Griechenland-Krise
Ansichten einer frustrierten Generation

Sie sind jung, gut ausgebildet und müssen mit ansehen, wie die Krise ihr Land zerreißt: Zwei junge Griechen erzählen, wie sich ihr Leben verändert hat und wie aus ihrer Gesellschaft ein „verängstigtes Tier“ wurde.
  • 48

Athen/DüsseldorfElina und Iakovos können nichts tun. Die jungen Griechen sind Teil des Dramas, das sich seit Jahren in ihrem Land abspielt – und doch können sie nur zusehen, schwankend zwischen Angst, Wut und Hoffnung. „Die vergangenen Wochen waren sehr anstrengend“, sagt eine, die bei der griechischen Tragödie nur im Publikum sitzt.

Elina Makri, 33 Jahre alt, hat mit Familie und Freunden die Sitzungen des Europäischen Parlaments bis tief in die Nacht hinein verflogt. „Die Menschen sind am Freitag ins Bett gegangen und am Samstagmorgen wurde ihnen verkündet: Ihr müsst entscheiden.“ So beschreibt sie die Situation vor dem Referendum, bei dem Premier Alexis Tsipras über den Reformkurs der Gläubiger abstimmen ließ. Dann kam das mehrheitliche Nein ihrer Landsleute, jetzt wieder die Annährung mit den Geldgebern. Die griechische Journalistin und Unternehmerin bleibt nach der Einigung allerdings weiterhin mit einem Gefühl der Unsicherheit zurück. „Ich habe Angst, dass sie etwas entscheiden, und ich die Kontrolle verliere.“

Makri steht für eine Generation gut ausgebildeter junger Menschen, die in Griechenland gegen Job- und Hoffnungslosigkeit kämpfen. Kämpfen muss auch Iakovos Dimitrious. Trotz des beschlossenen neuen Hilfspakets sieht der 25-Jährige die griechische Volkswirtschaft verkümmern. „Wir haben einen enormen Braindrain“, klagt der Politikwissenschaftler.

Alle gut ausgebildeten Leute sind ins Ausland gegangen, um dort Karriere zu machen. Das merke er auch in seinem Freundeskreis. Viele seien schon weg. Dimitrious will trotzdem in Griechenland bleiben. Das Land brauche gut ausgebildete Menschen, um wirtschaftlich auf die Beine zu kommen, sagt er. „Alles andere führt uns in eine Sackgasse“, sagt er.

In der wähnt sich Makri bereits. An die Zukunft mag sie nicht denken. „Aber ich muss, weil ich einen Plan brauche“, sagt die Journalistin. Kürzlich musste sie eines ihrer Start-ups schließen. Vor knapp zehn Jahren hatte sie die griechische Seite des europäischen Online-Magazins Cafebabel.com gegründet. „Es lohnt nicht mehr, dafür zu kämpfen“, sagt sie jetzt über das Projekt, das sie nicht mehr finanzieren und für das sie keine Steuern mehr bezahlen kann. Pläne für ein anders Start-up hat sie eingefroren.

Die Plattform Oikomedia, die sie mitgeründet hat, soll Journalisten und andere Medienschaffende vernetzen – Geld verdient sie damit noch nicht. Sie lebt als Freelancer von Projekt zu Projekt. Arbeitslosengeld hat sie nie beantragt. „Ich habe den Überlebensmodus eingeschaltet“, sagt sie. Die Krise mache sie entschlossen, „auch wenn ich mich manchmal niedergeschlagen und allein fühle“.

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Ansichten einer frustrierten Generation"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was für eine interessante Information über jemanden, der mir fälschlicherweise unterstellt hat, ich könnte nur im öffentlichen Dienst arbeiten, in der freien Wirtschaft wäre ich nicht vermittelbar von wegen Inkompetenz und Gutmenschentum ;).

    Und, ebenso interessant, der Pensionär, der den Griechen ihre Staats-Abhängigkeit vorwirft, neben den üblichen Pauschaldiffamierungen... Man könnte Sie ja glatt für einen unreflektierten Heuchler halten. Ich sage nicht, dass ich das tue, ich halte mich ja an die Netiquette. Aber man könnte.

    Dieser Kommentar musste hier einfach noch hin. Wenn die ARD-Dame beim Thema Flüchtlinge sagt, dass die empathischen, vernünftigen Menschen auch ihre Stimme erheben müssen, und dafür so gehyped wird... Dann ist es ja folgelogisch auch richtig, wenn man Ihre Griechenland-Tiraden nicht einfach so stehen lässt am Ende einer Diskussion... Was soll man sonst von "uns Deutschen" denken...

  • @Knoll ... bin Pensionär mit B4. Stehe somit über den Dingen.

  • @ Zuehlke
    Mach dich locker! Mein Wintergarten hat 60 qm ... da sitze ich gerne. Ihr armen Schlucker wollt mit am großen Rad drehen? Never ever!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%