Griechenland-Krise
BDI warnt vor risikoreichem Kredithebel

Mehr Hilfszahlungen, ein größerer Schuldenschnitt: Dem griechischen IWF-Vertreter Roumeliotis zufolge braucht Athen weitere Unterstützung. Der BDI warnt vor Änderungen am Rettungsschirm und auch das Wort Insolvenz fällt.
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Athen/BerlinDer griechische Vertreter beim Internationalen Währungsfonds (IWF) hält mehr Finanzhilfen oder einen größeren Schuldenschnitt für das hoch verschuldete Land für notwendig. Der Geldbedarf Griechenlands sei wegen der stärker als erwartet ausgefallenen Rezession größer als bisher angenommen, sagte Panagiotis Roumeliotis der Zeitung „Imerisia“ vom Samstag. „Die Finanzierungslücke muss entweder durch eine Erhöhung des am 21. Juli vereinbarten Kredits über 109 Milliarden Euro oder durch eine Restrukturierung der Verbindlichkeiten an private Gläubiger geschlossen werden“, sagte er. Der IWF unterstützt laut Roumeliotis die zweite Option. Eine Restrukturierung der Schulden könnte einen tieferen Schuldenschnitt bei den Staatsanleihen oder eine Verlängerung der Laufzeiten bedeuten.

Teil des zweiten Milliarden-Rettungspakets für das von der Staatspleite bedrohten Griechenland ist bereits die Beteiligung privater Gläubiger. Im zweiten Quartal haben die Banken europaweit mindestens 21 Prozent auf ihre griechischen Anleihen abgeschrieben.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht unkalkulierbare Risiken, sollte der Euro-Rettungsschirm EFSF mittels eines sogenannten Kredithebels ausgeweitet werden. „Wir sollten die Konstruktion des EFSF bezüglich der Finanzmittelausstattung noch einmal überdenken und nicht vorschnell auf ein Bankmodell einengen“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Aus einem Hebel könne eine echte Zahlungsverpflichtung in kaum zu leistender Höhe werden.

Das Thema könnte auch eine Rolle beim Besuch von Frankreich Präsident Nicolas Sarkozy am Sonntag bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) spielen. Paris steht einem Hebel offen gegenüber - so könnte das von Frankreich angeblich befürwortete Anzapfen des Rettungsschirms für seine notleidenden Banken einfacher werden.

Kommentare zu " Griechenland-Krise: BDI warnt vor risikoreichem Kredithebel"

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  • "Eine einheitliche Währung funktioniert nur, wenn überhaupt, unter gleichen Partnern. Was hier jedoch gemacht wurde, konnte nicht gut gehen. Die 5 Professoren haben in allem Recht behalten!"

    Ein eindeutiges Nein! Das wäre ein idealer Zustand, der in einem pluralistischen und geologisch stark unterschiedlichen Europa nie zu erreichen wäre. Hier geht es - wenn es idealistisch gesehen wird - auch ein Stück weit um Solidarität zu anderen Kulturen und Gegebenheiten, sodass Differenzen erwünscht und fruchtbar sind, aber nicht zu weit auseinander klaffen dürfen. Es müssen Instrumente geschaffen werden, die ein Ausreißen, wie es in manchen PIIGS-Staaten teils selber verursacht gibt, verhindern. ABER nicht um jeden Preis wie es derzeit geschieht UND nicht auf Kosten des Volks.

    Die Idee eines wirtschaftlich / monetär und SOZIAL vereinten Europas - nicht wie sie derzeit noch läuft - mit weitestgehend souveränen Staaten ist die Zukunft und muss sie bleiben! Es kann nicht angehen, dass wir wieder ein Stück weit in die Urzeit fallen und wieder unsere eigenen, egomanischen "Stammessüppchen" brauen.

    Aber das ist ein eigenes Thema, Egonmanie und Mensch ...

  • Dieser "Rücktausch" wird wohl auch nur mit einem Verlust der Sparvermögen zu machen sein. Und dann wahrscheinlich höchstens 1 : 1.
    Die Lebensversicherungen werden auch nicht mehr das auszahlen, was versprochen wurde. Wahrscheinlich nicht mal das, was eingezahlt wurde.

    Bereits letzten Januar forderte eine SPD-Abgeordnete im Bundestag Zwangsanleihen auf unsere Häuser und Vermögensabgaben!

    Wer heute noch staatsgläubig ist, dem ist nicht zu helfen!

  • Beruhigung? Hier mitlesen:

    http://globaleconomicanalysis.blogspot.com/2011/10/spains-net-foreign-debt-exceeds-one.html

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