Griechenland-Krise
Drohende Pleite weckt Erinnerungen an Argentinien

2001 ging es für Argentinien bergab. Die Wirtschaft brach ein, die Inflation schnellte empor und Kapitalverkehrskontrollen führten zu Unruhen. Angesichts der Lage in Griechenland werden quälende Erinnerungen wach.
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Buenos AiresGriechenland steht vor der Staatspleite – und damit vor einer nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und sozial ungewissen Zukunft. Die Lage des Landes lässt quälende Erinnerungen wach werden an den Staatsbankrott Argentiniens im Jahr 2001. Die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen führten in dem südamerikanischen Land zu Plünderungen, Unruhen, einer blutigen Niederschlagung der Proteste und zur Flucht des Präsidenten. Die Wirtschaft brach ein, die Inflation schnellte empor, der Peso wurde abgewertet. Noch heute kämpft Argentinien mit den Folgen der Staatspleite.

Wie Griechenland hatte Argentinien über Jahre über seine Verhältnisse gelebt. Angehäuft wurden die Schuldenberge vor allem während der Militärdiktatur (1976-1983), als die Junta die Rüstungsausgaben rasant steigerte. In den 90er Jahren wurden erneut enorme Schulden gemacht, als Argentinien ein Programm zum Kampf gegen die Inflation auflegte. Zwar wurde die Hyperinflation, unter der das Land 40 Jahre lang litt, erfolgreich eingedämmt, dafür war das Land 1999 schließlich hoffnungslos verschuldet. Durch die weltweite Finanzkrise rutschte Argentinien in die Rezession.

Um den Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) nachzukommen, beschloss die Regierung Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen. Es folgten Generalstreiks, in weniger als drei Monaten hoben die Bürger 22 Milliarden Dollar ab. Um den Bankenrun zu stoppen, wurde angeordnet, knapp 70 Milliarden Dollar an Bankeinlagen einzufrieren. 90 Tage lang konnten die Menschen nicht mehr als 250 Pesos (damals 250 Dollar) pro Tag abheben.

Die Arbeitslosigkeit lag bei 20 Prozent, die Armutsquote hatte die 50-Prozent-Marke überschritten. Es folgten Unruhen, die niedergeschlagen wurden, 33 Menschen starben. Supermärkte wurden geplündert, Zehntausende zogen zu den sogenannten Cacerolazo-Protesten auf die Straße.

Am 19. Dezember 2001 rief Präsident Fernando de la Rúa einen Belagerungszustand aus. Einen Tag später, als sich tausende Demonstranten vor dem Präsidentenpalast versammelten, trat er zurück und floh per Hubschrauber. Am 23. Dezember kündigte Übergangspräsident Adolfo Rodríguez Saá ein Moratorium für Rückzahlungen der bei knapp 100 Milliarden Dollar liegenden Schuldenlast an.

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„Schmerzhafte Konsequenzen und dauerhafte Auswirkungen“

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