Griechenland-Krise
Ackermann drückt aufs Tempo

Die Banken müssen einen Zahlungsausfall in Griechenland um jeden Preis vermeiden - selbst eine sanfte Pleite hätte fatale Folgen. Ackermann macht Druck - dabei gibt es aus Athen durchaus erfreuliche Neuigkeiten.
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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann forciert eine Lösung des griechischen Schuldendramas: Jede Umschuldung griechischer Staatsanleihen müsse für private Investoren rein freiwillig sein. Ein Kreditereignis oder Ratingereignis müsse in jedem Fall vermieden werden, sagte Deutschlands mächtigster Banker in einem Interview mit dem US-TV-Sender CNBC. Die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) sollten zudem schon in den nächsten Tagen entscheiden, ob weiteres Geld nach Griechenland geschickt werde, forderte Ackermann.

Ackermann Nervosität hat einen einfachen Grund: Jede Form des Zahlungsausfalls in Griechenland hat für Banken wie die Deutsche Bank gravierende Folgen. Denn dann würden Wertverluste auf griechische Anleihen in der Gewinnrechnung wirksam und würden das Ergebnis der Geldinstitute massiv belasten. Ende 2010 hatte die Deutsche Bank gegenüber Griechenland 1,6 Mrd. Euro im Feuer, teilte das größte deutsche Kreditinstitut im März
mit.

Zudem müssten alle Anleihen bei einem Zahlungsausfall vollständig mit Eigenkapital unterlegt werden - dann käme auf die Geldinstitute neuer Kapitalbedarf in Milliardenhöhe zu. Um dieses Szenario zu umschiffen, winden sich Banken wie Politiker bislang mit großer Mühe darum, das Wort Zahlungsausfall in den Mund zu nehmen und sprechen stattdessen von "freiwilliger" Umschuldung. Bei dieser sanften Pleite sollen Banken ihre Griechen-Anleihen freiwillig gegen neue Papiere mit längeren Laufzeiten eintauschen. Die Ratingagenturen haben allerdings bereits mitgeteilt, dass sie auch diesen Trick als Zahlungsausfall werten würden.

Nach zwei Tagen des politischen Chaos, der die griechische Regierung ins Wanken brachte, rückte Deutschland von seiner Forderung ab, private Gläubiger an den Rettungskosten für Griechenland auch gegen deren Willen zu beteiligen. Stattdessen soll nun auf Freiwilligkeit gesetzt werden.

Es handele sich um einen „großen Durchbruch“, erklärte Sarkozy. Der beruhe auf vier Prinzipien: Freiwilligkeit, Schnelligkeit, kein Zahlungsausfall und Einverständnis mit der Europäischen Zentralbank (EZB).    

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte erst vor wenigen Tagen verlangt, die Banken müssten ihre Griechenland-Anleihen noch vor der Fälligkeit in neue Anleihen mit sieben Jahren Laufzeit umtauschen, um dem Land mehr Luft zum Atmen zu geben. Dies müsse weitergehen als die „Wiener Initiative“, bei der sich Banken vor einigen Jahren gegenüber Osteuropa verpflichtet hatten, erst nach Ablauf der Anleihen neue zu kaufen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel schwenkte heute bei ihrem Treffen mit Sarkozy auf die französische Linie ein und nannte die Wiener Initiative eine „gute Grundlage“. Auch Sarkozy sprach vom „Geist von Wien“. Jetzt müssten aber noch „technische Fragen“ geklärt werden.    

Auch von einer Verschiebung der Verhandlungen bis September wie noch am Vortag war nun keine Rede mehr. Merkel sprach sich jetzt dafür aus, das Hilfspaket so schnell wie möglich zu verabschieden. „Wir brauchen jetzt ein neues Programm für Griechenland“, sagte sie.    

Merkel forderte ihre Parteifreunde von der griechischen konservativen Opposition auf, mitzuarbeiten. „Es wäre gut, wenn auch die Opposition den Ministerpräsidenten unterstützen würde“, sagte sie. Sie stehe bezüglich der Sparbemühungen jedenfalls hinter dem Sozialisten Papandreou, mit dem sie am Vortag telefoniert habe. Bislang lehnt die konservative griechische Oppositionspartei „Neue Demokratie“ das Sparpaket ab.    

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Ackermann drückt aufs Tempo"

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  • der song zur krise:
    http://www.youtube.com/watch?v=j-tnTmnj2FU

  • Um Gottes Willen...auch der noch. Die Olympischen Spiele in Athen sind unter deer Führung dieses Ministers um 100 % teurer geworden als geplant war. Wie soll solch ein Politiker sparen können ?

  • Hallo,
    jede Bank haftet für ein Darlehen an einen "Häuslebauer" und verlangt Sicherheiten.
    Werden diese simplen Grundsätze von einer Bank nicht beachtet - warum muss dass ein Steuerzahler für diese Dummheit eintreten?
    Ein solches Verhalten ist allein von der Bank zu verantworten, die im übrigen, ja auch die bisherigen Zinsgewinne vereinnahmt hatte.
    Jetzt wird sich zeigen, ob Politiker durch die Übernahme dieser Schrottpiere das eigene Volk tatsächlich betrügen und eben nicht "...den Schaden von ihm wenden...".

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