Griechenland-Krise
Können die Banken öffnen? „ Montag? Ich weiß es nicht.“

Die EZB ist sich nicht sicher, ob die Banken in Griechenland am Montag noch öffnen könnten. Sie fürchtet einen Banken-Run. Deshalb könnte es eine Aufstockung der Nothilfen für Griechenlands Banken geben.
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Berlin/LuxemburgEin Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs der Euroländer soll Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen über einen Ausweg aus der griechischen Finanzkrise bringen. EU-Ratspräsident Donald Tusk berief den Gipfel für diesen Montag (22.6.) in Brüssel ein. „Es ist Zeit, dringend über die Lage in Griechenland auf höchster politischer Ebene zu sprechen“, erklärte Tusk am Donnerstag.

Aufschluss über die angespannte Atmosphäre der Gespräche gab eine Äußerung von IWF-Chefin Christine Lagarde: „Meiner Meinung nach ist es das Dringendste, wieder zu einem Dialog mit Erwachsenen im Raum zu kommen“, sagte sie über die Verhandlungen mit der griechischen Regierung. Dijsselbloem und andere Verantwortliche forderten Athen auf, in den kommenden Tagen zusätzliche Vorschläge zu machen.

Es dürfte die letzte Möglichkeit für einen Durchbruch sein, bevor Griechenland Ende des Monats die Zahlungsunfähigkeit droht. Die Geldgeber wollen nur dann weitere Hilfsgelder freigeben, wenn Griechenland einem Reform- und Sparprogramm zustimmt. Dabei geht es um das Rentensystem, die Mehrwertsteuer und einen Haushalt mit einem Primärüberschuss, also vor Zinszahlungen und Tilgungen.

Insidern zufolge ist sich die Europäische Zentralbank (EZB) wegen des anhaltenden Abflusses von Kundengeldern nicht mehr sicher, ob die griechischen Banken am Montag noch öffnen können. Bankenkreisen zufolge zogen die griechischen Kunden allein zwischen Montag und Mittwoch rund zwei Milliarden Euro von ihren Konten ab. Bei der Sitzung fragte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem Insidern zufolge EZB-Ratsmiglied Benoit Coeure, ob die griechischen Banken am Freitag öffnen könnten. Coeure habe geantwortet: „Morgen ja. Montag - ich weiß es nicht.“ Deshalb hat der Rat der EZB Insidern zufolge für Freitag eine Telefonschaltung über eine Aufstockung der Nothilfen für Griechenlands Banken um 12 Uhr angesetzt. Der Beschluss wurde zwei mit dem Vorgang vertrauten Personen zufolge am Donnerstag gefällt, nachdem die EU-Finanzminister keine Einigung in der Schuldenkrise erzielt hatten.

„Es ist immer noch möglich, eine Abmachung zu haben“, sagte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem. Auch EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker gab sich zuversichtlich, dass bei dem Sondergipfel eine Lösung gefunden werden kann. „Ich hoffe, dass das so sein wird“, sagte er am Donnerstag in Görlitz.

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  • Griechen heben an einem Tag eine Milliarde Euro ab
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    ■ Griechenlands Banken brauchen offenbar deutlich mehr Geld als noch am Mittwoch gedacht. Allein am Donnerstag sollen über eine Milliarde Euro abgehoben worden sein.
    ■ Die EZB plant deshalb noch am Freitag eine Krisen-Telefonschaltung. Thema sollen neue Nothilfekredite für griechische Banken sein.
    ■ Insider berichten, dass innerhalb der EZB die Sorge steigt, dass die griechischen Banken kommende Woche nicht mehr öffnen können.

    Mit der nahenden Gefahr eines Staatsbankrotts heben immer mehr griechische Sparer ihr Geld von den heimischen Banken ab. Drei hochrangige Bankenvertreter sagten der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, allein am Donnerstag seien von Kunden Einlagen im Umfang von mehr als einer Milliarde Euro abgehoben worden.

    Damit hat sich das Tempo weiter beschleunigt. Von Montag bis Mittwoch waren Insidern zufolge insgesamt zwei Milliarden Euro abgezogen worden. Die allein in der laufenden Woche bereits abgeflossenen Kundengelder belaufen sich auf etwa 2,2 Prozent der von griechischen Banken Ende April gehaltenen Einlagen von Privatpersonen und Unternehmen.


    Das Geld ist nicht weg, es ist nur woanders.
    Nämlich in Berlin, Hamburg, München oder London.
    Kapitalflucht ist in Griechenland eine "olympische Disziplin".

    Die Devise lautet: "Rette sich wer kann!"

  • Hallo Frau Ludwig, Sie haben natürlich Recht damit, dass die Aussage dieses "Komitees" keinerlei völkerrechtliche Verbindlichkeit hat. Dazu müsste die griechische Regierung ein entsprechendes Schuldenmoratorium beschließen.

    Aber man kann in der Gesamtschau doch nicht ernsthaft unterstellen, dass unsere Abgeordneten unter diesen Umständen weitere Gelder an Griechenland bewilligt, die über den Rahmen humanitärer Hilfe hinaus gehen würden.

  • Alles was jetzt kommt, kann man vergessen. Wenn den Institutionen und Griechenland klar sein muss, dass ein drittes Hilfspaket mit diesem offensichtlich bewusst provokativen Verhalten von Syriza nicht realisiert werden kann, dann brauchen wir um den Rest im zweiten Hilfspaket nicht weiter zu verhandeln.

    Griechenland hat mit Syriza seine letzte Zigarre geraucht und alle warten auf den Default-Modus, der dann wieder neue Verhandlungen auf veränderter Sachlage erfordert.

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