Griechenland

Keine Angst vor der Pleite

Nach dem Wahldebakel ist ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone kein Tabu mehr. Manche deutsche Politiker halten sogar eine ungeordnete Insolvenz für verkraftbar - und fordern einen sofortigen Stopp der Hilfsgelder.
Update: 10.05.2012 - 07:02 Uhr 44 Kommentare
Europa beobachtet Griechenlands Sparpolitik mit Argusaugen. Quelle: dpa

Europa beobachtet Griechenlands Sparpolitik mit Argusaugen.

(Foto: dpa)

BerlinEine Pleite Griechenlands ist nach Einschätzung des FDP-Haushaltsexperten Otto Fricke verkraftbar. "Das Gespenst einer ungeordneten Insolvenz hat deswegen seinen Schrecken verloren, weil die Euro-Staaten in den letzten Monaten nichts anderes gemacht haben, als für einen solchen Fall vorzusorgen", sagte Fricke der "Saarbrücker Zeitung".

Die privaten Gläubiger hätten in großem Umfang auf Ansprüche gegenüber Griechenland verzichtet. Sollte das Land seinen Sparverpflichtungen nicht nachkommen, müsse es einen anderen Weg als bisher gehen. "Dann wird die griechische Regierung aus dem Euro austreten, und es steht die Rückkehr zur Drachme auf der Tagesordnung", sagte Fricke.

Das Schicksal Griechenlands hänge nun von seiner Bevölkerung ab, sagte Fricke. "Wenn sie glaubt, dass es einen leichten Weg aus der Schuldenkrise gibt, wie das radikale Politiker dort vorgaukeln, dann ist das ein Trugschluss."

Dem hoch verschuldeten Griechenland droht bei einer Abkehr vom Sparkurs ein Ausscheiden aus der Eurozone. In Athen zeichneten sich zuletzt keine Fortschritte bei der Regierungsbildung ab, die eine Voraussetzung für Gespräche über eine im Juni anstehende Hilfstranche der Geldgeber von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ist.

Auch das sparkritische Linksbündnis gab am Mittwochabend seine Bemühungen um eine Regierungsbildung auf. Damit werden erneut vorgezogene Wahlen nach dem Patt bei dem Votum vom Sonntag immer wahrscheinlicher.

Nach dem Scheitern von Konservativen und Radikalen Linken will der Sozialist Evangelos Venizelos heute (Donnerstag) einen letzten Versuch zur Bildung einer neuen griechischen Regierung starten. Die Erfolgschancen werden als nicht sehr hoch eingeschätzt. Die Pasok war bei der Wahl am Sonntag drittstärkste Kraft im Parlament in Athen geworden.
Sollten alle Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Regierung scheitern, böte ein Treffen aller Parteiführer bei Präsident Karolos Papoulias die allerletzte Chance, Neuwahlen innerhalb von 30 Tagen abzuwenden. Falls das nicht gelingt, gilt der 17. Juni als wahrscheinlicher Wahltermin.

Griechenland – Austritt aus der Eurozone?

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44 Kommentare zu "Griechenland: Keine Angst vor der Pleite"

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    Jörg-D. Haslinger

  • Wenn ich das richtig sehe, sind die Schulden Griechenlands seit Beginn der Krise von 298,71 Mrd Euro auf 365,64 Mrd. Euro gestiegen. Und das Ganze bei gleichzeitiger Kürzung der Löhne und Gehälter um bis zu 40 % und Erzeugung einer Jugendarbeitslosigkeit von über 50 %. Na, wenn das kein Krisenmanagement ist. Der Sparkurs hat sich offensichtlich richtig gelohnt. Fragt sich nur für wen?
    Ganz offensichtlich ist es für manche Politiker unmöglich Fehler einzugestehen oder auch nur eine einmal eingeschlagene Politik in Frage zu stellen. Bleibt zu hoffen, dass die FDP bei der nächsten Wahl von der Bildfläche verschwindet und man sich nicht mehr über unqualifizierte Meinungsäußerungen ihrer Politiker ärgern muss.

  • Die Sorgen vor einem Austritt Griechenlands lassen mit jedem Tag nach. Anfang der Woche war es der Chef der Ratingagentur Fitch der es für verkraftbar hielt. Auch Bundesfinanzminister Schäuble hält einen Austritt für möglich. Der Bankenverbank der deutschen Banken hat sich auch geäußert. Und wie soll es sein, auch diese Gruppe findet einen Austritt nicht schlimm.

    Griechenland musste nur so lange durchhalten, so lange die Banken aus dem Gröbsten heraus sind. Jetzt kann man die Pleite/Austritt einleiten.

    zum Thema: Verlässt Griechenland die Eurozone?
    Quelle: http://www.start-trading.de/blog/2012/05/11/verlaesst-griechenland-die-eurozone/

  • @alfred
    1. Die "Die Abkehr von Recht und Ordnung" ist bestimmt nichts für den Gr Bürger, so wie für den D oder F Bürger. Es ist aber leider von der Geschichte bekannt, wer sich am Meisten in Krisenzeiten freuet...
    2. Die "harte Sparpolitik" hat das ganze schlimmer gemacht. Es ist logisch, dass es eine andere Politik-Mischung gesucht wird.
    3. "Diese Linke Politik fuerhrt zu Anarchie..."
    Ich bin nicht sicher, ob diese "linke" Politik erfolgreich sein kann. Ich bin nicht mal sicher, ob und wie man diese umsetzten kann. Es ist aber bewiesen, dass die AKTUELLE Politik zur Anarchie & Faschismus führt (s. Wahlergebnissen in G & F).

  • Die sogenannte "Hilfe" (wie die aktuellen 4,2 Mio.), fließt über ein bestimmtes Konto direkt zu den Gläubiger!

    In dem Fall zurück auf das Konto der EZB.

  • Das Ergebnis interpreitere ich so dass die Griechen die harte Sparpolitik nicht akzeptieren wollen. Das ist ihr gutes demokratisches Recht. Die Abkehr von Recht und Ordnung kann allerdings nicht eine richtige Alternative sein. Diese Linke Politik fuerhrt zu Anarchie und zu einer Radikalisierung der Gesellschaft in Form einer faschistoiden Politik. Diese Entwicklung hat in einem gemeinsamen Eurlopa nichts zu suchen. Das Griechische Volk hat die Wahl: entweder Sparpolitik und Reformen oder Faschismus, aber dann bitte ausserhalb der Europaeischen Gemeinschaft.

  • @alfred
    "...Den Rest muessen die Griechen schon selbst erledigen. Es ist offensichtlich dass sie das nicht wollen."
    Wie wissen Sie das? Laut Umfragen (und Wahlergebnissen) hielten 2010 über 80% der Gr-Bevölkerung Reformen (mit Hilfe der EU) notwendig. Nun sind die regierenden Parteien (die kaum Reformen machten) mit insgesmt. 32% abgewählt.
    So wie die sogenannte Pleite-"Sparpolitik", die einfach die reichen reicher macht... Keine richtige Steuersystemeformen, die Bürokratie bleibt, Waffen werden weiter leider gekauft, die alle teuersten Medikamente werden weiter importiert usw...

  • Hallo, schon wieder einer, der von Pofalla einen neuen Scheck für die Verbreitung politischer Korrektheit und Euro-ist-alternativlos-Ideologie bekommen hat.

  • Natuerlich geht das Geld der deutschen Steuerzahler nicht dirket an die Griechin in der Form von Loehnen und Gehaelter. Es ist auch nicht die Aufgabe des europaeischen Steuerzahlers den oeffentlichen und privaten Sektor der griechiscehn Gesellschaft zu finanzieren. Die Hilfskredite koennen natuerlich nur fuer die Tilgung der Staatsschulden verwendet werden. Die EZB tut das uebrige um den griechischen Finanzsektor liquide zu halten. Den Rest muessen die Griechen schon selbst erledigen. Es ist offensichtlich dass sie das nicht wollen.

  • Kein Cent geht an die Menschen in GR, das sollte längst bekannt sein. Wenn nicht, dann bitte hier endlich nachlesen:

    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/03/standpunkt-188-fata-margana.html.

    Ist aber wirklich nur etwas für Leute, die sich von ihren liebgewonnenen falschen Ansichten lösen können ...

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