Griechenland-Krise
Bundesbank sieht Dauer-Pleite-Gefahr

Griechenland hofft auf neue Hilfe seiner EU-Partner. Doch die Bankrott-Gefahr bleibt noch lange bestehen, ist sich die Bundesbank sicher. Auch für andere Euro-Schuldensünder zeichnen die Notenbanker eine düstere Zukunft.
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Frankfurt/BerlinGriechenland bleibt das Sorgendkind Nummer eins in der Euro-Zone. Wenn die EU-Partner dem hoch verschuldeten Land nicht abermals unter die Arme greifen, ist die Pleite ausgemacht.  Hilft die EU mit neuen Geldspritzen, bleibt allerdings die Pleitegefahr bestehen. Das legt eine Analyse der Deutschen Bundesbank nahe. Die Notenbank-Experten setzen sich in ihrem Monatsbericht, der heute veröffentlicht wurde, mit der aktuellen und der künftigen Finanzlage der Euro-Schuldensünder auseinander und kommen zu dem Schluss, dass Länder wie Griechenland noch lange exorbitante Refinanzierungskosten an Geldgeber werden zahlen müssen.

Hinzu kommt, dass die Finanzmärkte sehr sensibel auf Griechenland-Nachrichten reagieren. Entsprechend fiel die Reaktion auf die Verschiebung frischer Griechenland-Hilfen aus. Die Börsen in Europa starteten am Montag mit Kursverlusten. Der Euro rutschte ab. Banken- und Versicherungswerte gehörten mit zu den größten Verlierern.

Die Eurofinanzminister hatten bei ihren Krisenberatungen am Montagmorgen eine Entscheidung über dringend benötigte Milliardenkredite für Griechenland vorerst aufgeschoben. Endgültige Entscheidungen über ein weiteres Rettungspaket sollen erst Anfang Juli fallen, zunächst müsse das Parlament in Athen Beschlüsse zu zusätzlichen Spar- und Reformpaketen fassen.

Die Griechenland-Lösung auf die lange Bank zu schieben, verunsichere die Märkte, kritisierten Analysten. Dies sei „ein Spiel mit dem Feuer“ angesichts der fehlenden Unterstützung des Sparprogramms durch die griechische Opposition, hieß es in einem Kommentar.

Der Euro gab zum US-Dollar knapp einen Cent nach und sank zeitweise unter die Marke von 1,42 Dollar. Der Schweizer Franken als „sicherer Hafen“ profitierte hingegen und legte insbesondere zum Euro deutlich zu. Im Gegenzug sank der Euro zum Franken im Tief auf 1,2015 Euro. Die Euro-Finanzminister hatten sich in der Nacht zum Montag in Luxemburg zwar grundsätzlich auf eine Einbindung privater Gläubiger in die Rettung Griechenlands verständigt. Details sollen aber erst Mitte Juli festgelegt werden.

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  • Wozu teilen Sie uns bitte Ihre Selbstreflektion mit? Es sind Worte ohne Substanz, ohne jeden Vorschlag für Verbesserungen. Was wollen Sie? Die absolute Sicherheit für das, was in den nächsten 48 Stunden auf der Welt passieren wird? Das Leben birgt Risiken und die werden Sie zum Glück nie kontrollieren wollen. Aber zum Glück gibt es auch Leute auf dieser Welt, die nicht nur kontrollieren wollen, sondern einfach ein Problem anpacken und es lösen. Zum Glück gibt es Probleme in meinem Leben. Alles andere wäre doch langweilig. Was Sie wollen ist die 100% kontrollierte Kaskogesellschaft im Gleichheitsanzug.

  • Och Leute, gute Politik ist also "Brot und Spiele" in euren Augen. Setzen, sechs!

    Der Euro war immer nur als weiterer Schritt zu mehr Gemeinsamkeit in der EU gedacht. Wir alle haben gewusst, dass es auch nach dem EURO weitere Veränderungen in der EU geben wird.

    Und selbstverständlich werden wir in der EU weiter an einem gemeinsamen Staatshaushalt arbeiten. Mit den Griechen werden wir den Prozess hierzu intensivieren müssen.

    Politik ist nicht nur das verteilen von Brot und Spielen, der Pflege von Öko-Egomanen und der Sicherung von Beamtenbezügen. Politik muss auch Märkte erschließen und sichern. Sich zu positionieren ist immer mit Risiken verbunden. Es gibt auch Menschen in diesem Land, die nicht nur ihre Pfründe sichern wollen, die eben auch Spass an der Gestaltung von Gesellschaft haben und die hierfür Positionen beziehen. Ihr EU-und-Euro-Neinsager, euch ist die eigene Wampe näher als die Gemeinsamkeiten mit EU-Nachbarn. Schämt euch!

  • @Zeitzeuge: Dann werden Sie aber auch einräumen müssen, dass wir seit Einführung von EURO und DM-Mark nie eine derartig große Überwerfung der Währungen hatten. An der Zinsschraube könnte die BuBa nicht mehr nach unten drehen. Die Zinsen sind historisch niedrig wie nie zuvor! Die Bundesbank wäre damit alleine überfordert gewesen, exakt so, wie es die Schweizer heute sind.

    Im Übrigen sind die Rostoffeinkäufe nicht für uns günstiger geworden, weil der Dollar so schwach ist (@FREIDENKER). Industrierohstoffe sind in den letzten Jahren einfach schon in der Produktion sehr teuer geworden. Sie dürfen auch nicht vergessen, dass viele Konzerne Rohstoffpreise mit Hedgegeschäften absichern. Die sind in heutigen Zeiten teuer. Der starke Euro rettet also keinen günstigen Rohstoffeinkauf.

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