Griechenland-Krise
Kanzleramt dementiert Arbeiten an Grexit-Szenario

Die Bundesregierung dementiert Berichte über die Entwicklung von Strategien für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Es sei weiterhin das Ziel, Griechenland im Euro-Raum bei der Stabilisierung zu helfen.
  • 24

BerlinDie Bundesregierung verfolgt nach eigenen Angaben keine Pläne für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Mittwoch in Berlin, solche Ausarbeitungen lägen der politischen Führung des Kanzleramtes nicht vor. An der politischen Linie habe sich nichts geändert. Es sei wie seit Beginn der Euro-Schuldenkrise weiterhin das Ziel der Bundesregierung, Griechenland „im Euroraum bei der Stabilisierung zu helfen.“

Zuvor hatte die „Bild“ berichtet, die Bundesregierung entwickle konkrete Strategien für einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Das Bundeskanzleramt lasse derzeit Szenarien für einen möglichen Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza bei der Parlamentswahl in dem Staat am 25. Januar durchspielen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise.

Sollte das Bündnis um Alexis Tsipras gewinnen und den Reformkurs abbrechen, würde die ausstehende Rate von zehn Milliarden Euro Hilfskrediten nicht an Athen überwiesen werden. Käme es zum Austritt Griechenlands aus dem Euro - dem sogenannten „Grexit“, könnte es nach Einschätzung der Regierungsfachleute zudem einen Kunden-Ansturm auf griechische Banken geben, um Euro-Guthaben zu sichern, schrieb die Zeitung.

Ein Kollaps der Institute in dem Land könne die Folge sein. In diesem Fall müsste die EU-Bankenunion womöglich mit Milliardenzahlungen einspringen, hieß es.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte am Wochenende berichtet, die Bundesregierung halte bei einem Sieg der Linken in Griechenland einen Austritt aus der Euro-Zone für verkraftbar. Daraufhin warf Syriza-Chef Tsipras ihr Stimmungsmache gegen seine Partei vor.

Nach Ansicht von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz stärkt die Austrittsdiskussion den Syriza-Chef. „Die Debatte und die verantwortungslosen Spekulationen über „Grexit“-Szenarien sind wenig hilfreich“, sagte der SPD-Politiker der Zeitung „Die Welt“ (Mittwoch).

„Allen muss klar sein: Ein Ausstieg aus dem Euro steht nicht zur Debatte. Unerbetene Ratschläge, die den Menschen in Griechenland das Gefühl geben, nicht sie entscheiden durch ihre Wahl über ihr Schicksal sondern Brüssel oder Berlin, treiben die Wähler womöglich gerade in die Arme der radikalen Kräfte.“

SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider hatte geschätzt, dass ein Euro-Austritt Griechenlands Deutschland 30 Milliarden Euro oder mehr kosten könnte. Die internationalen Geldgeber hätten fast 240 Milliarden an Krediten an Griechenland gegeben, um das Land zu stabilisieren und im Euro zu halten, sagte Schneider zu Wochenbeginn der Deutschen Presse-Agentur. Bei einem Umstieg auf die Drachme könne Athen das nicht zurückzahlen.

In Griechenland wird am 25. Januar gewählt. Das Land steht mit 320 Milliarden Euro bei seinen Gläubigern in der Kreide.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Kanzleramt dementiert Arbeiten an Grexit-Szenario"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja, "wir sind von gestern"!- Auf dem Weg nach Morgen wünsche ich der gesamten europäischen Jugend viel Erfolg!

  • Bloß nicht vorbereitet sein, dann könnte man ja noch was für den deutschen Steuerzahler retten. Aber das darf nicht sei, denn der derzeitige Kurs ist doch alternativlos!

  • @Herr Ragen Alraun: Würde mich interessieren wer als Wahlbeobachter fungiert. »Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten« (Walter Ulbricht).

    @aza azaziel: »Welchen Herren dient die Bundesregierung?«

    Goldman »Sucks« natürlich;–))

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%