Griechenland-Krise
Die Milliarden-Suche

Athen muss fast täglich neue Milliarden an seine Kreditgeber zurückzahlen. Gelingt das nur ein einziges Mal nicht, droht der „Graccident“ – trotz Einigung auf dem EU-Gipfel. Wo die Gelder genau herkommen, ist offen.
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DüsseldorfEs sind keine leichten Tage für die Mitarbeiter von Yanis Varoufakis. Aber nicht etwa, weil ihr Chef ins Fingergate geschlittert ist oder die internationalen Geldgeber gegen sich aufgebracht hat, dürften die Verwaltungsleute in Griechenlands Finanzministerium gehörig gestresst sein. Bis zum heutigen Freitag müssen sie knapp zwei Milliarden Euro zusammenkratzen.

Athen muss kurzfristige Papiere im Volumen von 1,6 Milliarden Euro ablösen, rund 350 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) überweisen und rund 110 Millionen Euro auf Anleihen im Besitz der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen. Und die Beamten suchen in allen denkbaren Sofaritzen des fast bankrotten Krisenlandes.

In der Nacht war ein außerplanmäßiger Siebener-Gipfel in Brüssel zu Griechenland zu Ende gegangen. Neben Bundekanzlerin Angela Merkel und dem griechischen Premier Alexis Tsipras saßen noch Frankreichs Präsident François Hollande, EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, EU-Ratspräsident Donald Tusk, Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem und EZB-Präsident Mario Draghi am Tisch – und verhandelten rund vier Stunden.

Als Durchbruch feierten sie – neben der Rückkehr der nun Geldgeber-„Institutionen“ genannten Troika nach Griechenland – die Einigung auf eine „full list“, eine umfassende Reformliste, die Griechenland so schnell wie möglich vorlegen wird. Laut Premier Alexis Tsipras bereits in den nächsten Tagen.

Damit die noch verfügbaren Milliardenhilfen aus dem verlängerten Hilfsprogramm so schnell wie möglich weiter fließen. „Alles soll schnell gehen“, sagte auch Merkel bei der Pressekonferenz in Brüssel in der Nacht. Von dieser Einigung aber noch unberührt bleibt die akute Milliarden-Suche der Griechen heute – und in den nächsten Tagen.

Der IWF-Kredit ist dabei das drängendste Problem für die Tsipras-Regierung. Denn bei der Vergabe waren klare Rückzahlungsfristen vereinbart worden. Im Gegensatz zu den Krediten anderer Euro-Staaten an Griechenland und Geldern aus dem Euro-Rettungsfonds ESM wurden die IWF-Fristen nicht verlängert. Die internationalen Währungshüter lassen sich grundsätzlich nicht auf Verhandlungen über ihre Kreditkonditionen ein.

Nach Regierungsangaben sieht sich Griechenland in der Lage, diese Verpflichtung heute zu erfüllen. Die fällige Kreditrate von 350 Millionen Euro an den IWF könne man überweisen, sagte ein Regierungsvertreter am Donnerstagabend in Brüssel. Zu der Staatsanleihe über 1,6 Milliarden Euro schwieg er allerdings. Wie das Geld zusammenkommen wird, blieb ebenfalls offen.

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  • Die neue Liste ist sehr erfolgversprechend. Die Toilettengebühr an der Akropolis
    geht zu 50% an den Staat. 49% bekommt der Lizenznehmer. 0,9% bekommen
    die Beamten. 0,09 % die Regierungspartei. 0,009% gehen an das Toiletten-unternehmen. 0,001% kriegt der Subunternehmer der die Drecksarbeit macht.

  • Die neue Liste ist sehr erfolgversprechend. Die Toilettengebühr an der Akropolis
    geht zu 50% an den Staat. 49% bekommt der Lizenznehmer. 0,9% bekommen
    die Beamten. 0,09 % die Regierungspartei. 0,009% gehen an das Toiletten-unternehmen. 0,001% kriegt der Subunternehmer der die Drecksarbeit macht.

  • Komisch- ich weiß es schon. Deutschland wird zahlen. Wetten?

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