Griechenland-Krise
Merkel und Sarkozy rufen IWF zu Hilfe

In die Debatte um Finanzilfen für Griechenland kommt Bewegung. Ein Kompromiss noch vor Beginn des EU-Gipfels am Donnerstag rückt in Reichweite. Vor allem Frankreich und Deutschland versuchen in einer gemeinsamen Initiative eine Lösung zu finden. Die Griechen geben sich zuversichtlich.
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BRÜSSEL. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy wollen den Konflikt um Finanzhilfen für Griechenland unbedingt noch vor dem EU-Gipfel am Donnerstag beilegen. Die Arbeiten an einem deutsch-französischen Kompromisspapier sei in vollem Gange, hieß es in französischen Regierungskreisen.

Merkel und Sarkozy haben sich offenbar bereits grundsätzlich darauf verständigt, Griechenland erst einmal an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu verweisen. Im Notfall könne der IWF den Griechen eine Finanzspritze geben, sagte Merkel nach Angaben von Teilnehmern vor der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Diese solle durch freiwillige bilaterale Kredite einiger EU-Staaten ergänzt werden.

Frankreich, aber auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatten sich lange gegen finanzielle Hilfen des IWF an ein Land des Euro-Raums gewehrt. „Dass ein Währungsgebiet Probleme eines Teils ihres Währungsraums über den IWF löst, kann und darf nur eine Ausnahme sein“, hob der CDU-Politiker im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hervor. Europa brauche schärfere Instrumente. Die Reihenfolge ist nach Schäubles Worten nicht verhandelbar: „Erst nach einer deutlichen Verschärfung kann ein Fonds in Frage kommen, nicht davor oder anstatt.“

Jedwede Hilfe für Griechenland ist auch für die Kanzlerin nur die „ultima ratio“ für den Fall, dass Griechenland seine Anleihen an den Finanzmärkten nicht mehr platzieren könne, hieß es in Unionskreisen. Merkel bleibt bei ihrem Nein zu einem System bilateraler Kredite der Euro-Zone für Griechenland. EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hatte mehrfach angemahnt, ein solchen Finanzierungsmechanismus für Griechenland beim bevorstehenden Gipfel zu beschließen.

Damit stößt Barroso allerdings mittlerweile nicht nur bei Merkel, sondern auch bei Sarkozy auf taube Ohren. Deutschland und Frankreich würden gemeinsam mit dem IWF an einem Kompromiss arbeiten, hieß es in französischen Regierungskreisen. Sarkozy sei es aber wichtig, dass Europa die Führungsrolle in den Rettungsbemühungen behält, hieß es im Elysée-Palast. „Der Präsident ist der Ansicht, dass Europa Herr seines Schicksals bleiben muss“, sagte ein Berater. Und: Man hoffe, gemeinsam mit Deutschland noch vor dem Gipfel ein gemeinsames Papier dazu vorlegen zu können. Sarkozy wolle es keinesfalls auf eine Konfrontation mit Merkel beim bevorstehenden Gipfel ankommen lassen, hieß es in Paris. Dort wurde auch darauf verwiesen, dass mit Finanzministerin Christine Lagarde am Mittwoch kommender Woche erstmals ein französisches Regierungsmitglied an einer deutschen Kabinettssitzung teilnehme. Dies unterstreiche die enge deutsch-französische Zusammenarbeit und den beiderseitigen Willen zum Konsens.

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  • @ Morchel, der KdF-Wagen haette weiland lediglich 999 RM gekostet, oder war Opa damals schon einer dieser Großkopferten und wollte gleich drei Stueck? Dann wundert mich aber etwas seine Einberufung.........

  • Die Politik weltweit, richtet sich nach den Ängesten der Finanzmärkte. Merkt denn nemand, was dieser Satz eigentlich bedeutet?

    Die Welt richtet sich nach dem Geld. Die Welt tanzt nach der Pfeife des Geldes. Politik für den Menschen? Fehlanzeige. Der tanz um das goldenen Kalb wird auch noch zugegeben.

  • Warum tut sich Deutschland bei der Hilfe so schwer?

    Weil wir die Nase voll haben. Weil wir eigene schwere Problemen haben. Weil auch wir kein Geld haben. Weil auch wir Armut und Not haben. Weil wir keine betrüger belohnen wollen. Weil ..... es reicht. Raus aus dieser EU !!!

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