Griechenland-Krise
Es rumort in der Union

Angela Merkel muss nicht nur in Brüssel Überzeugungsarbeit leisten – auch in Berlin. In ihrer Partei wächst die Unruhe. In der Union formiert sich der Widerstand gegen ein weiteres Hilfspaket für Griechenland.
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Ein weiteres Hilfspaket für Griechenland? In der Unionfraktion formiert sich Widerstand. „Die Griechen haben das Recht, Nein zu sagen, und jetzt haben wir das Recht, ebenfalls Nein zu sagen“, sagte der stellvertretende Unionsfraktionschef Hans-Peter Friedrich (CSU) der „Rheinischen Post“ mit Blick auf das Referendum der Griechen gegen die Gläubiger-Forderungen und Athens Forderung nach einem dritten Hilfspaket. Er kenne keinen einzigen Kollegen in seiner Fraktion, der eine Basis für ein drittes Hilfspaket sehe, sagte Friedrich.

Der stellvertretende CSU-Chef Peter Ramsauer forderte Griechenland zum Verlassen der Euro-Zone auf. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Bundestages warf der griechischen Regierung am Mittwoch im ZDF eine „schmutzige Tour“ vor. Diese führe ihre Partner „wie Tanzbären durch die Manege“. Wenn dem Land immer wieder eine „letzte Frist“ gesetzt werde, um Vorschläge für eine Lösung des Streits mit den Geldgebern zu präsentieren, könne das keiner mehr nachvollziehen. „Aus ökonomischer Sicht gibt es nur einen Weg: mit einer eigenen Währung sich die Wettbewerbsfähigkeit, die Konkurrenzfähigkeit wieder zurückerarbeiten.“ Dann könnte Griechenland nach „vier, fünf Jahren“ gegebenenfalls in die Euro-Zone zurückkehren.

Ramsauer kritisierte, dass Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone in der Nacht zum Mittwoch Griechenland erneut eine Frist bis Freitagmorgen gaben, sich mit neuen Vorschlägen zu äußern. Mit immer neuen Fristen machten sie sich am Ende selbst unglaubwürdig. Eine Basis für irgendwelche Verhandlungen und Beschlüsse des Bundestages dazu sehe er derzeit nicht. „Es kann so nicht weitergehen“, sagte der CSU-Politiker. Der Bundestag müsse schon der Aufnahme von Verhandlungen zustimmen, und selbst das stehe derzeit nicht an.

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„Keine Zukunft mehr“

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  • Wieviele letzte Chancen gibt es denn für diese Betrüger noch? Das ist einfach nur noch lächerlich. In einem hat aber der Henkel recht. Wenn die nicht gehen sollten wir gehen. Dann will ich mal sehen wie dann dieser Hühnerhaufen umherläuft.

  • Wenn auch nur noch ein deutscher Euro nach Griechenland fließt, wird die deutsche Bevölkerung bei der nächsten Bundestagswahl mit einem „Nein“ die befürwortenden Parteien dafür abstrafen. Das fünf Jahre dauernde Schmierentheater wird mit Geld oder ohne Geld kein Ende fnden. Frau Merkel und Herr Gabriel scheint das überhaupt nicht zu interessieren! Ich hoffe, dass dies bei der nächsten Bundestagswahl keiner vergisst!

  • Gefühlt hat bereits jeder Steuerzahler enorme Summen für die 'Rettung' Griechenlands bezahlt. Tatsächlich ist dem bisher nicht so, sondern bisher hat Deutschland an der Krise verdient - solange die Kredite bedient wurden. Aber es stehen Dutzende Milliarden Euro auf dem Spiel, wenn Griechenland in die Insolvenz geht. Dass Griechenland in die Insolvenz geht, wird immer wahrscheinlicher. Die bisherige "Rettungen" Griechenlands führten zum weiterem Niedergang und zur noch tieferen Verschuldung Griechenlands. Nicht wenige Ökonomen hatten vor den Folgen der 'Nur- Austeritätspolitik' gewarnt. Somit sind Merkel & Co verantwortlich. Natürlich müssen die Griechen ihren Staat reformieren - ganz gewiß! Aber wie soll das gehen, wenn man nur noch um das tägliche Überleben kämpfen muss. International wird in der Fachwelt, z.B. In den USA, längst anerkannt, daß es ohne einen Schuldenschnitt nicht mehr geht. Zumindest am Ausmaß der Verschuldung sind die Gläubiger mitverantwortlich und müssen nun die Konsequenzen mittragen. In Deutschland sollte man nicht vergessen, daß gerade die Deutschen in Ihrer Geschichte schon mehrmals von Schuldenschnitten und Stundungen profitiert haben, ansonsten wäre das bisherige Wirtschaftswachstum Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg nicht möglich gewesen.

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