Griechenland-Krise Bundesbank sieht Dauer-Pleite-Gefahr

Griechenland hofft auf neue Hilfe seiner EU-Partner. Doch die Bankrott-Gefahr bleibt noch lange bestehen, ist sich die Bundesbank sicher. Auch für andere Euro-Schuldensünder zeichnen die Notenbanker eine düstere Zukunft.
Update: 20.06.2011 - 14:14 Uhr 27 Kommentare

EU lässt Griechenland warten

Frankfurt/BerlinGriechenland bleibt das Sorgendkind Nummer eins in der Euro-Zone. Wenn die EU-Partner dem hoch verschuldeten Land nicht abermals unter die Arme greifen, ist die Pleite ausgemacht.  Hilft die EU mit neuen Geldspritzen, bleibt allerdings die Pleitegefahr bestehen. Das legt eine Analyse der Deutschen Bundesbank nahe. Die Notenbank-Experten setzen sich in ihrem Monatsbericht, der heute veröffentlicht wurde, mit der aktuellen und der künftigen Finanzlage der Euro-Schuldensünder auseinander und kommen zu dem Schluss, dass Länder wie Griechenland noch lange exorbitante Refinanzierungskosten an Geldgeber werden zahlen müssen.

Hinzu kommt, dass die Finanzmärkte sehr sensibel auf Griechenland-Nachrichten reagieren. Entsprechend fiel die Reaktion auf die Verschiebung frischer Griechenland-Hilfen aus. Die Börsen in Europa starteten am Montag mit Kursverlusten. Der Euro rutschte ab. Banken- und Versicherungswerte gehörten mit zu den größten Verlierern.

Die Eurofinanzminister hatten bei ihren Krisenberatungen am Montagmorgen eine Entscheidung über dringend benötigte Milliardenkredite für Griechenland vorerst aufgeschoben. Endgültige Entscheidungen über ein weiteres Rettungspaket sollen erst Anfang Juli fallen, zunächst müsse das Parlament in Athen Beschlüsse zu zusätzlichen Spar- und Reformpaketen fassen.

Die Griechenland-Lösung auf die lange Bank zu schieben, verunsichere die Märkte, kritisierten Analysten. Dies sei „ein Spiel mit dem Feuer“ angesichts der fehlenden Unterstützung des Sparprogramms durch die griechische Opposition, hieß es in einem Kommentar.

Der Euro gab zum US-Dollar knapp einen Cent nach und sank zeitweise unter die Marke von 1,42 Dollar. Der Schweizer Franken als „sicherer Hafen“ profitierte hingegen und legte insbesondere zum Euro deutlich zu. Im Gegenzug sank der Euro zum Franken im Tief auf 1,2015 Euro. Die Euro-Finanzminister hatten sich in der Nacht zum Montag in Luxemburg zwar grundsätzlich auf eine Einbindung privater Gläubiger in die Rettung Griechenlands verständigt. Details sollen aber erst Mitte Juli festgelegt werden.

Warnung vor Eingriffen der Politik
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27 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Bundesbank sieht Dauer-Pleite-Gefahr"

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  • Wozu teilen Sie uns bitte Ihre Selbstreflektion mit? Es sind Worte ohne Substanz, ohne jeden Vorschlag für Verbesserungen. Was wollen Sie? Die absolute Sicherheit für das, was in den nächsten 48 Stunden auf der Welt passieren wird? Das Leben birgt Risiken und die werden Sie zum Glück nie kontrollieren wollen. Aber zum Glück gibt es auch Leute auf dieser Welt, die nicht nur kontrollieren wollen, sondern einfach ein Problem anpacken und es lösen. Zum Glück gibt es Probleme in meinem Leben. Alles andere wäre doch langweilig. Was Sie wollen ist die 100% kontrollierte Kaskogesellschaft im Gleichheitsanzug.

  • Och Leute, gute Politik ist also "Brot und Spiele" in euren Augen. Setzen, sechs!

    Der Euro war immer nur als weiterer Schritt zu mehr Gemeinsamkeit in der EU gedacht. Wir alle haben gewusst, dass es auch nach dem EURO weitere Veränderungen in der EU geben wird.

    Und selbstverständlich werden wir in der EU weiter an einem gemeinsamen Staatshaushalt arbeiten. Mit den Griechen werden wir den Prozess hierzu intensivieren müssen.

    Politik ist nicht nur das verteilen von Brot und Spielen, der Pflege von Öko-Egomanen und der Sicherung von Beamtenbezügen. Politik muss auch Märkte erschließen und sichern. Sich zu positionieren ist immer mit Risiken verbunden. Es gibt auch Menschen in diesem Land, die nicht nur ihre Pfründe sichern wollen, die eben auch Spass an der Gestaltung von Gesellschaft haben und die hierfür Positionen beziehen. Ihr EU-und-Euro-Neinsager, euch ist die eigene Wampe näher als die Gemeinsamkeiten mit EU-Nachbarn. Schämt euch!

  • @Zeitzeuge: Dann werden Sie aber auch einräumen müssen, dass wir seit Einführung von EURO und DM-Mark nie eine derartig große Überwerfung der Währungen hatten. An der Zinsschraube könnte die BuBa nicht mehr nach unten drehen. Die Zinsen sind historisch niedrig wie nie zuvor! Die Bundesbank wäre damit alleine überfordert gewesen, exakt so, wie es die Schweizer heute sind.

    Im Übrigen sind die Rostoffeinkäufe nicht für uns günstiger geworden, weil der Dollar so schwach ist (@FREIDENKER). Industrierohstoffe sind in den letzten Jahren einfach schon in der Produktion sehr teuer geworden. Sie dürfen auch nicht vergessen, dass viele Konzerne Rohstoffpreise mit Hedgegeschäften absichern. Die sind in heutigen Zeiten teuer. Der starke Euro rettet also keinen günstigen Rohstoffeinkauf.

  • Die USA sind das beste Beispiel, daß der große "Einheitsstaat" auf Dauer nicht funktioniert trotz allen Personals, aller Institutionen, möglicher Gesetze und einer mächtigen Zentralbank. So lange Staaten bzw. Staatengemeinschaften taugliche "Beuteobjekte" privatinteressenbestimmter Strukturen sind - wie von Ackermann und Handlanger Schäuble diesertage explizit vorgeführt - wird es immer wieder zu solchen makroökonomischen "Dramen" kommen, für die die Steuerzahler haften, weil sie von anfang an geschlafen und nichts begriffen, schon gar nicht gehandelt haben.

  • Denken Sie mal noch ein bißchen weiter und fragen Sie sich, ob der EURO nicht vielleicht eine "Waffe" ist, um etwas zu erreichen. Warum schweigen die französischen Gewerkschaften die ganze Zeit, wenn die ansonsten wegen 6 Stunden mehr Jahresarbeitszeit ganze Straßenzüge verwüsten? Was ist das für ein Deal? Warum hat M. Thatcher die EURO-Einführung für Großbritannien kategorisch abgeleht?

  • Woher wissen Sie, daß nicht Merkels oder Ackermanns graue Emissäre inzwischen in Griechenland bei den "Wackelkandidaten" mit griechischem Parlamentssitz anklopfen werden, um das gewünschte Abstimmungsergebnis hinzubekommen, in dem sie mit einem kleinen Kontoauszug einer schweizer Bank "ausweisen" und für "guten Wind" sorgen?

  • Ich kann mich nicht erinnern, daß die Bundesbank jahrelang irgend welche Stützungskäufe bei 100% Verlusten über Jahr hinweg ab 20 Mrd. DM aufwärts regelmäßig durchführen mußte. Merkwürdige Vorstellungen.
    Was soll dann werden, wenn die PIGSIBs sich vesammeln und nach "deutscher Stützung" nach griechischem Vorbild gemeinsam rufen unter dem Motto: "Ihr deutschen Nazi-Schweine, gebt uns Geld!"?

  • @Moika : Das "Projekt Europa", wie Sie es nennen, hat diese Entwicklung erst ermöglicht und unterstützt. Wir haben es hier mit den Folgen der EURO-Ideologie zu tun. Ohne Euro und die falschen Absicherungspraktiken der "Gemeinschaft" könnten die Griechen alleine abwerten oder ihren Staatsbankrott erklären und die Markszinsen hätten rechtzeitig die Risiken signalisiert.

  • Geldsystem außer Kontrolle

    Es wird Zeit, dass wir erkennen, dass es nicht einzellne Ereignisse sind, die komplexe Systeme außer Kontrolle geraten lassen sondern es ist das System als Ganzes, welches in Frage gestellt werden muss. Das Weltfinanzsystem ist nach allen Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung bankrott.

    Jahrelang hat man seitens von Notenbanken und Aufsichtsbehörden nur eines getan: die möglichen Risiken des Weltfinanzsystems unter den Tisch gekehrt. Gerade Systeme, die komplex, interdependent und unvorhersehbar sind, benötigen jedoch eine Offenlegung und nicht das Verstecken von Informationen (wie Geldmengenwachstum, Derivaterisiken oder außerbilanziellen Konten), sondern vielmehr Transparenz, damit sich ein System selbst regulieren kann.

    Die irrsinnige Annahme von Greenspan, man könne Konjunkturzyklen durch niedrige Zinsen abschaffen, wurde von Ben Bernanke fortgesetzt, mit der Folge, dass heute wohl das größte Schuldennirwana in der Geschichte der Weltwirtschaft entstanden ist.

    Die wohl größte Gefahr für das Vermögen der Kunden ist eine eskalierende Schuldenkrise mit Domino-Effekten nach argentinischem Vorbild. Da wir uns in einem Zinssystem befinden, ist eine Schuldenkrise geradezu eine logische Entwicklung. Entscheidend ist der Punkt, wann das System außer Kontrolle gerät. In einem Zinssystem steigt die Verschuldung zwangsläufig exponentiell an, wobei sich die Schere zwischen Geldvermögen und Schulden immer schneller öffnet.

    Wann kommt ein neues Geldsystem?

    Bericht aus www.mmnes.de

  • @ bommel35:

    http://www.youtube.com/user/Beobachter1927

    Schauen Sie mal in die linke Spalte unter dem Video-Fenster, was glauben Sie, wie die bisherige Reaktion ist?

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