Griechenland-Krise

Athen setzt auf Merkel und Hollande

Die Staatspleite rückt für Griechenland immer näher. Athen steht unter enormem Zeitdruck – und setzt seine Hoffnungen zunehmend auf Berlin und Paris. Warnende Worte kommen vom EU-Kommissionschef und der Bundesbank.
Update: 01.06.2015 - 07:26 Uhr 25 Kommentare

Die Angst der Griechen vor dem Grexit

Die Angst der Griechen vor dem Grexit

Athen/Berlin/Paris/MarburgAm Montagabend ist es wieder so weit: Frankreichs Präsident Francois Hollande kommt nach Berlin. Dabei hat er Bundeskanzlerin Angela Merkel gerade erst in Riga gesehen und wird am Sonntag zum G7-Gipfel ins bayerische Elmau kommen. Aber die Zahl der Kontakte ist symptomatisch: Selten haben Merkel und Hollande so eng zusammengearbeitet wie jetzt. Der deutsch-französische Motor stottert nicht, er läuft heiß.
Immer enger ist auch ihre die Abstimmung zu Griechenland geworden. Das Thema ist längst Chefsache – und in Athen hofft Premier Alexis Tsipras mit den beiden Regierungschefs auf kurzem Dienstweg eine Lösung des Schuldenstreits erzielen zu können. Denn die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen internationalen Geldgebern gehen auch diese Woche weiter. Die von der griechischen Regierung selbstgesteckte Frist einer Einigung am Sonntag wurde verfehlt.

Ein griechischer Regierungsvertreter erklärte später, dass Ministerpräsident Alexis Tsipras, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francois Hollande am Sonntag telefoniert hätten. Das Telefonat am Sonntagabend habe 35 Minuten gedauert und sei „sehr gut“ gelaufen, teilten Beamte mit. Es war das zweite Gespräch dieser Art in drei Tagen. Man sei sich einig gewesen, dass ein Abkommen sehr bald abgeschlossen werden müsse, hieß es weiter. Die Bundesregierung bezeichnete die Unterhaltung als konstruktiv, nannte aber keine näheren Details. Tsipras wollte bei einem Treffen mit seinem Finanzminister Gianis Varoufakis die Ergebnisse der Telefonkonferenz besprechen.

Die Bundesbank rief Griechenland zu einem raschen Einlenken in den Verhandlungen mit den Geldgebern aufgerufen. „Die griechische Regierung täte gut daran, schnell zu handeln – für die griechischen Banken ist es nämlich fünf vor zwölf“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret der „Bild"-Zeitung“. Die Geldhäuser seien derzeit nahezu ausschließlich auf die Notfallhilfe der griechischen Notenbank angewiesen. „Aber wie das Wort Notfall schon sagt, ist das keine dauerhafte Lösung“, sagte der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand. „Der Ball liegt im Feld der Politik. Weder die EZB noch die Bankenaufsicht können die strukturellen Probleme der griechischen Wirtschaft lösen.“

Dombret nannte die Lage in Griechenland sehr kritisch. Er verwies darauf, dass die Bankkunden dort in den ersten vier Monaten 2015 bei den großen Instituten knapp 30 Milliarden Euro abgezogen hätten. Die direkten Gefahren für die deutschen und europäischen Banken wegen der Situation in Griechenland seien aber vergleichsweise gering, wurde Dombret zitiert. "Die deutschen Banken haben in ihren Büchern beispielsweise nur noch Forderungen von 2,4 Milliarden Euro gegenüber griechischen Banken, Unternehmen und dem Staat. Das Risiko ist also überschaubar. Dennoch kann es immer anders laufen als gedacht."

Juncker warnt vor Grexit
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25 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Athen setzt auf Merkel und Hollande"

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  • Sie überschätzen den deutschen Michel. Die EU-Propaganda hat sein Hirn vernebelt.: Er will immerzu solidarisch sein und hat nicht gemerkt, daß er diese Solidarität durch eigener Hände Arbeit bezahlen muss.

  • Herr Hofmann, aus dieser Sicht haben Sie natürlich recht, denn der Deutsche wurde dumm gemacht, dumm gehalten und ist somit saudumm. Jedoch sollte man Ursache und Wirkung berücksichtigen, der (bauernschlaue) dumme Grieche war zuerst da, auch wenn der saudumme Deutsche wieder mal hinter die Fichte geführt wurde.

  • Die Griechen haben immer noch einen Joker in der krawattenlosen Anzugtasche. Beim nächsten Treffen wird Zipras der Deutschen und dem Franzosen in Kuvert mit "Falaka" über den Tisch schieben, denn damit war zuletzt noch jeder Grieche zu gewinnen. Die Griechen brauchen sich also keinerlei Sorgen zu machen. Parakallo-Effcharisto!

  • Ein Affentheater mit Griechenland. Einfach nix mehr tun und Pleite gehen lassen. Linke sind uneinsichtig. Es gibt nur deren Ideologie, unabhängig jeglicher realer Kausalitäten.
    Wenn die Gehälter und Pensionen nicht mehr gezahlt werden, werden die Griechen schon in der Realität ankommen. Ohne tragfähigen Wirtschaftskonzept gibts ohnehin keine Zulkunft außer einer dauerhaften Alimentation. Also einfach mal abwarten....

  • @ Otto Berger

    Zitat: "... und es wäre dann evtl. über eine Anschubfinanzierung für das Land ..."

    Aber die darf es vorläufig nicht geben! Denn solange sich in Griechenland nicht gravierend etwas ändert würde diese Finanzierung nur versickern. Bei aller Liebe, aber da muss GR durch ein verflixt tiefes Tal - um dann auch bereit zu sein für signifikante Änderungen.

  • @GG-Zeubner:
    "Der Michel" wird Frau Merkel gar nix fragen.

    Denn "Der Michel" ist politisch korrigiert, vollkommen verblödet, apathisch und checkt bis heute nicht mal im Ansatz, was läuft, obwohl ihm Verbrecher wie Juncker das Fell bei lebendigem Leib über den Kopf ziehen.

    Nein, das einzige, was den Michel noch auf die Palme brächte, wäre die Abschaffung von tschörmenies top modl.

  • Nüchtern betrachtet hat Fr. Merkel einem bis an die Halskrause verschuldetem Staat der zusätzlich korrupt bis unter den Haarwurzeln ist, einen gigantischen Kredit gewährt.
    Hätte sie den aus ihrer Privatschatulle ausreichen sollen, wäre es nie dazu gekommen.
    Kommt es zum Grexit, wird der Michel Fr. Merkel fragen, wo sein Geld geblieben ist.
    Die Kanzlerin mag Fragen nicht, die man nicht mit verschwurbelten, nichtssagenden Allgemeinplätzen im Prinzip unbeantwortet lassen kann.
    Also wird sie lieber erneut tief in des Steuerzahlers Tasche greifen, natürlich über Umwege, um diesen machtgefährdenden Stolperstein aus dem Weg zu räumen, als eingestehen zu müssen, das die gesamte Griechenlandrettung ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen war.
    Auf den Punkt gebracht, hat sie einem Kreditjunkie zu neuem Stoff verholfen und allen Erfahrungen mit Junkies zum Trotz erwartet, dass sich der Junkie nun eines Besseren besinnen würde.
    Ist das nur naiv oder schon pathologisch?
    Können wir uns eine naive Kanzlerin mit anerkannt moderatorischen Fähigkeiten aber ohne echtes Durchsetzungsvermögen leisten?
    In der Flüchtlingsfrage jedenfalls lässt sie zu, dass uns unsere europäischen Freunde allein im Regen stehen lassen. Freundlich ausgedrückt.
    Dem Team Schröder/Schilly wäre sicher etwas Besseres eingefallen und mit einem "Basta" besiegelt worden.

  • @Herr Gerald Gantz, ich lebe jedes Jahr zu verschiedenen Jahreszeiten in Griechenland und würde negativ nicht über "die Griechen" sprechen. Es gibt Griechen, denen die politischen Zustände zuwider sind und sich Veränderungen dringend wünschen und andere, die Veränderungen nur en detail oder gar nicht wünschen und diese Griechen sind in der Regel in den politischen "Netzwerken" zu finden.
    Griechenland helfen würde eine nicht abwählbare Experten-Regierung - vielleicht für 5 Jahre - die das Land sozialverträglich und losgelöst von Partikularinteressen vom Kopf auf die Füsse stellt. Diese Variante ist in Griechenland wohl leider nicht durchsetzbar und deshalb bleibt nur das reinigende, harte Bad des Staatsbankrotts, das Änderungen im Lande erzwingt. Die gewährten Kredite können die Geldgeber abschreiben und es wäre dann evtl. über eine Anschubfinanzierung für das Land zu reden ---- bei der Durchführung wirklicher Reformen, ansonsten kann man das Land nur sich selbst überlassen --- mit ungewissem Ausgang.

    Schönen Tag noch
    Otto Berger

  • Ein einmaliger Vorgang!
    ---------------------------------
    So operieren diese Eurokraten, ohne das eigentliche Zahlenmaterial
    der Verschuldung Griechenlands zu kennen, auf Kosten der Steuer-
    zahler, in einem finanziellen Nebel, bei dem es nur eine einzige Lösung,
    nämlich die Einleitung des Konkurs- Insolvenzverfahrens gibt, oder
    meinen diese 'Finanzexperten', das die internationalen Kapitalmärkte
    das ELA Spiel der EZB auf Dauer mitmachen werden, auch wenn weiter-
    hin beteuert wird: 'whatever it takes....', womit die Plünderung des
    deutschen Stuerzahlers in diesem EUROsions-System gemeint
    ist!

  • Zu den Luxemburgs Interessen dienenden Wünschen Junckers gibt es wohl nichts mehr zu sagen. Aber wenn die Bundesregierung jetzt zum 1001-Mal das Thema Griechenland mit einem neuen "Kompromiss" vertagt, dann ist in Deutschland der Ofen für Europa aus. Die Deutschen (und besonders dessen mittlerweile 20% Zuwanderer) lassen lange und viel mit sich geschehen, aber dann ist Schluss mit Lustig für Merkel und Freunde.

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