Griechenland-Krise Europa schweigt die Griechen-Krise tot

Die Euro-Finanzminister wollen das Wort pleite nicht in den Mund nehmen: Stattdessen sollen Banken ihre Anleihen umtauschen - völlig "freiwillig" natürlich. Kein Wunder: Das Reizwort hätte katastrophale Folgen.
Update: 14.06.2011 - 22:18 Uhr 49 Kommentare

Wieviel Geld ist nötig

Brüssel/Berlin/AthenKein konkretes Ergebnis des Griechenland-Krisentreffens in Brüssel: Die Euro-Finanzminister verzichten auf eine zunächst geplante schriftliche Erklärung zu der eskalierten Schuldenkrise in dem Mittelmeerland. „Das ist ein sehr schwieriges Thema“, resümierte der finnische Ressortchef Jyrki Katainen nach stundenlangen Debatten.

Die Sitzung der Eurogruppe endete EU-Diplomaten zufolge am Dienstagabend ohne eine Annäherung. „Es lag keine machbare Position auf dem Tisch“, sagte ein EU-Diplomat. Die Eurogruppe werde sich am Sonntagabend in Luxemburg erneut zu einem Abendessen treffen - einen Tag früher als geplant. Entscheidend für einen Fortschritt in der Diskussion werde das Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Nicolas Sarkozy am Freitag in Berlin sein, hieß es weiter.

Griechenland steht vor der Staatspleite, wenn keine Lösung für das hoch verschuldete Land gefunden wird. Athen hatte bereits vor gut einem Jahr ein Paket von Europäern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) von 110 Milliarden Euro erhalten. Die nächste Tranche von 12 Milliarden Euro ist im Juli fällig - Athen braucht sie dringend, freigegeben ist sie noch nicht.

Zudem geht es um ein neues Hilfspaket. Zuletzt war die Rede von einem Finanzbedarf in Höhe von 90 bis 120 Milliarden Euro, je nach Dauer und Einbindung der Gläubiger und möglicher Privatisierungserlöse. Die EU-Finanzminister sind sich weiter uneins, ob bei einem zweiten Rettungspaket eine Umschuldung Griechenlands nötig ist und wie sie aussehen könnte. Dabei geht es um die Frage, mit welchem Verlust private Gläubiger Griechenlands, vor allem europäische Banken und Versicherungen, rechnen müssen und welche Folgen ein Schuldenschnitt hätte.

In der Frage tobt ein Streit zwischen Deutschland auf der einen und der EZB, Frankreich und der EU-Kommission auf der anderen Seite. Während Deutschland private Gläubiger an den Kosten für weitere Hilfen auf jeden Fall beteiligen will, lehnt die Gegenseite dies ab, weil sie fürchtet, dass das Land dann in die Pleite schlittert.

Einige Länder wollen es den privaten Gläubigern selbst überlassen, ob sie mitmachen oder nicht. „Die Beteiligung des Privatsektors muss freiwillig sein“, fordert der belgische Finanzminister Didier Reynders. Würde man Banken, Versicherungen und Rentenfonds zwingen, könne dies das gesamte Finanzsystem des Euro-Gebiets ins Wanken bringen. Der Anteil der Privaten am Notpaket wird auf etwa 30 Milliarden Euro geschätzt.

Die Lösung für Griechenland könnte laut Experten so aussehen, dass Banken auf freiwilliger Basis neue griechische Anleihen kaufen, falls alte auslaufen. Vorbild ist die sogenannte Wiener Initiative, bei der sich 2009 Großbanken im Rahmen eines Hilfsplans des Internationalen Währungsfonds IWF bereiterklärt hatten, auslaufende Engagements in Ländern Mittel- und Osteuropas bei Fälligkeit zu erneuern. „Etwas Ähnliches werden wir hoffentlich hier auch zustande bringen“, sagte die österreichische Ressortchefin Maria Fekter.

Der griechische Premierminister Giorgos Papandreou wehrt sich gegen Deutschlands Pläne, private Gläubiger wie Banken und Versicherungen bei der Rettung des Krisenlandes in die Pflicht zu nehmen: Die Idee sei zwar „in der Theorie richtig“. Sie habe aber bislang das Gegenteil bewirkt, die Märkte seien nervöser geworden, sagte Papandreou der Athener Sonntagszeitung „To Vima“.

Papandreou sprach sich für eine Steuer auf Finanztransaktionen sowie für die Ausgabe von Euro-Anleihen (Eurobonds) aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte unterdessen davor, die Schuldenkrise im Euroraum drohe den Aufschwung in Deutschland zu gefährden.  

Merkel sagte in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast: „Wir dürfen nichts tun, was den Aufschwung weltweit insgesamt in Gefahr bringt und dann auch in Deutschland wieder in Gefahr bringen würde.“ Der Bankrott der US-Investmentbank Lehman Brothers habe in Deutschland 2009 zu einem Wirtschaftseinbruch von fast fünf Prozent geführt. So etwas müsse unbedingt verhindert werden.  

Zu Beginn der Sitzung in Brüssel gab es offenbar viel Widerstand gegen die Forderung der Bundesregierung nach einem deutlichen Beitrag der Privatwirtschaft. Zu groß ist die Sorge der Europartner, der Schritt könne die Schuldenkrise vertiefen und die ganze Währungsunion in den Abgrund ziehen. „Wir müssen alles Notwendige tun, um eine neue Finanzkrise zu vermeiden“, warnte der finnische Finanzminister Jyrki Katainen. „Die Balance ist sehr heikel.“

Ein Kreditausfall hätte verheerende Folgen
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49 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Europa windet sich um die Pleite"

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  • Griechenland muss unbedingt aus der Rolle des "total abhängigen Sünders" heraus.
    Der Verbleib im Eurosystem ist nicht absolut erforderlich.
    Nur so kann (Gegen)Druck ausgeübt werden auf die Finanzinstitutionen und erreicht werden, dass die Bürden auch in Griechenland durchsetzbar sind.

  • Das hoffe ich auch, das es nicht zum Säbelrassel zwischen der beiden NATO Staaten kommt. Aber falls Ihre Prognose eintreffen sollte, was ich auch nicht hoffe, dann ist es doch offensichtlich das die Militärs alles versuchen werden, die Öffentliche Interesse, auf ein Ausländisches Gefahr hin zu deuten oder suggerieren es dem griechischen Volk täglich. Und das Finanzproblem steht dann nicht mehr in der Tagesordnung.
    Mögen die Götter im Olymp, das Verhindern zu wissen.

  • Meine Prognose wird doch eintreten .
    Ohne Militär-Regierung geht das Land unter .
    Von Krieg in der Ägäis kann hier keine Rede sein.

  • Ist schon paradox was Politiker so verzapfen! Zuerst wollten sie, dass Staaten bestraft werden, wenn sie den Stabilitätspakt nicht einhalten. Jetzt macht das der freie Markt ganz von alleine durch hohe Zinsen und Risikoaufschläge. Jetzt ist's den Stabilitätspolitikern auch nicht recht. Was wollen die eigentlich?

  • Zurzeit überbieten sich die privaten Gläubiger mit Horrorszenarien falls sie für leichtfertig, ja verantwortungslos eingegangener Risiken einstehen müssen. Eines dieser absonderlichen Argumente ist die Gefährdung der Finanzierung des Mittelstandes. Diese Sorge ist wohl unbegründet, weil andere Finanzinstitute sofort einspringen würden. An mangelnder Liquidität leiden die Märkte nur partiell. Auch die Sorge um den Anleihemarkt gilt es kritisch zu hinterfragen. Erstklassigen Schuldnern steht dieses Finanzierungsinstrument weiterhin zur Verfügung. Dagegen werden Schrottpapiere wohl unter mangelndem Absatz leiden müssen. Als Folge dieser Differenzierung wird verlorenes Vertrauen in Anleihen wieder steigen. Eine Gesundung des Anleihemarktes wird m.E. von jenen Marktakteuren blockiert, die auf solchem Müll sitzen. So bedarf es der Selbstheilungskräfte des Marktes, um mittels Negativauslese neues Vertrauen zu schaffen. Eine gut funktionierende Volkswirtschaft braucht dieses Vertrauen und sollte sich nicht durch eigennützige Horrorszenarien zum Verzicht auf rationelles Entscheiden drängen lassen.

  • Wie war das nochmals mit dem Stabilitätspackt im Euroraum?
    Gibt es da nicht eine "no bail out Klausel"?
    Diese wurde aber im Falle von Griechenland von allen Beteiligten bewußt gebrochen!
    Und jetzt, mit dem 2. Hilspaket, wird sie nochmals gebrochen!

    http://www.cep.eu/index.php?id=68&no_cache=1&L=0&tx_sgglossary_pi1%5Bsearchmode%5D=1&tx_sgglossary_pi1%5Bsearch%5D%5Babc%5D=No-Bail+Out

  • Die Spatzen pfeifen es von den Dächern und die Ratingagenturen haben Griechenland auf CCC abgestuft, d.h., Griechenland ist pleite, mehr geht gar nicht! Der Fehler lag von Anfang an darin, Gr den Euro zu geben. Wenn Griechenland da nicht rausgeschmissen wird, hat der Euro keine Zukunft, denn die Nehmerländer werden dann erst recht die Hand aufhalten, Schrecken also ohne Ende. Dann lieber jetzt bei noch gut laufender Konjunktur dem Schrecken ein Ende setzen!

  • @Anonymer Benutzer: Real

    Um Gottes Willen Real, möchten Sie das es zu einem Krieg im Ägais kommt ? Nach 37 Jahren Frieden...Ne nee lassen Sie mal jut sein.

    Aber das kommende Jahr scheint ja sehr interessant zu werden, nämlich wegen zwei große Datum Ereignisse, dies wehre der 01.01.2012 - 10 Jahre Euro und das berüchtigte Katastrophen Datum 21.12.2012 ( Maya Kalender Prophezeiung : http://www.21dezember2012.org/.)

    Alle die daran Glauben, sollten jetzt schon anfangen Jack Daniels oder Absolut Wodka zu horten :-))

    Ich tippe aber auf das erste Datum, die Wahrscheinlichkeit das es ein Trifft ist 50:1, gegen Euro natürlich, uns steht auch ein sehr heißes Sommer sowie sehr turbulente herbst Wochen bevor... von Winter ganz zu schweigen ( Veröffentlichung des Jahres Abschluss Bilanzen der einzelnen EU Staatshaushalte sowie der Banken, Versicherungen, Konzerne, EZB, Bundesbank..u.s.w )..Na,ja wir werden Sehen was kommt.

  • Unsere EUROkraten:
    Wir haben Angst vor der kleinen Pleite, dann gehen wir lieber den Weg weiter zur großen Pleite.

    Oder - wir wollten schon immer die Transferunion:

    1. Exzessive Kredite an PIIGS ermöglichen
    = erledigt
    2. Schulden der PIIGS von den Banken an die EZB übertragen
    = überwiegend erledigt
    3. Rettungsschirm ESM installieren
    = erledigt
    4. Schulden der EZB auf den Rettungsschirm ESM übertragen
    5. ESM-Kredite durch Beiträge der Länder ausgleichen
    6. Steuern in den Geberländern erhöhen und die Transferunion festschreiben

  • Die Zustände in der EWU sind lächerlich und kümmerlich im Vergleich zur USA. Während der Turbo-Kapitalismus in der USA endet, fängt er erst in der USE an.

    Hier einige Beispiele:
    - Es gibt US-Bonds, es wird EUR-Bonds geben.
    - Es gibt eine handvoll Börsen in der USA. Die wird es irgendwann auch in der USE geben. Allein darüber sollte jedem Bange werden. Während in Deutschland mal eben fast zwei Hände voll an Börsen vorzufinden sind - wobei Deutschland lediglich ein einziger Staat ist - finde ich in der ganzen USA deutlich weniger mit 50 Mitgliedsstaaten. Was ist mit den Börsen passiert? Während alle sich streiten, wird parallel die zukünftige USE gebildet. Während die größte Wertpapierbörse der USA in New York ist, wird unsere in Amsterdam sein. Das ist nur ein kleines Beispiel, dass es niemand dazu kommen lassen wird, dass die USE zerfällt und alle wissen, dass es weiter gehen wird.
    - Weiter wäre hier das neue Gebäude der EZB-Zentrale zu nennen. Das Gebäude wird gebaut. Ohne wenn und aber.

    Immer diese Panikmache. Der Euro wird langfristig den USD ablösen. Auch die Weichen werden gestellt. Merkel hat schon vor Jahren um einen festen Wechselkurs mit den Erdölstaaten vereinbart. Ebenso mit China.

    Und mal ganz nebenbei lieber "Rainer_J", sollte es zu einer Krise und darausresultierenden Börsencrash kommen - wovon ich ehrlichgesagt ausgehe, weil es notwendig ist - dann werden die Preise für z.B. "ein Fahrrad" nicht steigen, sondern fallen (siehe Deflation).

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