Griechenland-Krise
Der große Schnitt nach vorn

Griechenland steckt zu tief in der Schuldenfalle - nur ein sauberer Schuldenschnitt kann das Land noch retten, meinen Experten. Doch wie führt man ein ganzes Land in die Insolvenz? Eine Anleitung für die Staatspleite.
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DüsseldorfIm Kampf gegen die griechische Schuldenkrise läuft Europa die Zeit davon: „Diese von Griechenland ausgelöste Vertrauenskrise gefährdet inzwischen den Euro als Ganzes. Deshalb müssen wir dieses Problem überzeugend angehen“, sagte Finanzminister Schäuble am Freitag der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Schäubles Worte der Verzweiflung bestätigen die Befürchtungen, die viele Finanzexperten seit Monaten mehr oder weniger hinter vorgehaltener Hand kundtun: "Eine geordnete Umschuldung kann nicht länger ein Tabu sein", sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle am Donnerstag dem Handelsblatt. "Weitermachen wie bisher ist nicht möglich, die Wirklichkeit hat uns eingeholt", resümierte am Mittwoch auch Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Griechenland dürfte also um eine Umschuldung nicht länger herumkommen. Doch auch wenn Europas Politikern und Bankern das Reizwort "Pleite" inzwischen einfacher über die Lippen geht als noch vor wenigen Wochen, löst das noch lange nicht ein Problem: Wie führt man ein ganzes Land in den Bankrott?

Für den Zahlungsausfall von Staaten hat niemand vorgesorgt. Anders als bei der Pleite von Unternehmen gibt es beim Bankrott von Staaten keine Insolvenzordnung, keinen Insolvenzverwalter, keine Institutionen, die im Chaos konkurrierender Zahlungsansprüche Ordnung und einen Interessenausgleich unter den Gläubigern schaffen.

Und dennoch: Die Gläubiger Griechenlands interessieren wie die Gläubiger eines Unternehmens vor allem zwei Dinge: Wieviel von ihrem verliehenen Geld sie zurückbekommen und ob sie gegenüber anderen Gläubigern bevorzugt behandelt werden.

Seit Monaten ringt die EU um Antworten auf diese beiden Fragen. Denn sie werden nicht nur über das Schicksal Griechenlands und seiner Gläubiger (vor allem Banken und Versicherer), sondern möglicherweise auch das Schicksal anderer Schuldenstaaten wie Irland, Portugal und Italien und damit die Zukunft des Euro und Europas mitentscheiden.

Denn wenn Griechenland zahlungsunfähig wird, verspielt es vielleicht auf Jahre seine Glaubwürdigkeit an den Kapitalmärkten und die einiger seiner Euro-Partner gleich mit, wie eine neue Studie zeigt ("Der hohe Preis eines Haircut").

Andererseits: Zwar kann Griechenland die Insolvenz länger verschleppen als ein Unternehmen. Bislang haben ihm die anderen Euroländer mit Finanzspritzen tatkräftig dabei geholfen. Doch irgendwann muss das Land raus aus den Schulden - nur wie?

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Der große Schnitt nach vorn"

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  • Hallo Margrit! Unsere Exporte gehen seit Einführung des Euro nur noch zu 40 - 41 Prozent in die EU. Zu DM-Zeiten waren es mal 46 Prozent.
    Unsere Hauptabnehmer sind die USA und China.

    Ich schätze mal, dass die Exporte in die anderen EU-Länder jetzt noch weniger werden. Denn wer pleite ist, kann nicht so viel importieren.

    Einen Großteil der Exporte bezahlt bei uns der Steuerzahler. Alles zum Wohle der Hochfinanz.

    Bei mmnews kann man heute folgendes lesen:

    Selbst das größte deutsche Bankhaus hat bei 32 Milliarden Eigenkapital 1,7 Billionen ausstehen. Gehen also 3% der Kredite den Bach runter, ist die Bank pleite. Dass die Abschreibungen in letzter Zeit jedoch beträchtlich höher waren, versucht man zu übertünchen per Level 3, Bilanzierungstricks und dubiosen Vertuschungsaktionen.

    Bin wirklich gespannt, wie lange die Politiker das noch hinziehen können.

  • Garantien für die Pleitegeier klingt auf den ersten Blick -zumindest aus der Sicht unserer absolut inkompteten Politiker - harmlos. Garantien haben aber den unangenehmen Effekt, dass sie gezogen werden können .... . Und das wird früher oder später unter dem "Rettungsschirm" der Fall sein; mit der Folge, dass auch Deutschland einer Staatspleite entgegen blicken darf ...... .
    Wann gehen wir endlich gegen diesen Wahnsinn auf die Strasse ??? WIR SIND DAS VOLK - HAU WEG DEN SCHEISS !!!!

  • Das Eigeninteresse aller Poltiker ist das, das sie oder zumindest ihre Partie, die sie vertreten,gewählt werden.
    Deswegen richten sich alle Entscheiungen nur in diese Richtung. Erkennen die Politiker, dass sie oder ihre Partei nicht mehr gewählt werden, wenn sie Griechenland oder andere Euro Staaten mit Steuergeldern subventionierten wird es keine subvention geben. Danach ist die EURO Union am Ende.
    Das ist genauso in Griechenland absehbar wie in allen anderen aktiv oder passiv subventionierten EURO Staaten.
    Nur diese Determinierung ist für die Zukunft des EUROs entscheidend - sonst nichts.

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