Griechenland-Krise Banken erwarten Schuldenschnitt

Die Banken wollen Griechenland die Hälfte seiner Schulden erlassen - schon im Januar könnte es soweit sein. Eins wollen sie aber verhindern: Dass andere Euro-Schuldenstaaten ebenfalls einen Schuldenschnitt verlangen.
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Schuldenschnitt für Griechenland im Januar

Frankfurt/Main/AthenDer teilweise Schuldenverzicht von Finanzinstitutionen für Griechenland könnte nach Einschätzung der internationalen Bankenvereinigung IIF im Januar erfolgen. IIF-Geschäftsführer Charles Dallara sagte am Donnerstag in Frankfurt, man stehe zu der auf dem Euro-Gipfel am 26. Oktober getroffenen Vereinbarung. Die Finanzinstitute hatten sich damals zu einem freiwilligen Schuldenschnitt von 50 Prozent bereiterklärt.  

Führende Gläubiger Griechenlands wollen laut Dallara einen Ausschuss gründen, der die Verhandlungen mit Griechenland und den europäischen Regierungen aufnehmen soll. Der Verband repräsentiert 450 Finanzinstitute. Dallara erwarte eine sehr hohe Beteiligung der privaten Banken bei der Schuldenreduktion. Er sei durch die neue griechische Regierung ermutigt. Die Bankenvertreter hatten zuvor den neuen griechischen Regierungschef Lukas Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos getroffen.  

Die für Griechenland getroffene Lösung dürfte allerdings nicht für andere Länder angewendet werden. „Griechenland muss ein Einzelfall bleiben“, forderte Dallara. Ein Abschlag von 50 Prozent bei den Forderungen der Gläubiger soll helfen, die griechischen Schulden um 100 Milliarden Euro zu reduzieren. Dem griechischen Parlament soll am Freitag der Entwurf für den Haushalt für das kommende Jahr vorgelegt werden. Der Ministerrat beriet am Donnerstag in einer Sondersitzung über den Haushalt 2012.  

Aus Kreisen des Finanzministeriums verlautete zum Haushaltsentwurf, es werde „verzweifelt“ nach 57 Milliarden Euro Einnahmen gesucht, damit das Land erstmals Ende 2012 einen sogenannten primären Überschuss aufweise. Zu den Sparzielen der Regierung Papademos schrieb die Athener Zeitung „To Vima“ auf ihrer Internetseite, es käme „einem Wunder“ gleich, wenn Athen dieses Ziel erreichen würde.  

Die Fakten zeigten, dass dies eher nicht der Fall sein werde. Bereits in diesem Jahr „hechelten“ die Einnahmen hinter den Zielen her. Die Einnahmen durch Steuern aller Art sollen bis zum Jahresende 50 Milliarden Euro erreichen. Bis Ende Oktober waren aber nur 38 Milliarden in die Staatskassen geflossen.  

In Athen und anderen Städten gingen mehrere tausend Menschen gegen das Sparprogramm auf die Straße. Rund 300 Vermummte sorgten für Krawalle vor dem Parlament und der amerikanischen Botschaft. Brandflaschen wurden gegen die Polizei geschleudert, Mülleimer angezündet, Schaufenster eingeschlagen. Die Beamten setzten Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben.  

Die Demonstrationen in Athen verliefen zunächst friedlich. Die Beteiligung war nach Berichten der griechischen Presse weitaus geringer als erwartet. Aus Angst vor den Ausschreitungen hatte die Polizei ein großes Sicherheitsaufgebot zusammengezogen. Rund 7000 Polizisten waren im Einsatz. Die Polizei sperrte zahlreiche Straßen im Stadtzentrum sowie den größten Teil des Platzes vor dem Parlament.  

Auch in anderen Städten des Landes gingen mehrere hundert Menschen auf die Straßen. In der westgriechischen Hafenstadt Patras kam es vorübergehend zu Randale. Vermummte versuchten, die Fassade einer Bank zu zerstören. Die Polizei bekam die Situation jedoch schnell in den Griff.

In den vergangenen Monaten haben Autonome immer wieder am Rande friedlicher Demonstrationen gegen die Sparpolitik in Griechenland randaliert. Die Proteste am Donnerstag fielen mit dem 38. Jahrestag des blutig niedergeschlagenen Studentenaufstandes gegen das Militärregime am 17. November 1973 zusammen. An diesem Tag lieferten sich autonome Gruppierungen in der Vergangenheit immer wieder Straßenschlachten mit der Polizei.

  • dpa
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14 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Banken erwarten Schuldenschnitt im Januar"

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  • @ Bruno,

    als Argentinien den Schuldenschnitt anbot, sind die Anleger die abgelehnt haben sehr schlecht weggekommen, sie warten heute noch auf Entschädigung.
    Dafür hatte aber Argentinien jahrelang ein Risikoaufschlag bezahlt. Dumm wer gerade vor der Pleite gekauft hatte.

  • Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Doch ich denke, DER Kampf hat leider noch gar nicht begonnen. Das kommt erst im kommenden Jahr, wenn die Menschen einen sehr viel höheren Leidensdruck erleben. Noch geht es ihnen viel zu gut!!!!

  • >Die für Griechenland getroffene Lösung dürfte allerdings nicht für andere Länder angewendet werden. „Griechenland muss ein Einzelfall bleiben.<
    Das werden die anderen Länder ihnen schon zeigen!

  • Lieber Spartakus, ich würde mich mal lieber um die 200 Milliarden € kümmern, die von GR in die Schweiz geflossen sind. Die brauchen nur mit 50% besteuert zu werden, und schon sind die meisten Probleme gelöst. Und Du brauchst dann keinen Krieg zu führen, und kannst friedlich Deinen Retsina geniessen.

  • Es ist doch klar, wenn der deutsche dumme Michel den anderen Euro-Länder über den Export die Tasche leert, muss er dann auch die Rechnung bezahlen, die anderen haben doch kein Geld mehr. Es ist alles nach Deutschland gewandert.
    Schuld aber ist nicht Deutschland sonder die EU-Verträge die solche permanente Leistungsbilanzüberschüsse erlauben (mehr als 14 Milliarden im Monat die anderswo fehlen).

  • HB schreibt heute, am Freitag: --Dem griechischen Parlament soll am Freitag der Entwurf für den Haushalt für das kommende Jahr vorgelegt werden--. Also, wann denn nun? am kommenden Freitag, dem 25.11.? Wenn ich es nicht besser wüsste, wäre ich nun gründlich missinformiert. Was bedeuted übrigens der Ausdruck --soll ... vorgelegt werden--. Wird er oder wird er doch nicht? Ich bin sicher, dass der genaue Zeitpunkt längst bekannt ist. HB verliert sich aber lieber in unbestimmten Formulierungen, obwohl diese Parlamentssitzung entscheidende Weichen für die Zukunft stellen wird. Immerhin hat der Oppositionsführer massiven Widerstand gegen das Sparpaket angekündigt, was erneut große Verwerfungen in den Finanzmärkten nach sich ziehen würde.

  • "Der dumme deutsche Michel" braucht nur soviel exportieren wie er importiert und schon braucht er nicht mehr zu zahlen!
    So einfach wäre es wenn die deutsche Großkonzerne nicht die Welt aufkaufen und von größten Konzerne der Welt Werden wollten und daher Leistungsbilanzüberschüsse dazu bräuchten.
    Nun, kläre mal das mit VW, Mercedes, Siemens und v.m.
    Gruß

  • Ein Volk wird versklavt!
    Die Exportgier der Industrieländer und deren Großkonzerne, durch Bestechung von korrupten Regierungen und Regierungsmitgliedern Griechenlands und mit der Mittäterschaft von deutschen und französischen Banken, hat zu dieser Überschuldung geführt.
    Jetzt wird ein ganzes Volk versklavt, während die Verantwortliche von Siemens, Mercedes, Krauss-Maffei, Dassault und die korrupte griechische Regierungsmitglieder, Bankmanager unbestraft ein leben in Luxus und Überfluss genießen.
    Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Russland, in China, in Frankreich, in Italien und auch in der Türkei! Schaut auf dieses Volk und erkennt, daß ihr dieses Land und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!
    Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle: gemeinsam so lange zusammenzustehen, bis dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist.

  • Die Banken verzichten "freiwillig" auf nichts.
    Der reale Wert der griechischen Staatsanleihen liegt inzwischen wohl deutlich unter 50% des Nennwertes.
    Zudem bekommen die Banken die verbleibenden 50% garantiert.
    Kein schlechter Deal...
    Als die "Vereinbarung" im Oktober getroffen wurde, schossen die Aktienkurse der DB und Commerzbank um rumschlumm 5% nach oben.

  • http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/missbrauch-des-euro-rettungsschirms-griechische-bank-verschiebt-millionen-euro-ins-ausland-1.1191473

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