Griechenland-Krise
Deutschland und Frankreich diskutieren Schuldenschnitt

Angeblich wollen Kanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy am Abend einen neuen Griechenland-Deal festzurren: Ein Schuldenschnitt käme für Deutschland aber nicht umsonst. Regierungskreise dementieren das Vorhaben.
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Berlin/AthenRegierungskreise haben einen Bericht dementiert, dass sich Deutschland und Frankreich auf eine Absprache in der Schuldenkrise verständigt hätten. So hatte die „Welt am Sonntag“ berichtet, Deutschland akzeptiere einen flexibleren Euro-Rettungsschirm EFSF, während Frankreich einen Schuldenschnitt für Griechenland mittrage. „Eine solche Absprache gibt es nicht“, hieß es am Sonntag aus Regierungskreisen in Berlin. Tatsächlich hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel erst vergangenen Dienstag vor einem Schuldenschnitt und einer Insolvenz Griechenlands sowie den verheerenden Folgen gewarnt.  

Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy treffen sich am Sonntagabend in Berlin, um ihre Haltungen über die Arbeitsweise des EFSF und das weitere Vorgehen in der Bankenkrise zu besprechen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“  mit Blick auf die schlechte Wirtschaftsentwicklung in Griechenland, „möglicherweise sind wir im Juli von einem zu geringen Prozentsatz der Schuldenreduktion ausgegangen“.

Schäuble bezieht sich dabei aber auf den Anteil, den private Gläubiger an einem zweiten Griechenland-Hilfspaket freiwillig tragen sollen, nicht auf einen generellen Schuldenschnitt beziehungsweise eine Insolvenz Griechenlands. Hier herrscht weitgehend Einigkeit in der Euro-Gruppe, dass die Zahlen für das zweite Griechenland-Hilfspaket erneut überprüft werden müssen, wenn die Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission ihr Urteil über die Schuldentragfähigkeit Griechenlands vorgelegt hat.   

Die „Welt am Sonntag“ berichtete unter Berufung auf „das Umfeld der Verhandlungen“, Frankreich rücke von seiner bisherigen Haltung ab, eine größere Umschuldung Griechenlands hinzunehmen. Frankreichs Banken wären davon aber wegen der größeren Höhe an gehaltenen Griechenland-Staatsanleihen stärker betroffen als deutsche Konkurrenten. Der Zeitung zufolge soll Sarkozy im Gegenzug gefordert haben, dass der EFSF zur Refinanzierung angeschlagener Staaten und Banken der Euro-Zone Zugriff auf Gelder der Europäischen Zentralbank (EZB) erhalten solle. Das wiederum hat die Bundesregierung bislang strikt abgelehnt.   

Merkel und Sarkozy müssen sich auch bei der Rekapitalisierung angeschlagener Banken und bei der Überarbeitung der europäischen Verträge einigen. Die Kanzlerin hatte sich vergangene Woche offen für Vorschläge aus dem Internationalen Währungsfonds (IWF) gezeigt, dass allen Banken eine höhere Eigenkapitalquote vorgeschrieben werde. Während Deutschland darauf pocht, dass Banken zunächst versuchen sollen, sich selbst zu rekapitalisieren und erst dann die Euro-Staaten sowie im Notfall am Ende der EFSF einspringt, möchte Frankreich einen schnelleren Einsatz des EFSF ermöglichen.

Im schuldengeplagten Griechenland sorgen die Gedankenspiele für große Verunsicherung. Für Athen nähere sich eine schmerzhafte Lösung - davon waren am Sonntag fast alle griechischen Sonntagszeitungen überzeugt. „In die Richtung einer Endlösung“, titelte das den regierenden Sozialisten nahestehende Sonntagsblatt „To Vima“. „Merkel und Sarkozy entscheiden ohne uns über einen „Haircut“ von 50 Prozent.“ Griechenland segele „in unbekannte Gewässer“, in Berlin werde das Thema des „großen Schuldenschnitts“ besprochen, lautete der Tenor in der konservativen Athener Zeitung „Kathimerini“. „Entscheidungen für uns ohne uns“, titelte die linksliberale Zeitung „Eleftherotypia“. Umfragen zufolge rechnen rund zwei Drittel der Griechen damit, dass die Zahlungsunfähigkeit ihres Landes kurz bevorsteht.

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  • Der FTD wurde am Sonntag aus mehreren Quellen bestätigt, dass die Bundesregierung eine Insolvenz des Landes auf Dauer für unvermeidbar hält. Wann diese verkündet wird, ist noch nicht geklärt. Deutschland muss mit Widerstand in der EU-Kommission und mehreren Mitgliedsstaaten rechnen.

  • Wenn eine Firma insolvent wird, dann wird ein Insolvezverwalter eingesetzt, da das bisherige Management nicht in der Lage war vernuenftig zu wirtschaften (ergo Insolvenz!). Die Glaeubiger setzen dann jemanden ein dem sie zutrauen die Sache besser zu machen und das Ruder doch noch herumzureissen.
    Wie wird das in Griechenland aus, wenn ein Schuldenschnitt (faktisch eine Insolvenz) durchgefuehrt wird? Bleibt das bisherige "Management" am Ruder?

  • So läßt man die Dinge weiter schleifen wie bisher und
    riskiert, daß sich das Schneeballsystem zu einer Lawine
    entwickelt, denn schließlich will Niemand für den Crash
    verantwortlich gemacht werden und auf dem Schwarzen Peter
    sitzen bleiben!!!

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