Griechenland-Krise
Athen setzt auf Merkel und Hollande

Die Staatspleite rückt für Griechenland immer näher. Athen steht unter enormem Zeitdruck – und setzt seine Hoffnungen zunehmend auf Berlin und Paris. Warnende Worte kommen vom EU-Kommissionschef und der Bundesbank.
  • 25

Athen/Berlin/Paris/MarburgAm Montagabend ist es wieder so weit: Frankreichs Präsident Francois Hollande kommt nach Berlin. Dabei hat er Bundeskanzlerin Angela Merkel gerade erst in Riga gesehen und wird am Sonntag zum G7-Gipfel ins bayerische Elmau kommen. Aber die Zahl der Kontakte ist symptomatisch: Selten haben Merkel und Hollande so eng zusammengearbeitet wie jetzt. Der deutsch-französische Motor stottert nicht, er läuft heiß.
Immer enger ist auch ihre die Abstimmung zu Griechenland geworden. Das Thema ist längst Chefsache – und in Athen hofft Premier Alexis Tsipras mit den beiden Regierungschefs auf kurzem Dienstweg eine Lösung des Schuldenstreits erzielen zu können. Denn die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen internationalen Geldgebern gehen auch diese Woche weiter. Die von der griechischen Regierung selbstgesteckte Frist einer Einigung am Sonntag wurde verfehlt.

Ein griechischer Regierungsvertreter erklärte später, dass Ministerpräsident Alexis Tsipras, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francois Hollande am Sonntag telefoniert hätten. Das Telefonat am Sonntagabend habe 35 Minuten gedauert und sei „sehr gut“ gelaufen, teilten Beamte mit. Es war das zweite Gespräch dieser Art in drei Tagen. Man sei sich einig gewesen, dass ein Abkommen sehr bald abgeschlossen werden müsse, hieß es weiter. Die Bundesregierung bezeichnete die Unterhaltung als konstruktiv, nannte aber keine näheren Details. Tsipras wollte bei einem Treffen mit seinem Finanzminister Gianis Varoufakis die Ergebnisse der Telefonkonferenz besprechen.

Die Bundesbank rief Griechenland zu einem raschen Einlenken in den Verhandlungen mit den Geldgebern aufgerufen. „Die griechische Regierung täte gut daran, schnell zu handeln – für die griechischen Banken ist es nämlich fünf vor zwölf“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret der „Bild"-Zeitung“. Die Geldhäuser seien derzeit nahezu ausschließlich auf die Notfallhilfe der griechischen Notenbank angewiesen. „Aber wie das Wort Notfall schon sagt, ist das keine dauerhafte Lösung“, sagte der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand. „Der Ball liegt im Feld der Politik. Weder die EZB noch die Bankenaufsicht können die strukturellen Probleme der griechischen Wirtschaft lösen.“

Dombret nannte die Lage in Griechenland sehr kritisch. Er verwies darauf, dass die Bankkunden dort in den ersten vier Monaten 2015 bei den großen Instituten knapp 30 Milliarden Euro abgezogen hätten. Die direkten Gefahren für die deutschen und europäischen Banken wegen der Situation in Griechenland seien aber vergleichsweise gering, wurde Dombret zitiert. "Die deutschen Banken haben in ihren Büchern beispielsweise nur noch Forderungen von 2,4 Milliarden Euro gegenüber griechischen Banken, Unternehmen und dem Staat. Das Risiko ist also überschaubar. Dennoch kann es immer anders laufen als gedacht."

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Athen setzt auf Merkel und Hollande"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sie überschätzen den deutschen Michel. Die EU-Propaganda hat sein Hirn vernebelt.: Er will immerzu solidarisch sein und hat nicht gemerkt, daß er diese Solidarität durch eigener Hände Arbeit bezahlen muss.

  • Herr Hofmann, aus dieser Sicht haben Sie natürlich recht, denn der Deutsche wurde dumm gemacht, dumm gehalten und ist somit saudumm. Jedoch sollte man Ursache und Wirkung berücksichtigen, der (bauernschlaue) dumme Grieche war zuerst da, auch wenn der saudumme Deutsche wieder mal hinter die Fichte geführt wurde.

  • Die Griechen haben immer noch einen Joker in der krawattenlosen Anzugtasche. Beim nächsten Treffen wird Zipras der Deutschen und dem Franzosen in Kuvert mit "Falaka" über den Tisch schieben, denn damit war zuletzt noch jeder Grieche zu gewinnen. Die Griechen brauchen sich also keinerlei Sorgen zu machen. Parakallo-Effcharisto!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%