Griechenland-Krise: „Ein gutes Geschäft für Frau Merkel“

Griechenland-Krise
„Ein gutes Geschäft für Frau Merkel“

Der griechische Wirtschaftsweise Giannis Stournaras sieht sein krisengeschütteltes Land auf einem guten Weg. Er hofft, dass die Konsolidierungserfolge kein Strohfeuer sind, sondern eine nachhaltige Verbesserung darstellen. Im Interview erläutert er, warum von einer Griechenland-Erholung auch und vor allem Deutschland profitiert.
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Handelsblatt: Herr Stournaras, Griechenland bekommt für seine Konsolidierungsbemühungen gute Noten. Der Internationale Währungsfonds und die EU sprechen von „beeindruckenden Fortschritten“. Aber die Risikozuschläge der griechischen Staatsanleihen steigen statt zurückzugehen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Giannis Stournaras: Man kann Vertrauen sehr schnell zerstören. Es zurückzugewinnen, dauert sehr lange. Das erleben wir jetzt. Wir müssen unsere Partner und die Märkte davon überzeugen, dass diese ersten Konsolidierungserfolge kein Strohfeuer sind sondern eine nachhaltige Verbesserung.

HB: Daran glauben die Märkte offensichtlich noch nicht.

Stournaras: Das braucht seine Zeit. Wir müssen jetzt dramatische Erfolge vorweisen, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Das Klima hat sich gedreht: noch vor einem Jahr waren alle bereit, Risiken einzugehen. Jetzt wollen die Investoren jedes Risiko vermeiden. Ich glaube deshalb nicht, dass die Spreads vor Mitte nächsten Jahres nennenswert zurückgehen werden. Wenn wir 2011 zeigen, dass unser Haushaltsdefizit wirklich niedriger ist, wird sich das Bild ändern.

HB: Die Regierung will bereits nächstes Jahr wieder in größerem Umfang mit Staatsanleihen an den Markt gehen. Ist das realistisch?

Stournaras: Ich würde das nicht überstürzen. Wichtig ist es, bei der Haushaltskonsolidierung und bei der Deregulierung unserer Wirtschaft überzeugende Erfolge vorweisen zu können. Wenn das gelingt, könnten wir versuchen, den Markt zu testen.

HB: Und wenn die Märkte trotzdem kein Vertrauen fassen?

Stournaras: Natürlich haben viele Investoren Bedenken, vor allem wegen der hohen Staatsverschuldung, die trotz des Defizitabbaus zunächst einmal weiter steigen wird.

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  • Der Herr Stournaras ist ein Lobbyist, er verteidigt die offizielle Meinung. Warum hat er nicht früher seinen Mund aufgemacht, um auf die Missstände hinzuweisen ?
    Meine alte Heimat ist nicht in der Lage -auch morgen und übermorgen nicht-, konkurenzfähige Produkte zu produzieren und zu exportieren.
    GR muß die Eurozone verlassen und eine andere Orientierung finden. Der Staat und das Volk müssen umdenken.
    Die Kreditgeber sollen für ihr Risiko geradestehen. Einem solchen Land gibt man nicht Kredite.

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