Griechenland-Krise
Keine Milliarden aus Moskau

Alexis Tsipras holt sich eine Abfuhr nach der anderen: Aus dem russischen Milliardenkredit wird nichts. Auch die Hoffnung auf billigeres Gas hat sich zerschlagen. Nun droht auch noch eine Eiszeit mit Washington.
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Es sollte so ein schöner Tag werden: An diesem Dienstag, so hatten Athener Regierungskreise vergangene Woche Spiegel Online anvertraut, würde Griechenland gerettet – mit einem Milliardenkredit aus Russland: Fünf Milliarden Euro als Vorauszahlung für den Einstieg beim russisch-türkischen Pipelineprojekt Turkish Stream.

Die Leitung soll von Russland durchs Schwarze Meer nach Anatolien und von dort weiter über Griechenland und den Balkan nach Norditalien führen. Die Verträge würden am Dienstag unterzeichnet, hieß es. Tatsächlich kam Gazprom-Chef Alexei Miller am Dienstag nach Athen, traf sich erst mit Energieminister Panagiotis Lafazanis, um dann Premierminister Alexis Tsipras seine Aufwartung zu machen.

Doch Geld hatte der Chef des Staatskonzerns nicht dabei, als er die Stufen zum Säulenportal der Villa Maximos hinaufging, dem Amtssitz des griechischen Premiers. Miller brachte auch keinen Kreditvertrag mit, nicht mal ein Papier über eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei dem Pipelineprojekt. Die Verhandlungen dauerten noch an, teilte Energieminister Lafazanis kleinlaut mit. Sofern die Gespräche zu einem positiven Abschluss kämen, werde Griechenland „mittel- und langfristig Nutzen haben“, versprach Lafazanis.

Das klingt sehr vage. Tatsächlich wird es die geplante Pipeline von Griechenland nach Nordeuropa nur geben, wenn die Brüsseler Wettbewerbshüter zustimmen. Am Einspruch der EU scheiterte bereits das Gazprom-Projekt South Stream, eine Pipeline durch das Schwarze Meer nach Bulgarien. Nun versucht es der Staatsmonopolist Gazprom mit einer abgeänderten Route über die Türkei. Ob daraus etwas wird, steht in den Sternen.

Kein Wunder, dass Wladimir Putin jetzt, anders als in Athen erträumt, keine Milliarden-Anzahlung leistet. Nicht einmal die Hoffnung der griechischen Regierung auf einen Rabatt für die Gasrechnung hat sich bisher erfüllt – Griechenland bezieht fast zwei Drittel seiner Importe von Gazprom.

Dabei war Tsipras eigens Anfang April nach Moskau gereist, hatte dort die EU-Sanktionen pflichtschuldig scharf kritisiert, um Putin als neuen Freund und Geldgeber zu gewinnen. Doch Griechenlands Finanzprobleme sind für Russland wohl eine Nummer zu groß.

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  • Mit dem US-inszenierten Putsch vom 22. Februar 2014 in Kiew, der eine handverlesene Truppe von Kriminellen und ausgesprochen antisemitischen Neonazis wie die Swoboda-Partei, den Rechten Sektor und andere ans Ruder brachte, konnte jeder, der Augen im Kopf hat, erkennen, dass als Nächstes die NATO-Mitgliedschaft für die Ukraine kommen würde.

    Das nicht gewählte Regime in Kiew begann mit der Vorbereitung von Erlassen gegen den Gebrauch der russischen Sprache und anderen Maßnahmen gegen ethnische Russen im Land, was vor allem die Krim und die Ostukraine betraf. Washington, insbesondere Senator John McCain und die Ressortleiterin im US-Außenministerium Victoria »Fuck the EU« Nuland, spielten bei dem Februar-Putsch ganz unverhohlen eine Rolle. Der Putsch kam einen Tag nachdem Außenminister Steinmeier und die Außenminister Polens und Frankreichs einen friedlichen Kompromiss zwischen allen Parteien in Kiew ausgehandelt hatten, der einen Krieg hätte verhindern können. Kein geringerer Experte über Washington und die US-Geopolitik als George Friedman, Gründer von Stratfor, einem geopolitischen Thinktank, zu deren Kunden CIA und State Department zählen, erklärte im Dezember 2014 in einem Interview mit der russischen Zeitung Kommersant, was im Februar in der Ukraine geschehen sei, »war ein von den USA organisierter Putsch. Und es war in der Tat der eklatanteste Putsch der Geschichte«.

  • Würde Russland so wie die EU und besonders Amerika reagieren, so hätten wir den 3ten Weltkrieg vor der Türe.

    Danke an Herrn Putin, dass er sich so nicht provozieren lässt.

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