Griechenland-Krise
Richtungsentscheidung steht kurz bevor

Griechenland hat eine weitere Frist für die Rückzahlung von IWF-Zinsen eingehalten. Politiker stehen den Verhandlungen über neue Hilfskredite skeptisch gegenüber. Einen „Freifahrtschein“ soll es für Athen nicht geben.
  • 0

Athen/Brüssel/BerlinGriechenland hat fristgemäß Zinsen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) gezahlt. Es ging um eine Summe von 186,3 Millionen Euro. Das berichtete der staatliche griechische Rundfunk (ERT) unter Berufung auf einen Sprecher des IWF in Washington am Freitagmorgen. Die nächste Tranche, die Griechenland an den IWF zahlen muss, ist am 4. September fällig. Dann geht es um gut 307 Millionen Euro.

Bei den Verhandlungen Athens mit den Gläubigern über die Bedingungen für neue Hilfskredite sollte es am Freitag um den Mindestlohn sowie mögliche Fehlbeträge im Haushalt gehen. Das teilte das griechische Finanzministerium mit. Die Gespräche sollten auch am Samstag weitergehen, hieß es.

Eine maßgebliche Reform ist die Sanierung des griechischen Bankensystems. Dabei sollen kleine Genossenschaftsinstitute nach dem Willen Athens nicht außen vor bleiben. Vielmehr sollten auch sie gestärkt werden und an der Rekapitalisierung teilnehmen, erklärte Finanzminister Euklid Tsakalotos am Freitag. Bankenaufseher bereiten sich gerade darauf vor, den Kapitalbedarf der griechischen Finanzbranche zu ermitteln. Sie ist durch die Schuldenkrise stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die internationalen Gläubiger des hoch verschuldeten Euro-Landes gehen davon aus, dass die Geldhäuser insgesamt 10 bis 25 Milliarden Euro benötigen.

Die Bundesregierung betrachtet den bisherigen Verhandlungsverlauf Koalitionskreisen zufolge allerdings noch mit Skepsis. Nach Angaben aus EU-Kreisen soll immerhin bis Anfang nächster Woche feststehen, ob rechtzeitig vor dem 20. August eine Einigung erzielt werden kann. Wenn nicht, müssten schnell die Vorbereitungen für eine weitere Brückenfinanzierung vorangetrieben werden, da für Athen am 20. August eine Rückzahlung von 3,2 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) ansteht.

Gelingt die Einigung über das Hilfspaket von bis zu 86 Milliarden Euro, so könnte das Land daraus Kreditrückzahlungen an die Europäische Zentralbank von 3,2 Milliarden Euro leisten, die am 20. August fällig werden. Andernfalls müssten die Partner dem Land, wie schon Mitte Juli, Überbrückungshilfen geben, damit es seinen Zahlungspflichten nachkommen kann.

Mitte der Woche hatte ein Sprecher des Finanzministeriums noch auf eine etliche offene Punkte in den Verhandlungen verwiesen. Ob eine Brückenfinanzierung nötig werde, hatte er auf Nachfrage offengelassen. Erst einmal müssten die Verhandlungen abgeschlossen werden.

Seite 1:

Richtungsentscheidung steht kurz bevor

Seite 2:

Verbraucherpreise fallen zum 29. Mal in Folge

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Richtungsentscheidung steht kurz bevor"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%