Griechenland-Krise
Frankreichs Notenbankchef skizziert einen Weg zur Umschuldung

Offiziell lehnt die EZB jede Umschuldung Griechenlands ab. Auch eine weiche Umstrukturierung der Schulden komme einem Zahlungsausfall gleich. Doch Frankreichs Notenbankchef sieht einen Ausweg.
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ParisChristian Noyer, Gouverneur der Banque de France und Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), kann sich unter gewissen Umständen doch eine Restrukturierung der Alt-Schulden Griechenlands vorstellen. Hauptsorge der EZB sei, dass im Falle einer Restrukturierung der griechischen Staatsschulden die Finanzierung der gesamten griechischen Wirtschaft zusammen bricht, sagte Noyer bei einer Pressekonferenz in Paris.

Denn im Falle eines Schuldenschnitts könne die EZB die Staatsanleihen Athens nicht länger als Sicherheit akzeptieren, um den griechischen Banken Refinanzierungskredite zu gewähren. Aus diesem Grund sei die EZB strikt gegen eine Restrukturierung.

Dieses Szenario ließe sich aber umgehen. "Sollten neue griechische Staatsanleihen (nach einer Restrukturierung. d. Red.) mit einer Garantie einer anerkannten internationalen Institution versehen werden, könnte die EZB diese weiter als Anleihen hoher Qualität ansehen", sagte Noyer, und damit als Sicherheit zur Refinanzierung akzeptieren. Als Garant käme der Euro-Rettungsfonds FESF oder der geplante Europäische Stabilisierungsmechanismus in Frage, der den FESF 2013 ablösen soll.

"Das ist ein Szenario, über das man nachdenken kann", sagte der Gouverneur der Banque de France. Unter diesen Umständen sei eine Restrukturierung der griechischen Schulden denkbar. Denn in diesem Szenario würde ein Zusammenbruch der Finanzierung der griechischen Wirtschaft vermieden.

Noyer räumte indes ein, dass in diesem Fall auf die EZB massive Abschreibungen auf den Bestand griechischer Staatsanleihen zukomme. Noyer äußerte sich in seiner Eigenschaft als französischer Notenbankchef. Ob und wieweit seine Auffassung vom EZB-Direktorium geteilt wird, ließ er offen.

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  • Unser Hauptproblem:
    Wir haben keine Opposition im Bundestag - ALLE Parteien wollen die Transferunion, das heißt auch in den PIIGS den gleichen Lebensstandard wie in Deutschland - mindestens.

    Und unsere prominenten Kritiker des EURO-Wahns scheuen sich Verantwortung zu übernehmen und eine neue Partei zu gründen.

    Das ganze Geschreibsel nützt doch nichts.

  • Unsere Volkszertreter verkaufen die eigene Bevölkerung.
    Griechenland ist pleite - und wahrscheinlich geben die superintelligenten deutschen Politiker erst ihren EU-Wahn auf, wenn wir auch ein D-Rating bekommen.

    Leider haben nur die privaten Banken in Deutschland ihr Engagement in GR-Anleihen reduziert. Die staatlichen Banken hängen immer noch in unvorstellbarer Höhe mit drin. Somit auch der deutsche Steuerzahler.
    Unsere Politiker haben den größten Fehler begangen, als sie den §125 missachteten. Das wird sich bitter rächen.

    Griechenland hat eine Größe von fast 132 000 km². Kommt das erneute Rettungspaket durch, haben wir auf jeden Quadratkilometer Griechenlands ca 1,5 Mio Euro hingelegt. Damit muss endlich Schluss sein! Wir können es uns nicht leisten, unser offizielle Staatsverschuldung liegt schließlich bereits bei über 2 Bio Euro.

    Was hier betrieben wird ist Insolvenzverschleppung. Und unsere Politiker machen fleißig mit, nur um ihre verdammte EU und den Euro nicht zu Grabe tragen zu müssen.

    Ich bin nicht bereit, für die Schulden von anderen aufzukommen. Lieber werde ich alles hier verkaufen und auswandern.

  • @ MikeM
    Nun lassen Sie doch bitte die Kirche im Dorf. "Die Franzosen" lügen nicht mehr und nicht weniger als "Die Deutschen". Vor allem aber dürften alle Beteiligten in etwa die gleichen Informationen zur Verfügung haben. Und wenn deutsche Banken und Versicherungen (die im übrigen auch schon drastisch ihre gehaltenen griechischen Anleihen reduziert haben)in Kenntnis dieser Informationen weiterhin "an Bord" bleiben wird dies im Rückblick einmal entweder eine ausgesprochene dumme oder auch schlaue Entscheidung gewesen sein.

    Wer glaubt, ob nun als Finanzmarktteilnehmer oder auch als ganz normaler Bürger mit Guthaben, dass der Euro gefährdet ist und alles mehr oder weniger den Bach runtergeht, der soll gefälligst nicht rumlamentieren, sondern PERSÖNLICH entsprechend seiner Einschätzung handeln.
    Dieses Geweine diskreditiert uns doch nur und gibt unseren Politikern recht wenn sie meinen dass iwr uns nicht selbst um unsere Belange kümmern können.

    Nicht immer nach Maßnahmen, Hilfen oder Verhaltensanordnungen von anderen jippern, sondern selbst Entscheidungen treffen und umsetzen. Dann, und nur dann, kann uns auch (fast) egal sein was andere für einen Blödsinn verzapfen.

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