Griechenland-Krise

Lenkt Tsipras noch ein?

Griechenland steht unmittelbar vor der Staatspleite – das Verhältnis zu den Gläubigern ist zerrüttet. Doch ein Annäherungsversuch aus Brüssel bringt den griechischen Premier ins Grübeln. Die Anleger sind noch vorsichtig.
Update: 30.06.2015 - 13:54 Uhr 65 Kommentare

Juncker hat Last-Minute-Angebot für Tsipras

Athen, BerlinPolitische Wechselbäder in Athen: Nachdem der griechische Premierminister Alexis Tsipras noch am Montagabend in einem Fernsehinterview den Gläubigern vorgeworfen hatte, sie versuchten die griechischen Banken „zu ersticken“ und dem Land „neo-koloniale Fesseln“ anzulegen, prüft Tsipras nun offenbar einen in der vergangenen Nacht in Athen eingegangenen Kompromissvorschlag von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Zunächst hatte es in griechischen Regierungskreisen geheißen, man lehne den Juncker-Voraschlag ab. Nun meldet die Zeitung „Kathimerini“ in ihrer Internetausgabe, Tsipras prüfe das Angebot Junckers. Tsipras neige zur Annahme des Vorschlags, schreibt die Zeitung, und bereite ein entsprechendes Schreiben an den Kommissionspräsidenten vor. Bestätigt ist mittlerweile ein Telefonat von Alexis Tsipras mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EZB-Präsident Mario Draghi an diesem Dienstag.

Auch an den Finanzmärkten wird über eine „Last-Minute-Lösung“ für Griechenland spekuliert. Eine Euphorie lösten die angeblich wieder aufgenommenen Gespräche an den Börsen allerdings nicht aus. Die Anleger reagierten vorsichtig. Aus Erfahrung wissen sie, dass in der Griechenland-Krise Insider-Informationen eine sehr kurz Halbwertszeit haben. Der Dax legte daher nur leicht zu. Zuletzt notierte er 0,1 Prozent fester auf 11.093 Punkten.

Treffen die Informationen der Zeitung zu, könnte es buchstäblich in letzter Minute doch noch eine Einigung geben. Am Dienstag um Mitternacht läuft das bereits zwei Mal verlängerte Rettungsprogramm für Griechenland aus. Hilfsgelder von rund 18 Milliarden Euro würden dann verfallen. Damit wäre automatisch auch der Vorschlag der Gläubiger, über den die Griechen am Sonntag in einer Volksabstimmung entscheiden sollen, vom Tisch. Tsipras fordert seine Landsleute bisher zu einem Nein bei dem Referendum auf. Davon verspricht er sich eine Stärkung seiner Verhandlungsposition gegenüber den Geldgebern.

Staatsminister Nikos Pappas, einer der engsten Vertrauten von Tsipras, dämpfte am Mittag allerdings die Hoffnungen, dass es doch noch zu einer Einigung mit den Gläubigern kommen könnte: Die Volksabstimmung werde planmäßig stattfinden, die Regierung bleibe bei ihrem Appell zu einem Nein, werde aber in der kommenden Woche nach dem Referendum zu den Verhandlungen mit den Gläubigern zurückkehren. Pappas deutete an, die Regierung habe Kenntnis von Meinungsumfragen, die auf eine Mehrheit der Nein-Stimmen hindeuten.

Was Juncker Tsipras anbot, unterscheidet sich inhaltlich jedoch nicht von dem, was schon vorher auf dem Tisch lag. Neue Zugeständnisse bei Einsparungen und Reformanforderungen machte der Kommissionschef nicht. Auch zum Thema Schuldendienst enthält das „letzte“ Angebot nichts, was über die bisherigen Zugeständnisse hinausgeht. Die Euro-Zone hatte Tsipras bereits in Aussicht gestellt, dass man im Herbst über eine Laufzeitverlängerung der Kredite reden könne.

Genau dieses Angebot wiederholte Juncker jetzt noch einmal. Der Kommissionschef versprach Tsipras für den Fall einer Einigung zudem Investitionen von 35 Milliarden Euro. Auch dieser Wachstumsplan liegt schon seit längerer Zeit in den Schubladen der EU-Kommission. Das Geld dafür stammt aus den EU-Strukturfonds im vorhandenen EU-Haushalt, zusätzliche Mittel dafür gibt es nicht.

„Wir sind weiter am Verhandlungstisch“
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65 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Lenkt Tsipras noch ein?"

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  • Die EUDSSR ante porta: Es zeigt sich ganz deutlich am Schicksal Griechenlands, einem Kernland des kulturellen Europa: Die ursprünglichen Vorstellungen vom Europa der Vaterländer, ein freiwilliger Zusammenschluss, der die jeweilige kulturelle Tradition der Einzelstaaten überarbeitet und alles ausgrenzt, was dem Kulturaustausch und der Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Entwicklung einer humanistischen Kultur in jeweils eigener Verantwortung bisher im Wege stand und Konfliktstoff der Vergangenheit war und immer noch ist mit dem Ziel: Endlich eine Versöhnung von Geist und Natur in Europa gemeinsam zu erreichen, ist endgültig gestorben. Griechenland soll die europäische Union verlassen, weil es mit der Zwangsvereinigung über eine genetisch kranke Währung nicht auskommt, was eigentlich von Anfang an, und nicht nur für Griechenland, klar war. Wer das fordert? Der Wirtschafts- und Finanzminister der Eurozone, als Group 30 Mann unbedingter Vertreter des US- Großkapitals wie Kollege Timothy Geitner, das auch weltweit weiterhin die Fäden ziehen will, Draghi, und sein Adlatus mit viel Erfahrung mit der „Steuervereinfachung“ internationalen Großkapitals, Juncker, ist dazu entschlossen: whatever it takes – es baden ja immer andere aus, insbesondere die europäische Mittel- und Unterschicht; Und die Vertreter humanistisch motivierter und deshalb notwendigerweise basisorientierter demokratischer Umgangsformen – Eine in jeder Beziehung traurige Bilanz der politischen Arbeit von 27 Jahren. In vielen europäischen Ländern sind Kräfte aufgestanden, die ein deutliches Zeichen gegen ein „weiter so“ gesetzt haben, viele haben sich schon wieder in ihre Elfenbeintürme zurückgezogen, andre formieren sie sich zurzeit noch in der Phase der Sinnfindung - dabei ist es schon 5 Minuten nach zwölf.

  • Also:
    - das kleinere Übel für "verblödetete und zurück gebliebene Vollpfosten",

    - das größere Übel für dem Esel gleiche "Untermenschen" und

    - [Frage:] für intelligente Menschen? ""in letzter Konsequenz und Not nicht vor einem blutigen Volksaufstand zurückzuschrecken"?
    und "aktiv dafür sorgen, dass die repräsentative Demokratie kompromisslos abgeschafft wird und durch die direkte Demokratie ersetzt wird."

    Und dann stimmen all die "verblödeteten und zurück gebliebenen Vollpfosten" direkt über existentiell wichtige Angelegenheiten ab. Oder muss dann jeder einen IQ Test machen, bevor er/sie/es/... an einer Volksabstimmung teilnehmen darf - wieviel würden dann nach ihren Maßstäben überhaupt noch wählen dürfen? Im Zweifelsfall sind Sie dann die einzige, die den Test zur Teilnahme bestanden hat, und können dann für ihr Vollpfosten-Volk die Entscheidungen treffen. Gut, dass Sie bescheid wissen, wo es lang geht und den anderen den Weg weisen können.

    Schöne neue Welt.
    ---
    Sie schreiben ja viele interessante Dinge, aber manchmal bleibt nur die Satire - hier, soweit ich mich erinnere, dass zweite mal, dass ich diese hier niederschreibe.
    ---
    "blutiger Volksaufstand" - selbst Marx war immer bedacht, kein unnötiges Blut zu vergießen und erst dann Waffengewalt einzusetzen, wenn Aussicht auf Erfolg besteht - und wer heutzutage in Europa die Menschen nicht mit seinen politischen Konzepten überzeugen kann, wird dauerhaft zu repressiven Mitteln greifen müssen, um die "Vollpfosten" auf Linie zu halten. Da wollen Sie doch auch nicht hin. Also bleibt nur, für Mehrheiten zu werben für ihre Ideen und Konzepten.

    P.S.: Die beiden Zitat unter [Frage:] stammen aus ihrem Kommentar - Frau Andrea Merker30.06.2015, 13:52 Uhr

  • Dies ist bei N-TV zu lesen:
    "Faktencheck zur Griechenland-Krise"Juncker hat die Unwahrheit gesagt""

    "n-tv.de: Die Gläubiger Griechenlands haben von einem großzügigen Angebot gesprochen. Ist es das wirklich?

    Sven Giegold: Das Angebot war nicht großzügig. Die Geschichte vom großzügigen Angebot der Gläubiger ist Augenwischerei. Großzügig wäre es nur gewesen, wenn wirklich eine Lösung für das griechische Dilemma vorgeschlagen worden wäre. Es gab aber keinen Vorschlag für zusätzliche Investitionen, es gab keinen Vorschlag zur Lösung der Altschuldenprobleme. Stattdessen enthält das Paket eine neue Welle der gescheiterten Austeritätsmaßnahmen."

    http://www.n-tv.de/politik/Juncker-hat-die-Unwahrheit-gesagt-article15408656.html

    Lügt Juncker schon wieder, dann ist er nicht mehr haltbar, sofern das EU-Parlament nicht aus gleichem Holz geschnitzt ist. Dafür spricht jedoch einiges.

  • Übrigens, solange der IWF auf die Rückzahlung seiner bereits gestreckten Kredite wartet, dürfte überhaupt keine Diskussion über weitere Hilfen stattfinden!

  • Athen bittet um drittes Hilfspaket... Dass die Euro-Gruppe sich damit überhaupt auseinandersetzt ist lächerlich genug. Es geht doch wieder nur darum, Geld ohne Gegenleistung zu bekommen. Wie kann man sich nur von einem Zocker wie Tsipras so einlullen lassen!

  • Also darauf, dass Griechenland die Südostflanke verteidigt, würde ich mich nicht verlassen...

  • @Rimmele
    Dann schauen wir uns Juncker an und mit ihren Worten sieht er wie ein Falschspieler aus, und ich sage , er ist einer...besser unverschämter verwegener als Tsipras.
    Ich gebe Tsipras trotzdem die besseren Noten, weil er
    1) legal gewählt ist
    2) der Troika und damit Juncker die Maske vom Gesicht reisst, warum GR da hinein gezogen wurde

  • @Conconi: So können nur Sozialisten denken, völlig realitätsfern.
    Die Worte: "Wettbewerb" und "Wettbewerbsvorteil", "Alleinstellungsmerkmal" kann nun mal nicht jedes Land für sich in Anspruch nehmen ... und wer nicht mithält, muss den Gürtel eben enger schnallen ... alles andere ist und bleibt sch ... Sozialismus.

    Und leider verkommt die EU, insb, durch die kranke Konstruktion EUR, zur EUdSSR. Mag man vielleicht nicht gerne hören, ist aber trotzdem wahr!

  • @Michael Conconi
    Die Produkte werden gekauft, weil Bedarf besteht und weil sie gut sind.
    Wenn die Griechen was drauf hätten, würden sie vielleicht mal etwas
    selber produzieren, aber das bedeutet arbeiten.
    Man kann sich nur kaufen was man sich leisten und bezahlen kann.
    Nicht auf pump kaufen und denken alle Andren sind blöd, nur die Griechen nicht.
    Schaut doch euren Tsipras an, dem schaut doch die Verwegenheit und Dreistigkeit
    aus seiner verschrobenen Birne.

  • Die gesamten Schulden von Griechenland aufgeteilt im Euroraum hieße für Deutschland die eigenen Schulden um ca. 100 Mrd. Euro auf dann ca. 2.300 Mrd. Euro aufzustocken. Das sind doch Peanuts auf dem nationalen Bierdeckel, die Party kann weiter gehen. Ja, okay ihr müsst euch noch mehr bescheiden und den Gürtel in Zukunft enger schnallen. Aber wir sind doch die totalen Gutmenschen, gönnen wir den Griechen doch den kräftigen Schluck aus der Pulle, lasst sie weiter den Sirtaki tanzen.

    Ja, okay andere Eurostaaten können dann bald auch nicht mehr und brauchen dann ebenfalls Hilfe. Das eine oder andere Geberland wird sich eventuell aus dem Euroraum, vielleicht sogar aus der EU verabschieden und unser Beitrag wird noch größer werden. Egal, wir haben es doch noch und unsere liebe Frau Merkel kann weitere Freirunden spendieren. Ja, okay eure Altersvorsorge und ein paar andere Kleinigkeiten müssen wohl geopfert werden, aber wir haben doch alle ein so gutes Herz, mir kommen immer die Tränen, wenn ich die langen Schlangen an griechischen Geldautomaten sehe.
    Ach so, reiche Griechen kaufen sehr gerne in Deutschland Immobilien ein und ihr müsst nun höhere Mieten bezahlen. Ja das musst Du doch verstehen, die wollen auch nur ein schönes Leben haben, also wirklich man kann doch wohl ein bisschen mehr Verständnis von Dir deutschem Proleten verlangen. Mal wieder typisch, einfach unmöglich diese deutsche Denkweise! Hey, bist Du vielleicht ein Nazi?! Pass bloß auf Du!!!

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