Griechenland-Krise
Die heimliche Entmachtung des Yanis Varoufakis

Als Amateur und Zocker musste sich der griechische Finanzminister von seinen Euro-Kollegen beschimpfen lassen. Dennoch hält Premier Tsipras an Varoufakis fest – allerdings stellt er ihm einen Aufpasser zur Seite.
  • 32

AthenEr ist die Reizperson im Griechenland-Poker: Finanzminister Yanis Varoufakis. Er bringt seine Kollegen aus den Euro-Staaten gegen sich auf, strahlt in öffentlicher Rund alle Finanznöte beiseite. Doch ungeachtet aller Kritik der Geldgeber hält der griechische Regierungschef Alexis Tsipras an seinem Finanzminister fest. Tsipras habe Varoufakis bei einem Treffen mit führenden Ministern und Beratern das Vertrauen ausgesprochen, sagte ein Regierungsvertreter am Montag. Der Tenor: Varoufakis sei zur „Zielscheibe der internationalen Presse“ geworden. Er bewege sich aber im Rahmen der kollektiven Entscheidungen der Regierung und werde weiterhin „für eine nachhaltige Lösung arbeiten“, hieß es.

Dennoch kam Varoufakis nicht ungeschoren aus dem Treffen heraus. So wurde beschlossen, ein neues Gremium zu schaffen, das künftig unter Aufsicht von Varoufakis die politischen Gespräche mit den Geldgebern führen solle. Koordinieren werde dieses Gremium allerdings der stellvertretende Außenminister Euclid Tsakalotos. Dies deutet daraufhin, dass der Wirtschaftsprofessor eine aktivere Rolle in den Verhandlungen mit den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) übernehmen wird.

Im Streit über die Reformpläne zur Bekämpfung der Schuldenkrise war Varoufakis beim Treffen der Euro-Finanzminister am Freitag scharf kritisiert worden. Die neue Regierung in Athen will vom vereinbarten Sparkurs abkehren. Ohne eine Einigung mit den Geldgebern droht dem Land die Staatspleite.

Auch an anderer Stelle zog Tsipras Konsequenzen aus den schleppenden Verhandlungen. So berichten Regierungskreise, dass der Chefunterhändler der griechischen Delegation bei den Geldgebern ausgetauscht wird. Der erfahrene frühere Unterhändler Giorgos Chouliarakis ersetzt demnach Nikos Theocharakis – einen Vertrauten des griechischen Finanzministers Varoufakis. Chouliarakis war bereits während der vorigen Regierung als Fachmann bei den Verhandlungen dabei und soll das Vertrauen der Geldgeber-Experten haben.

Nach dem Eurogruppen-Treffen in Riga gehen die Expertenverhandlungen über ein griechisches Reformprogramm weiter. „Gespräche gibt es auf allen Ebenen“, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel. Seit dem Minister-Treffen in Lettland am vergangenen Freitag und Samstag gebe es das „gemeinsame Verständnis, dass rascher Fortschritt nötig ist“. Auf Details der Gespräche ging die Sprecherin nicht ein. Zu Meldungen, Experten in den Verhandlungen würden ausgetauscht, sagte sie: „Von unserer Seite sind die Unterhändler dieselben.“

Der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Martin Jäger, sagte in Berlin, die Lage sei „einigermaßen frustrierend“. Es sei zu hoffen, dass Athen nun bis zum nächsten regulären Treffen der Ressortchefs am 11. Mai in Brüssel ein belastbares Reformkonzept vorlege, das auch grünes Licht von EU, IWF und EZB bekomme. „Der Ball liegt definitiv im Spielfeld der Griechen“, sagte Jäger. Am Sonntag hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Tsipras telefoniert.

Die Experten des Kölner IW-Instituts gehen davon aus, dass Griechenland im Streit mit seinen Gläubigern letztlich wohl einlenken muss. „Es muss klar sein, wenn sie Geld von anderen haben wollen, müssen sie sich auch den Bedingungen stellen“, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Er gehe davon aus, dass der Athener Regierungschef Alexis Tsipras die geforderte Reformliste über kurz oder lang vorlegen werde.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Die heimliche Entmachtung des Yanis Varoufakis"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich bin kein Freund von Tsipras und Varoufakis, aber es "riecht" danach, dass Tsipras gegenüber den übrigen EU-Technokraten eingeknickt ist.

    Griechenland braucht Geld, braucht dringend Geld. Deshalb ist Tsipras erpressbar. Das wisse Merkel, Schäuble und auch Juncker.

  • Da läuft jetzt ein ganz schlauer Professor, der dachte, mit seinen theoretischen Rezepten kann er ganz Europa hintergehen, mit voller Hose auf der Akropolis herum. Zusätzlich wollen jetzt anscheinend auch noch alle anderen Politiker Europas ihr eigenes Versagen in die Hose dieses "Helden" schieben. Das kann aber nur funktionieren, wenn sie ihm auch noch die Drachme geben.

  • @ Christian Wolff, Natürlich war Alexander Hegemon da er die Griechen wiederholt unterwarf (zuerst schaffte dies sein Vater) den Griechen blieb keine andere Wahl als zu gehorchen, aber Alexander b.z.w. die Makedonen deshalb als Grieche zu bezeichnen ist fragwürdig. Die Griechen selbst haben die Makedonier als nicht-Griechen bezeichnet. Fragwürdig ist auch ob mit der Bezeichnung "Grieche" in der Antike eine Nation b.z.w. Ethnie erfasst werden kann.
    Was die heutige Bevölkerung betrifft, trifft das ebenfalls auf Griechenland zu. Die demographische Zusammensetzung wurde verzerrt, keiner kann sagen er ist direkter Nachfahre "der Antiken". Allerdings haben beide Nationen Elemente dieser Antiken Nationen in ihren modernen Nationen inne, so habe auch die (heutigen) Makedonier ein anrecht darauf. Außer Sie denken das Makedonien "menschenleer" gewesen sein muss als die angebliche und heute doch umstrittene s.g. "Slawenwanderung" stattfand.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%