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Griechenland-Krise: Ökonomen kritisieren Hilfszusage der EU scharf

Führende Ökonomen haben die EU-Hilfszusagen für Griechenland scharf kritisiert. „Dadurch gerät das ganze Gebäude in Schieflage“, sagte Wirtschaftswissenschaftler Otmar Issing und sprach sich für mehr Härte gegenüber Defizisündern aus. Auch die deutsche Bevölkerung hält nichts von einem Hilfsprogramm für Hellas – 53 Prozent wollen die Griechen sogar aus der Euro-Zone ausschließen.

Ökonom Issing: Griechenland-Hilfe bringt ganzes Gebäude in Schieflage. Quelle: ap
Ökonom Issing: Griechenland-Hilfe bringt ganzes Gebäude in Schieflage. Quelle: ap

HB BRÜSSEL. Nach den EU-Staats- und Regierungschefs werden die Euro-Finanzminister am Montag in Brüssel über das Sicherungsnetz für das hoch verschuldete Griechenland sprechen. Die 16 Länder mit Euro-Währung wollen koordiniert vorgehen, falls ihr schwächstes Mitglied Griechenland in einem Notfall seine Schulden nicht mehr bezahlen kann. Wie konkret geholfen werden könnte, ist bisher nicht bekannt. Im Gespräch sind bilaterale Kredite oder der Aufkauf von griechischen Staatsanleihen, falls diese nicht mehr von den Finanzmärkten aufgenommen werden sollten. Ob die Minister schon zu Ergebnissen kommen, gilt als offen.

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Den Kapitalmärkten fehlt bisher Klarheit, wie die von Europa zugesagte Hilfe aussehen könnte. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatte am vergangenen Donnerstag eine bisher beispiellose Erklärung verabschiedet, wonach Athen im Falle eine akuten Finanzkrise unter die Arme gegriffen werden soll.

Führende Wirtschaftswissenschaftler haben diese Zusage scharf kritisiert. „Dadurch gerät das ganze Gebäude in Schieflage“, sagte der langjährige Chefökonom der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, der „Welt am Sonntag“. Griechenland müsse sich selbst helfen. Er verwies unter anderem auf das großzügige griechische Rentensystem: „Es kann doch nicht angehen, dass man Hilfe von außen in Anspruch nimmt, um so etwas weiterbetreiben zu können.“

Einer Nothilfe zugunsten Griechenland steht Artikel 125 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) entgegen. Der besagt, dass die europäischen Staaten auch in der Währungsunion nicht füreinander haften oder einstehen. Ohne die Zusage, dass mit der Währungs- nicht auch eine Transferunion entsteht, hätte zumindest in Deutschland die öffentliche Meinung die Einführung des Euro niemals hingenommen, sagte der Würzburger Ökonom Norbert Berthold. „Artikel 125 verträgt keine Kompromisse“, glaubt auch Otmar Issing. „Wenn man die Regel einmal verletzt, bricht ein Damm, und es gibt kein Halten mehr“, sagte er mit Blick auf die angespannte Lage auch in Ländern wie Spanien oder Portugal.

Eine Mehrheit der Bundesbürger plädiert derweil für einen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone, wenn dessen Verschuldung die Stabilität der Gemeinschaftswährung gefährden sollte. In einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag der „Bild am Sonntag“ sprachen sich 53 Prozent dafür aus. 38 Prozent lehnen diesen Schritt ab. Noch deutlicher ist mit 67 Prozent die Mehrheit, die sich gegen Finanzhilfen aus Deutschland und anderen EU-Staaten ausspricht.

Der Vorsitzende der Ministerrunde, Luxemburgs Premier- und Schatzminister Jean-Claude Juncker, räumte Fehler der sogenannten Euro-Gruppe ein. „Wir betrachten die mangelnde Beschäftigung mit der griechischen Lage als mittelmäßig schweren Unterlassungsfehler“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). Die Euro-Gruppe werde sich künftig viel intensiver mit der Wettbewerbsfähigkeit der Länder beschäftigen. Der dienstälteste Regierungschef der EU forderte angesichts der falschen Angaben, die Griechenland in Brüssel gemacht hat, die europäische Statistikbehörde Eurostat müsse Zugriffsrecht auf nationale Daten erhalten. Die Kommission will bald einen Vorschlag für mehr Eurostat-Rechte machte. Ein erster Vorstoß war vor fünf Jahren am Widerstand von Mitgliedstaaten gescheitert.

Einen Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone lehnte Juncker ab. Dies hätte „erdbebenartige, unkontrollierbare Folgen“ und würde Griechenland in die Nähe des Staatsbankrotts bringen. „Die Finanzmärkte würden extensiv negativ reagieren. Der Ausstieg wäre das totale Aus für Griechenland.“ Auch für das Image der Euro-Zone wäre das absolut negativ. Wie von der Kommission vorgeschlagen, wollen die EU-Finanzminister am Dienstag das Defizitstrafverfahren gegen Athen verschärfen.

Griechenlands Haushaltspolitik wird damit in bisher ungekannter Weise unter strenge Aufsicht gestellt; das Mittelmeerland muss bis 2012 seine Neuverschuldung unter die erlaubte Marke von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts drücken. 2009 hatte die Neuverschuldung in Griechenland das Rekordniveau von 12,7 Prozent des BIP erreicht. In diesem Jahr hat Athen das ehrgeizige Ziel, durch scharfe Einschnitte ins Sozialsystem, Lohnkürzungen und Steuererhöhungen das Defizit um vier Prozentpunkte zu senken.

  • 15.02.2010, 08:22 UhrAnonymer Benutzer: 3 Affen

    Kann mir nochmal jemand die Vorteile der Währungsunion und der EU Osterweiterung nennen? ich hab´s vergessen....

  • 14.02.2010, 20:12 UhrAnonymer Benutzer: Alfons Wöhrl

    Griechenland hat die Ländern der Eurozone vorsätzlich betrogen und die Gefährdung der Eurostabilität verursacht. Es hat wieder bewiesen, daß es nicht am Ordnungssystem Europas teilhaben will. Griechenland hat sich bereits bis heute einer europäischen Lösung der Zypernfrage verweigert. Griechenland soll deshalb aus der Eurozone entfernt werden. Die Mehrheit der bürger sehen das auch so. Die Europäische Kommission und das Europäische Parlament sollten die Mehrheit der bürger ernst nehmen.

  • 14.02.2010, 17:27 UhrAnonymer Benutzer: no.7

    Daß wir die Griechen rentenmäßig durchfüttern, das fehlt ja gerade noch. ein dominostein nach dem anderen wird nun fallen, und in 2 Jahren ist deutschland in derselben Lage wie griechenland jetzt. So langsam dämmert es den "Helden" Steinbrück und Merkel, daß es billiger Schuldenmurks war, was sie uns als "geniales krisenmanagement" verkauft haben. Was hat sie gesagt, als es vor gut einem Jahr darum ging, mit "Konjunkturpaketen" Milliarden zu verprassen ?
    "Wir müssen handeln" -Und jetzt, wie müssen Sie jetzt handeln ??
    Die Schuldenorgien brachten kaum was, Europa steht praktisch vor der nächsten Rezession und vor dem totalen finanzdesaster. Grund ist der weitverbreitete liederliche stimmenkauf durch Sozialleistungen und das chronische Leben über die Verhältnisse, und es braucht sich in deutschland niemand einbilden, das könne bei uns ja nie so kommen wie bei den Griechen. genauso wird es kommen !Das ist eben das ergebnis wenn Schuldenmacher das regiment haben. Jetzt seht nur zu wie ihrs in Ordnung bringt ! ihr habt doch laut wahlkampfaussage die Kraft und die Fähigkeit, nicht ?

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