ eine Kopie der brisanten Steuer-CD anfertigen. Quelle: dapd

Evangelos Venizelos: Der Ex-Finanzminister ließ eine Kopie der brisanten Steuer-CD anfertigen.

(Foto: dapd)

AthenIm Frühjahr 2010 bekam Dimitris Georgakopoulos, damals stellvertretender griechischer Finanzminister, in seinem Büro Besuch von einem Herrn mittleren Alters. Der Gast, ein Ausländer griechischer Herkunft, bot dem Vizeminister ein Geschäft an: Eine Million Euro für die Daten griechischer Kontoinhaber bei einer Schweizer Bank. Georgakopoulos habe den Besucher zunächst an einen Mitarbeiter weiterverwiesen und derweil bei seinem Chef, Finanzminister Giorgos Papakonstantinou nachgefragt, wie er in der Sache verfahren solle. Eine Antwort habe er nie erhalten, sagte Georgakopoulos laut der Tageszeitung „Ta Nea“.

Eigentlich erstaunlich: Die Steuerhinterziehung gilt als eine der Ursachen der griechischen Schuldenkrise. Überdies hatte im Frühjahr 2010 bereits eine massive Kapitalflucht aus Griechenland begonnen, nicht zuletzt in die Schweiz. Da hätte die Steuer-CD dem griechischen Finanzminister doch eigentlich höchst willkommen sein müssen.

Aber vielleicht war Giorgos Papakonstantinou ja gar nicht auf den mysteriösen Besucher angewiesen, weil er andere Quellen hatte. Etwa zur gleichen Zeit nämlich bemühte sich Konstantinos Bikas, damals Chef des griechischen Geheimdienstes EYP, bei seinen französischen Kollegen um Kontodaten griechischer Bankkunden in der Schweiz. Für Bikas ein Thema, seit im August 2009 hatte der damalige französische Finanzminister erklärt hatte, man sei in den Besitz umfangreicher Schweizer Bankdaten gelangt. Darunter waren, wie Geheimdienstchef Bikas erfuhr, auch zahlreiche griechische Namen. Das Material stammte offenbar von einem Genfer Mitarbeiter der Großbank HSBC. Er soll die Daten an die Franzosen verkauft haben und heute ein gutes Leben in Südfrankreich genießen.

Im Herbst 2010 kam dann endlich auch der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou in den Besitz der Daten – auf einer CD, die ihm seine französische Amtskollegin Christine Lagarde zukommen ließ. Er habe die Daten gesichtet, sich die Namen der 20 Kontoinhaber mit den höchsten Guthaben notiert und die Steuerfahndung eingeweiht, erklärt Papakonstantinou heute. Die Fahnder hätten dann auch tatsächlich in einigen Fällen Unregelmäßigkeiten in den Steuererklärungen der Betroffenen festgestellt. Papakonstantinou sagt, im Juni 2011, kurz bevor er abgelöst und Evangelos Venizelos neuer Finanzminister wurde, habe er dann die Daten-CD der Behörde für die Verfolgung von Finanzverbrechen (SDOE) übergeben, der griechischen Steuerfahndung.

War es Schlamperei oder Absicht?
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38 Kommentare zu "Griechenland: Jetzt zittern sie wieder"

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  • Ich habs doch immer betont:
    Die Griechen sind Kreditbetrüger!

    Und wir sind Vollidioten.

  • GREEK ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.

    (oder so)

  • Na, es geht doch mit der Integration. Schon ist man auf einmal ein bisschen mehr Grieche.

  • ... abgelaufene Frist ...

    http://www.take-ca.re/ug.htm

    Das ist wie mit den Abstammungstests - die werden so lange hinausgezögert bis das Kind dem biologischen Vater entwöhnt ist. Den schickt man dann in einen Raum mit ein paar Haschischracuhern zum inhalieren oder schüttet ihm etwas (bestenfalls hochprozentiges) in Glas und was glauben Sie wie SCHNELL und unerbittllich da auf einmal die Beweissischerung von Labors ist und deren höchstinstanzliche richterliche Genehmigung.

    http://www.nazis.dynip.name

  • Und Merkel ist ein gern gesehener Gast und lässt sich strahlend als mächtigste Frau der Welt titulieren, während man sich hinter vorgehaltener Hand über sie schlapplacht. Und Trittin und Steinbrück sind auch mit von der Partie, während Rolli in der Hafenkneipe hängengeblieben ist.

  • Das Scharfe: Deutsche Kleinverdiener, die sich selbst keine Immobilie leisten können, zahlen die Luxusimmobilien der keine Steuern zahlenden griechischen Oligarchen in München, Frankfurt, Berlin und Hamburg. Die Herrschenden in Griechenland haben doch überhaupt kein Interesse daran, ein transparentes, funktionierendes Steuersystem zu schaffen und werden alles tun, es zu verhindern, dann würde nämlich offenbar, dass die Griechen selbst genug Geld für ihre Rettung haben, nur würde das dann die eigenen Netzwerke und nicht die strunzdoofen deutschen Steuerzahler treffen. Wer Merkel und Schäuble oder, noch schlimmer, Rot-Grün wählt, ist selbst Schuld (am allerfeinsten: Krisenverursacher und Koofmich Steinbrück). Es gibt aber auch Alternativen. Etwa die Freien Wähler oder http://www.wa2013.de/, eine aus wirtschaftskompetenten Prostlern aufgebaute Initiative, der sich hoffentlich viele anschließen.

  • Grossmutter, und warum hast du keine Kopie gemacht?
    Damit ich sie besser vergessen kann.

  • @Deutelmoser1994

    Ja und in ein paar Tagen tritt endlich der ESM in Kraft. Nach Gaucks Worten fällt dann den Deutschen die Solidarität mit Europa ( vor allem den südeuropäischen Schuldenstaaten ) leichter.

    Und weil es uns so leicht fällt, kann Steinbrück, sollte er in die Regierungsverantwortung kommen, gleich mal die Steuern kräftig erhöhen.

    Und Draghi kauft nahezu unbegrenzt Staatsanleihen von unseren südeuropäischen Freunden damit die Inflation gedeiht.

    Da wir ja auch mit den europäischen Banken solidarisch sind, kommt noch die Bankenunion mit der Europäisierung der Einlagensicherung.

    Dazu noch ein europäischer Sonderfonds, in den alle europäischen Länder direkt einzahlen, um arme Länder zu unterstützen.

    Und wegen des demografischen Wandels müssen leider die Renten weiter gesenkt werden. Diese werden in Deutschland bis auf 43 % abgesenkt. Weil wir unbegrenzt solidarisch mit Europa sind, macht uns das nichts aus. Wir freuen uns, für die Europäer in den anderen Ländern, dass diese eine wesentlich höhere Quote haben, bei einem früheren Renteneintrittsalter selbstverständlich.

    Ich denke, die Schmerzgrenze ist überschritten.
    wahlalternative2013.de

  • ist ein ganz normaler vorfall gewesen das die Daten CD verschwindet. Zumal wenn der eigene Name darauf steht,oder Namen von Parteifreunde, da ist es egal welcher Partei man angehoere. Hin zukommt das die griechischen Politiker wurden ja ueber jahrzehnte von den Reichen Griechen am Leben gehalten, anders aus gedrueckt geschmiert/ bestochen wurden. Und nun zeigt man sich halt ein wenig loyal den Reichen gegenueber.
    Man haette nie mit den alt gedienten griechischen Politiker von Seiten der EU /IWF/EZB verhandeln duerfen. Den diese Politker haben den Staat vor die Wand gefahren ohne skrupel.Wenn man die Griechen weiterhin in der EWU behalten will,heist das nichts anderes als das es einen griechischen Dauer-Rettungs-Schirm wird. Oder man erlaesste den Griechen zu 100% die Schulden. Ob das die wahre Loesung ist, ist sehr zweifelhaft. Zumal mit solchen korrupten Politiker.

  • wenn Griechenland jetzt für Deutschland zahlen würde dann wäre ich empört aber leider zahlen wir für Griechenand.

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