Griechenland-Krise
Rettung in letzter Minute

Kurz vor Torschluss kommt die überraschende Wende: Griechenlands Premier Tsipras gab seine Blockadehaltung auf und ging auf seine internationalen Geldgeber zu. Ein schwieriger - aber machbarer - Endspurt steht an.
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BrüsselTausend mal diskutiert, tausend mal ist nichts passiert. Tausend und eine Nacht – und dann hat’s Zoom gemacht. Auf den kurzen Nenner lässt sich die jüngste Wendung in den Verhandlungen der Euro-Zone mit Griechenland bringen. Tausend Nächte sind zwar noch nicht vergangen seit dem Wahlsieg der linkspopulistischen Syriza, doch immerhin fünf ungenutzte Monate. Die griechische Regierung entfernte sich in dieser Zeit immer mehr von ihren Geldgebern, fast wäre es zum endgültigen Bruch mit der Euro-Zone gekommen.

Doch dann – kurz vor Toresschluss - die überraschende Kehrtwende: In der Nacht von Sonntag auf Montag hat es Zoom gemacht. Griechenlands Premier Alexis Tsipras gab seine Blockadehaltung auf und ging auf seine internationalen Geldgeber zu – und das auch noch in Riesenschritten. Das jüngste griechische Angebot enthält im wesentlichen alle Reformen und Sparmaßnahmen, die der IWF und die Euro-Zone vorher immer wieder vergeblich angemahnt hatten. Tsipras ist plötzlich bereit, die Frühverrentung zu stoppen, das Rentenalter auf 67 Jahre aufzustocken, die Mehrwertsteuer zu erhöhen, neue Luxussteuern zu erheben und die Privatisierungen voranzutreiben. „Die griechischen Vorschläge sind ein guter Ausgangspunkt“, lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Euro-Sondergipfel am Montagabend.

Den „Graxident“ abgewendet?

EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte das Treffen einberufen, „um das Schlimmste“, nämlich einen chaotischen „Graxident“ zu verhindern. Das könnte dem ehemaligen polnischen Ministerpräsidenten jetzt tatsächlich gelingen. Vorher müssen die Griechenland-Retter allerdings noch eine sehr anstrengende Woche hinter sich bringen. Die Unterhändler von IWF und Euro-Zone stehen jetzt unter höchstem Zeitdruck. Bis Mittwoch müssen sie mit den griechischen Regierungsvertretern eine Kreditvereinbarung aushandeln. Das sogenannte „staff level agreement“ soll schon am Mittwoch stehen und am Abend desselben Tages von der Eurogruppe beschlossen werden.

Am Donnerstag würden die Euro-Regierungschefs der Vereinbarung dann ihren Segen geben am Rande des dann stattfindenden regulären EU-Gipfels in Brüssel. Nötig ist zudem ein griechischer Parlamentsbeschluss. Die Abgeordneten in Athen müssen nicht nur die Vereinbarung billigen, sondern auch erste unpopuläre Reformbeschlüsse fassen. Erst wenn das geschehen ist, kann der Deutsche Bundestag zustimmen. Das dürfte Anfang kommender Woche der Fall sein.

Nur wenn das alles binnen einer Woche gelingt, können die Euro-Zone und der IWF Griechenland den Restbetrag von 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Hilfsprogramm auszahlen und so die Staatspleite abwenden. Griechenland und seine Geldgeber haben also noch eine schwierige Wegstrecke vor sich. Wenn alle guten Willen zeigen, sollte sie aber zu bewältigen sein.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Rettung in letzter Minute"

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  • >>Die Welt wird nicht bedroht von Menschen die Böse sind, sondern von Menschen, die das Böse zulassen <<

    Was werden Kritiker dieser Politik beschimpft oder bekämpft, als Europa-Gegner, als Rechtsradikale.....u.s.w. !
    Aber, ist das eine europafreundliche Politik, die wir seit Jahren miterleben müssen ?
    Schade, das 21. Jahrhundert war bisher in vielen Bereichen ein Rückschritt !!!

  • die "Vorschläge", so sie denn durchgeführt würden, werden nichts zur wirtschaftlichen Verbesserung der Lage Griechenlands beitragen. Sie dienen den Europolitikern nur als Alibi, um weitere Zahlungen durchzuwinken. Die noch ausstehenden 7,2 Mrd. sind doch schon lange verpulvert. Dann steht das nächste Hilfsprogramm an. Bin mal gespannt, wie das dann begründet wird. Das Problem wird uns noch so lange begleiten, bis der Euro auseinander bricht. Was uns das dann kostet, kann man genauso wenig vorher sagen, wie die Kosten eines Grexits. Das wird aber erst passieren, wenn die Kredite vom IWF auf die europäischen Institutionen übertragen sind. Leider wird mit dieser Politik auch die europäische Einigung aufs Spiel gesetzt.

  • @ Herr Billyjo Zanker

    >>denn die haben sich durch betrügerische Zahlenspielereien die Mitgliedschaft in EU und EURO erschlichen. >>

    Wenn es BETRÜGER gibt, gibt es auch immer welche, die SICH BETRÜGEN lassen !

    Die Betrüger und Betrogenen haben die gleiche Schuld, zumal die Betrogenen immer wußten, dass man sie betrügt !

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