Griechenland-Krise
Euro-Länder sprechen Notfall-Szenarien durch

Finanzexperten der Euro-Gruppe beraten bereits Notfallpläne für einen Grexit. Dazu zählen Kontrollen des Kapitalverkehrs. Athen gerät unter Druck – will aber Renten- und Lohnkürzungen nicht akzeptieren.
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Athen, BratislavaDie Euroländer erörtern inzwischen Notfallszenarien für das pleitebedrohte Griechenland. Dazu könnten Kontrollen des Kapitalverkehrs gehören, hieß es nach einem Treffen der Finanzstaatssekretäre der Euroländer am Freitag in Bratislava. Solche Kontrollen könnten aber nur von Athen selbst angeordnet werden. Ziel solcher Notmaßnahmen ist es, den Abfluss von Geldern aus einem Land zu bremsen. Die Euro-Finanzminister hatten bisher in der Eurogruppe nicht über Alternativszenarien zu einer Rettung Griechenlands diskutiert.

Nach dem vorläufigen Rückzug des IWF-Teams aus den Verhandlungen mit Griechenland fordern die Euro-Partner Zugeständnisse der Athener Regierung zur Lösung des Schuldenstreits. Der Ball liege im Feld Griechenlands, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Freitag. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem erwartete nun „ernsthafte Vorschläge“.

Griechenland soll im Gegenzug für weitere Hilfsgelder Reformen zusagen, um die Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen. Bislang haben die Gläubiger aber kein grünes Licht für die Vorschläge der Links-Regierung in Athen gegeben. Gibt es keine Einigung, droht Griechenland Ende des Monats die Staatspleite.

Um das zu vermeiden, sei Athen durchaus bereit, die Unterredungen mit den Gläubigern zu intensivieren, hieß es aus Regierungskreisen. Für Samstagmorgen seien dazu erneut Verhandlungen in Brüssel vorgesehen. Renten- und Lohnkürzungen jedoch werde Griechenland nicht akzeptieren. Athen verhandle lediglich über eine Umstrukturierung der Schulden sowie niedrige primäre Überschüsse, damit die Wirtschaft wieder angekurbelt werden kann, hieß es. Athen hatte zuvor Berichte dementiert, wonach an diesem Wochenende neue Gespräche zwischen den Experten der Gläubiger und der Regierung aufgenommen werden sollen. Diese Berichte seien „Science Fiction“, hieß es.

Analysten in Athen sagten, es sei völlig unklar, wo und wann sowie in welcher Form die angestrebten Gespräche fortgesetzt werden sollen. Wenn es bis Ende Juni keine Einigung Athens mit den Gläubigern gibt, droht Griechenland der Staatsbankrott.

Trotz der immer knapper werdenden Zeit arbeitet die Bundesregierung nach eigener Aussage an einem Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone. Sowohl Berlin als auch Juncker wiesen darauf hin, dass die Abreise des IWF-Teams nicht als Abbruch der Gespräche vonseiten des Fonds interpretiert werden dürfe. Vielmehr sei das als Warnung an die griechische Regierung zu verstehen, sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

Am Donnerstag war das Verhandlungsteam des Internationalen Währungsfonds (IWF) überraschend aus Brüssel abgereist und hatte dies mit „großen Differenzen“ in den Gesprächen begründet. Der Schritt hatte für Nervosität an den Finanzmärkten gesorgt und die Befürchtung aufkommen lassen, dass die Hellas-Verhandlungen gescheitert sind.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • mir sind die Finanzmärkte aber sowas von wurscht!

    ob der DAX steigt oder fällt, ob er nach unten rasselt oder nur auf vorjahresniveau sinkt geht mit gerad am Allerwertesten vorbei.

    Finanz- und Wirtschaftstechnisch hält die EU und der Euro einen Grexit aus. Ganz anders sieht das Ganze auf der Politischen Bühne aus. Wie wäre es, wenn das HB sich mal bequemen würde hier die diversen alternativen Szenarien vorzustellen:

    1. Griechenland versinkt im Chaos - da weiterhin im Schengenraum kommen ungehindert zigtausende von Asylanten über die griechische Grenze in die EU. Ohne Pass ohne Aufnahme. Damit zigtausend "Schwarzarbeiter" die garantiert in jedem EU-Land gerne unter dem Mindestlohn arbeiten.

    2. Griechenland wird von USA "gerettet". Erhält den Dollar und wird zur ersten US-Kolonie auf dem Eurasischen Kontinent. Damit zum erwünschten Einfallstor für die US-Wirtschaft.

    3. Griechenland wird von Russland "gerettet". Russisches Militär erhält ein, zwei Basen in Griechenland. Die USA provozieren einen Zwischenfall in Rümänien oder Bulgarien und eröffnen damit den dritten WK

  • Mir hängt das blöde Gerede zum Halse raus. Es wird keinen Grexit geben!. Ich bin fest davon überzeugt.Es wird gepokert bis zur lezten Sekunde und dann, siehe da, ein Kompromss ist erreicht worden. Jeder versucht, sein Maximum bis zum alleletzten Moment zu erreichen. Bis dahin, weden angsttreibende Artikel geschrieben, spekuliert und nochmals spekuliert. Unsere Mutti, Supermario,Juncker und Frau Lagarde werden doch nie einen Grexit zulassen. Letzten Endes erhält Griechenland wieder Geld, der Dax und der Euro steigen, die Bedingungen werden dem deutschen Steuerzahler schmackhaft verkauft und Griechenland ist wieder auf dem guten Weg (bis in 6 Monaten).

  • Wie immer man Stimmungen an den Börsen interpretieren mag, vielleicht beruhen die Kursrückgänge gerade auf der Erwartung, daß das marode Griechenland in der Eurozone gehalten wird. Denn eines steht heute bereits fest : Was immer die griechische Regierung auch zusagen mag - umgesetzt wird in altbewährter griechischer Tradition nichts. So bedeutungslos Griechenland als Volkswirtschaft für Europa auch ist, so sehr erweist es sich als Problemfall für die gesamte Währungsunion. Wenn Hellas auch seit der Antike nicht mehr all zu viel zur Geschichtsschreibung beigetragen haben mag, möglicherweise wird es in die Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit als das Land eingehen, welches - mangels der gebotenen Standfestigkeit der europäischen Gläubiger - eine lang anhaltende Periode der wirtschaftlichen wie politischen Instabilität einleitete...

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