Griechenland-Krise bei Jauch Varoufakis’ Fingergate und seine Folgen

Die ARD konfrontiert den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis mit einer unrühmlichen Geste: 2013 soll er bei einem Vortrag Deutschland den Mittelfinger gezeigt haben. Varoufakis dementiert. Wer hat Recht?
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Zeigt Varoufakis Deutschland hier den Mittelfinger?

DüsseldorfSchon wieder ein Fettnäpfchen für Yanis Varoufakis: Der griechische Finanzminister wird live ins Studio von Günther Jauch geschaltet, redet sich dort nahezu den Mund fusselig – und am Ende bleibt nur Aufregung über eine Geste, die er 2013 bei einem Vortrag in Zagreb gemacht hat. Aber nicht so gemeint haben soll. Oder doch nicht gemacht hat. Je nachdem, wen man fragt.

Das Video, das die Jauch-Redaktion bei dem YouTube-Kanal von SkriptaTV gefunden hat, zeigt den damals parteilosen Wirtschaftsprofessor bei der Vorstellung seines Buchs „Der globale Minotaurus“ bei einer Konferenz in der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Darin setzt er sich mit Amerikas Zukunft in der Weltwirtschaft auseinander. Schon zuvor hatte die „Bild“-Zeitung in einem Artikel auf das Video hingewiesen.

„Griechenland sollte einfach verkünden, dass es pleite ist, und Deutschland den Finger zeigen und sagen: Jetzt könnt ihr das Problem alleine lösen“, zitiert die ARD Varoufakis daraus in der Sendung. Dabei illustriert er seine Forderung – mit ebenjenem Stinkefinger.

Jauch konfrontiert Varoufakis damit in der Sendung: „Die Deutschen zahlen am meisten und werden dafür mit Abstand am meisten kritisiert – wie passt das zusammen?“ Es gebe viele Internetvideos von ihm, die „doctored“ wären, also manipuliert, antwortet Varoufakis darauf. Und das mit dem Mittelfinger sei eines davon.

In einer Pressemitteilung teilte die Redaktion am Montag mit: „Nach bisherigem Kenntnisstand kann die Redaktion keinerlei Anzeichen von Manipulation oder Fälschung feststellen“, das Video würde aber weiterhin von Experten überprüft. Analysten, die von der „Bild“ befragt wurden, schlossen eine Manipulation ebenfalls aus.

Der italienische Kameramann, der den Vortrag aufgenommen hat, bestritt den Vorwurf der Manipulation. Gleich nach der Jauch-Sendung twitterte er, nur sechs Minuten aus dem 57-minütigen Video herausgeschnitten zu haben:

Jauch selbst zeigte sich sichtlich überrascht von dem Vorwurf, ein manipuliertes Video gezeigt zu haben. Der Bloomberg-Journalist Joseph Weisenthal hielt den verdutzten Gesichtsausdruck des Moderators in einem GIF-Bild fest:

Doch ein Problem bleibt: Auch wenn Varoufakis mit seiner vehementen Versicherung, der Mittelfinger sei hineingeschnitten worden und er habe ihn nie gezeigt, sehr wahrscheinlich die Unwahrheit sagt, so wird die damalige Aussage des griechischen Finanzministers durch den fehlenden Kontext zumindest verfremdet.

Denn Varoufakis hat in dem Vortrag auf seine Position von 2010 rekurriert, also noch bevor europäische Hilfsgelder nach Athen flossen. Vollständig lautet das betreffende Zitat: „Angesichts der strengen Vorgaben aus Brüssel lautete mein Vorschlag damals: Griechenland hätte im Januar 2010 einfach ankündigen sollen, dass es pleite ist, wie Argentinien es tat, und Deutschland den Mittelfinger zeigen und sagen, jetzt könnt ihr das Problem alleine lösen.“

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7 Kommentare zu "Griechenland-Krise bei Jauch: Varoufakis’ Fingergate und seine Folgen"

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  • Professor Y. Varoufakis wird sich kaputtlachen, mit welch einfachen und billigen Mitteln die Diskussionen, nein, eigentlich die Aufregungen in Deutschland zu beeinflussen sind. Damit lenkt er (gekonnt?) von dem ab, worum es eigentlich geht.

  • Was ist aus Europa geworden? So und mit diesen Kadetten kann es doch wohl nicht weitergehen. Was soll man sonst noch sagen. Lassen wir einfach die Fakten sprechen - wie beim Fußball. Zu null und raus aus dem Spiel.

  • V. hat eine Zustimmung von über 80% in Griechenland. Mal von dem Finger abgesehen, er bestreitet ja nicht das Gesprochene. Da würde mich interessieren, ob er da die Meinung der meisten Griechen wiedergibt.

  • Was soll das Ausschlachten dieser unwichtige Begebenheit?
    Wichtig ist : Griechenland ist pleite! Das war es schon vor der Wahl, und es wäre auch bei einem Sieg von Samaras und Co. so gewesen. Unsere Politiker, allen voran Mutti und der Kobold, tun so als ob die Pleite Griechenlands vermeidbar wäre, aber sie ist es nicht. Ein Schuldenschnitt, also das Anerkennen der Pleite ist unausweichlich. Natürlich kann die EU weiter Geld nach Athen überweisen, es wird aber nur die Schulden erhöhen und die Folgen des GRexit verschlimmern.
    Es kommt mir so vor, als würden Alkoholiker, aus Angst vor dem Kater, die nächste Buddel Schnaps leeren. Jedes weitere "Hilfsprogramm" verlängert die Agonie Griechenlands noch.
    Das ganze Vorgehen ist traurig, zeigt aber wer uns regiert, die Vertreter der Hochfinanz! Denn jene sind die einzigen Nutznießer der griechischen Tragödie, jene Personen die im Bundeskanzleramt ein- und ausgehen, die Gesetzesvorlagen schreiben (welche unverändert vom Bundestag beschlossen werden), welche unsere unlegitimierte aber dennoch geschäftsführende Regierung darstellen.
    Die Entmachtung der nationalen Parlamente, die quasi völlig unkontrollierbaren Strukturen von ESM und EFSM, die eigentlichen Skandale der heutigen Zeit, die werden weitgehend widerspruchslos hingenommen.
    Statt dessen wird sich an einem Selbstdarsteller Varoufakis abgearbeitet, einer der schon das richtige Gesicht hat um den Bösewicht zu spielen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • es steht sehr schlecht um diese EU wenn solche Dinge ausschlaggebend sind. Kein weiterer Kommentar ist notwendig. Nur eine Sache; letzte Woche war ich geschäftlich in Übersee. Bei einem sehr angenehmen Abendessen mit einigen Geschäftspartnern wurde das Thema EU angesprochen. Die leute haben sich totgelacht und ich konnte der Verführung des Totlachen nicht widerstehen.

  • Wenn Varoufakis als Wissenschaftler so dreist vor einem Publikum lügt, dann lässt das tief blicken. Man sollte sich die Publikationen dieses Mannes noch einmal näher anschauen. Wenn das Lügen so kulturimmanent ist, wie V. den Eindruck vermittelt, dann sollte man alle griechischen Wissenschaftler überprüfen, besonders jene mit auffällig vielen Publikationen.

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