Griechenland-Krise

Premier Papandreou will Macht teilen

Griechenland muss sparen, um die Pleite zu verhindern - doch die Griechen wollen das nicht wahrhaben. In Athen demonstrieren Zehntausende: Griechenlands Premier Papandreou steht vor einer historischen Entscheidung.
Update: 15.06.2011 - 18:34 Uhr 27 Kommentare

Papandreou bietet Rücktritt an

AthenIn Griechenland bahnt sich ein Regierungswechsel an. Konfrontiert mit militanten Massenprotesten gegen seinen Sparkurs und einer zunehmend desolaten Finanzlage ist der sozialistische Ministerpräsident Giorgos Papandreou offenbar bereit, auf sein Amt als Regierungschef zu verzichten.

Papandreou habe in Telefongesprächen mit den Vorsitzenden der anderen Parlamentsparteien die Bildung einer „Regierung der nationalen Einheit“ vorgeschlagen, hieß es gestern in Regierungskreisen. Ihr sollen Politiker mehrerer Parlamentsparteien, aber auch überparteiliche Persönlichkeiten angehören.

Falls es zur Bildung einer solchen Regierung komme, werde Papandreou möglicherweise auf das Amt des Regierungschefs verzichten, hieß es. Papandreou selbst wollte sich am Abend in einer Fernsehansprache äußern.

Ein Vertreter der griechischen Opposition hat bestätigt, dass Papandreou mit dem Parteichef der Konservativen über eine Machtteilung verhandelt. Demnach traf sich Papandreou am Mittwoch bereits mit Samaras zu einem Gespräch über die mögliche Bildung einer großen Koalition, wie der staatliche Fernsehsender NET berichtete.

Unklar blieb, ob Papandreou oder vielmehr Samaras die Bildung einer Übergangsregierung aus Technokraten vorschlug. In den Gesprächen mit Oppositionsführer Antonis Samaras werde die Möglichkeit der Bildung einer großen Koalition ausgelotet, hieß es am frühen Mittwochabend.

Einer Übergangsregierung sollen Politiker mehrerer Parlamentsparteien, aber auch überparteiliche Persönlichkeiten angehören. Sie könnte etwa ein Jahr lang amtieren, in dieser Zeit die Verhandlungen über ein tragfähiges Rettungskonzept für Griechenland abschließen und versuchen, den bereits wieder aus dem Ruder laufenden Haushalt ins Lot zu bringen. In den ersten fünf Monaten 2011 klafft im Etat bereits wieder eine Deckungslücke von 3,2 Milliarden Euro.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters forderte die Oppositionspartei Nea Dimokratia Papandreous Rücktritt. Der Premier solle einem Nachfolger Platz machen, der allgemein akzeptiert sei, hieß es in Kreisen der konservativen Oppositionspartei. Dies habe Parteichef Antonis Samaras von dem Ministerpräsidenten gefordert.

Proteste legen das Land weitgehend lahm
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27 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Papandreou will die Macht teilen"

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  • und man versteht nicht unbedingt, weshalb finanz-zocker die welt rulen wollen.
    Jedoch: sie tuns und den dritten WK werden die nichtmal kapieren.

    vermutlich ist ein handgefertigter Jensen mehr wert als der Weltfrieden.

    so what

  • Der Fisch stinkt immer vom Kopf ausgehend!
    Und ich kann mir absolut nicht vorstellen, warum ein Ministerpräsident, der für die katastrophalen finanzpolitischen Verfehlungen und absurden sozialen Benefiz' mitverantwortlich ist, fähig sein soll, die Karre aus dem Dreck zu ziehen.

  • Der Knaxus fallus ist meiner Meinung nach,daß jeder Politiker alles unbedingt in seiner Amtszeit machen will,vereinigtes Europa,gemeinsame Währung,Weltfrieden,
    alle Menschen sind Brüder und all dieses Zeugs.
    Da geraten die so in einen Rausch wie ein Drogensüchtiger.Nur das der sein eigenes Geld aufbringen muß um auf`n Trip zu gehen.
    Wenn die mal endlich anständige Berater hätten,die
    sich auch mal trauen auf die Bremse zu treten,und in den Arsch ihrer Chefs.Aber dazu hat keiner mehr den Mut.
    Lafontaine war so einer der die ungebremste Ausbeutung der Arbeiter zugunsten der fixen Ideen nicht mitmachen wollte.
    Jetzt wird er fertiggemach von staatstragenden Medien.Alle diese Penner suchen dann nach Schuldigen.
    Das wird lustig.

  • "...„Ich habe keine Schulden gemacht - warum soll ich jetzt bezahlen?“, sagte die 29-jährige Verkäuferin Dimitra Donta, die mit einer griechischen Nationalflagge an der Protestkundgebung teilnahm. So denken viele Griechen."

    Das mag sogar stimmen, aber damit machen es sich die Griechen etwas zu leicht. Was haben die Griechen denn seit der Euro-Einführung unternommen, damit keine neuen Schulden gemacht werden? Haben sie einen Generalstreik hingelegt, als jede Regierung nach der Wahl neue Arbeitsplätze im ÖD geschaffen hat oder als die Gewerkschaften Lohnerhöhungen über dem Produktivitätszuwachs erstritten haben? Wurde jemals ein Generalstreik hingelegt, um die Steuererhebung in GR zu verbessern oder das Frührentenunwesen einzudämmen?

    Das alles hätten sie machen können, um rechtzeitig ihr Land zu reformieren. Jetzt haben sie die Quittung und suchen die Schuld ausgerechnet in der Demokratie, bei Deutschland, dem IWF oder sonstwem.

  • Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Wenn Griechenland weiterhin diese unsägliche Austeritätspolitik befolgt, geht es mit Sicherheit bankrott. Auch der vorliegende Artikel ist in seinen Prämissen völliger Unsinn. Die neoliberale Sicht auf Ökonomische Zusammenhänge ist völlig Blind gegenüber gesammtwirtschaftlichen Zusammenhängen, sogenannten "real terms", die es nahelegen auf das Ganze zu sehen. Eine einzige Aktion hat volkswirtschaftlich unzählige Folgewirkungen. Das Sparen separat von dem zu sehen, was es alles bewirkt ist ökonomisch unsinnig. Dass dennoch so gedacht wird, ist dramatisch und bringt ganze Volkswirtschaften ins Straucheln. Nicht nur um Schaden der europäischen Gemeinschaft, sondern der gesamten Welt.

  • Ganz genau!Ich beobachte schon seit langem,daß im Fernsehsender Arte in übertriebener Häufigkeit über die Deutschen,ihrer Kultur und ihrer Vergangenheit negativ berichtet wird.Wieso?Doch wohl nur um für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein oder was soll das?
    Eine vielgepriesene Völkerfreundschaft sieht jedenfalls anders aus.

  • Europa war und ist keine Ehe: weißgott kein Konkubinat.

    Wie dumm europäische Kobattanden agieren können ist offensichtlich.

    Um im Bild zu bleiben:
    die eigene Hütte anzuzuünden, um die Feuerwehr zu rufen, weil mein Nachbar vermutlich auch so ein Hüttenanzünder war - das, junger Freund, können nur Europäer.

  • Die einst europäische Idee ist doch völlig zerstört worden. Hieer hat auch Kohl seinen Anteil, denn die Zerstörung begann in den 90iger Jahren schon
    Das größe Schurkenstück war dann noch der Euro.
    Und unsre kriminellen und nichtsnutzigen Politiker begreifen offenbar immer noch nicht, dass sie gerade dabei sind, ganz Europa in Unfrieden zu stürzen.
    Flankiert von den vielen selbst ernannten "Experten" machen sie auf ihrem Zerstörungsweg weiter.
    Es kann nur heißen: 1.) raus aus dem Euro,
    2.) die Kapitalisten wieder etwas an die Kette legen. Die Gier muß beendet werden, zum Wohle des Landes und Allgemeinswohls
    Gräfin Dönhoff schrieb schon vor Jahren ihr Buch "zähmt den Kapitalismus"
    Robert Reich, der große Politik-Prof in den USA beschreibt in seinem Buch "Super Kapitalismus", wie die Wirtschaft die Demokratie untergräbt
    Es gibt doch Warnungen genug.
    Wann begreifen das unsere selbstverliebten Politiker?

  • Die Griechen wissen, dass es gespart werden muss und es wird bereits eisern gespart.
    Das Volk hat allerdings seine Grenzen beim Sparen schon laengst erreicht.
    Die Summe, die jetzt durch zusaetzlichen Massnahmen gespart werden soll, ist gleich hoch mit den Verlusten, die Staatlich Kontrollierte Unternehmen erwirtschaften.

    Das Volk will DIESE Verluste nicht tragen. Die Sanierung dieser Unternehmen ist fehlgeschlagen. Diese Unternehmen sind aber jene ueber die, alle diese Politiker gewaehlt werden. Das sind jene Unternehmen bei den sie - die Politiker - arbeitslose unterbringen und sinnlos beschaeftigen anstatt diese Gelder in Wachstum der realen Wirtschaft zu investieren. Denn NUR das ist die wirkliche Loesung der Probleme Griechenlands.
    Die Griechen protestieren genau DAGEGEN und das rechtens. Denn es kann nicht sein, dass das Volk spart, der Staat aber nicht. Dagegen protestieren die Griechen.

  • Weil die Griechen nicht dumm sind.
    Mit was für einer Absicht haben die denn damals betrogen
    um in den Euro zu kommen?Doch nur weil jeder wußte daß das nicht lange geht was die da an Staatsgebilde aufgebaut haben.
    Man sollte die gemeinsame unsichtbare Absicht einer Volksgruppe nicht unterschätzen auch ohne das klare Worte gesprochen werden.Die wissen ganz genau das in Resteuropa die Gutmenschen am Ruder sind,die lieber das eigene Volk in Ketten legen,als vor der internationalen Bühne als Buhmänner dazustehen.
    Bei den nächsten Wahlen in Deutschland oder anderswo wo dann die Rechtsnationalen ans Ruder kommen haben die dann den schwarzen Peter,mit Hilfe der Medien natürlich.

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