Griechenland
Krawalle erschüttern Regierung Karamanlis

Die Lage in Athen eskaliert: Die schweren Krawalle setzen sich nach dem Tod eines Jugendlichen in Griechenland fort. Straßenschlachten und Proteste weiten sich aus - verlieren die Sicherheitskräfte die Kontrolle?

ATHEN. Griechenland kommt nicht zur Ruhe. Die schweren Krawalle, die das Land seit dem Wochenende erschüttern, setzten sich auch am Montag fort. Bis zu 4 000 Autonome brachten am späten Montagabend das Stadtzentrum Athens mehr oder weniger unter ihre Kontrolle. Die Polizei zog sich teils zurück und war kaum mehr Herr der Lage. Zuvor hatten rund 10 000 Menschen friedlich in den Straßen gegen die Polizei demonstriert. Ausgelöst worden waren die anhaltenden Krawalle durch den Tod eines Jugendlichen. Der 15-Jährige war am Samstag durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe gestorben. Das Auswärtige Amt riet Urlaubern, die von den Unruhen betroffenen Stadtzentren zu meiden.

Ministerpräsident Kostas Karamanlis äußerte am Montag in einer Fernsehansprache erneut die Betroffenheit der Regierung über den Tod des Jugendlichen und versprach eine Aufklärung. Der Staat werde alles tun, damit sich ein solcher Fall nicht wiederhole. "Extremistische Elemente haben diese Tragödie für ihre eigenen Zwecke missbraucht", sagte der Premierminister: "Ihr einziges Motiv ist Gewalt, ihr alleiniges Ziel Zerstörung." Der Regierungschef versprach schnelle und vollständige Entschädigung der Geschäftsleute, die durch die Unruhen in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Die konservative Regierung gerät durch die Krawalle unter wachsenden Druck. Sie steht ohnehin wegen einer Serie von Skandalen seit Monaten in der Kritik und kämpft mit immer schlechter werdenden Umfragewerten. Während Karamanlis im Parlament nur noch über eine hauchdünne Mehrheit von 151 der 300 Mandate verfügt, liegen die oppositionellen Sozialisten bei der Sonntagsfrage mit wachsendem Abstand vorn. Eine rasche Entspannung der Krise ist nicht in Sicht. Am Montag beteiligten sich erstmals auch Schüler in größerer Zahl an den Protesten. Die Schulen blieben landesweit geschlossen. Für die kommenden Tage sind weitere Demonstrationen und Großkundgebungen kommunistischer und linker Gruppen angekündigt. Für Mittwoch hat außerdem der griechische Gewerkschaftsbund GSEE zu einem Generalstreik aufgerufen.

Der Wochenauftakt verheißt nichts Gutes: In Athen hielten Autonome zwei Universitätsinstitute besetzt. Demonstranten blockierten Straßenbahngleise, eine S-Bahn-Station und Hauptverkehrsstraßen. Mehrere Schüler zogen sich vor dem Athener Polizeipräsidium bis auf die Unterhosen aus, legten sich vor das Gebäude und riefen: "Tötet uns auch!" Auch aus anderen Städten wurden Unruhen gemeldet.In Thessaloniki zum Beispiel lieferten sich Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei.

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