Griechenland-Krise
Schlussakt mit Tsipras

Es ist der Höhepunkt des griechischen Dramas: Finanzminister Varoufakis enttäuschte am Donnerstag die Euro-Finanzminister. Nun ist der Regierungschef Tsipras am Zug. Er kann sein Land noch vor einer Katastrophe bewahren.
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LuxemburgIst Griechenland verloren? Am Donnerstagabend in Luxemburg sah es ganz danach aus. Für den griechischen Finanzminister war es die letzte Chance, die ausgestreckte Hand seiner europäischen Partner noch zu ergreifen.
Die Euro-Gruppe war bereit, das Hilfsprogramm für Hellas bis Jahresende zu verlängern und die im Sommer anstehenden Zahlungen an den IWF und die EZB zu übernehmen. Yanis Varoufakis hätte seinen Amtskollegen nur ein kleines Stück entgegenkommen und Reformbereitschaft bei Renten und Mehrwertsteuer signalisieren müssen. Doch der Grieche dachte gar nicht daran.

Varoufakis hat sich selbst ausmanövriert. Es dürfte seine letzte Eurogruppen-Sitzung gewesen sein. Der Ökonom, der geglaubt hatte, dem Rest der Euro-Zone seine Vorstellungen von Wirtschaftspolitik aufzwingen zu können, ist aus dem Spiel. Nun übernimmt der Regierungschef: Alexis Tsipras hat es jetzt in der Hand. Er allein kann sein Land noch vor der totalen ökonomischen Katastrophe bewahren. Denn genau darum geht es für Griechenland.

Die Volkswirtschaft und die Banken werden endgültig zusammenbrechen, wenn Tsipras die Staatspleite in Kauf nimmt. Das bedeutet: galoppierende Inflation, Massenarbeitslosigkeit, Verarmung, Hunger.

All das kann Tsipras seinem Volk ersparen, wenn er beim Euro-Sondergipfel endlich einlenkt. Viel spricht dafür, dass er es tun wird. Schließlich geht es für Tsipras auch um das eigene politische Überleben. Die überwältigende Mehrheit der Griechen will den Euro behalten. Wie lange wird Tsipras Griechenland noch regieren können, wenn er diesen Wunsch ignoriert?

Es kann daher sein, dass die Karten im Pokerspiel zwischen Griechenland und den anderen Euro-Staaten beim Gipfeltreffen am Montag noch einmal ganz neu gemischt werden. Tsipras hat erreicht, was er von Anfang an wollte: Er hat die anderen Euro-Regierungschefs an den Verhandlungstisch gezwungen.

Nun, auf dem Höhepunkt des griechischen Dramas, kann er den letzten Akt aktiv mitgestalten – und sogar am Ende als Retter in höchster Not nach Hause zurückkehren. Viele Griechen glauben daher, dass Tsipras am Montagabend in Brüssel alles unterschreiben wird, was man von ihm verlangt. Entsprechende Signale, so ist aus den Chefetagen griechischer Medien zu hören, gebe es auch bereits aus der Athener Regierungszentrale.

Man kann nur hoffen, dass das stimmt. Denn finanziell steht Griechenland inzwischen am äußersten Rand der Klippe. Dahinter tut sich ein ganz tiefer Abgrund auf. Da ist nicht nur die am 30. Juni fällige Zahlung an den IWF. Dessen Chefin Christine Lagarde ließ keinen Zweifel daran, dass sie die 1,6 Milliarden punktgenau an diesem Tag haben will.

Schlimmer ist noch der dramatische Kapitalabfluss. Am Montag hoben die Griechen 300 Millionen Euro ab, am Dienstag 600 Millionen und am Mittwoch eine Milliarde Euro. Diesen Aderlass halten die Institute nur noch wenige Tage aus. Vor allem deshalb stehen nun alle Beteiligten unter enormen Zeitdruck.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hätte mit dem Euro-Sondergipfel eigentlich gern noch bis Donnerstag gewartet, sagten EU-Diplomaten. Dann nämlich treffen sich die EU-Regierungschefs sowieso in Brüssel zum regulären Gipfel. Doch so viel Zeit hat die Euro-Zone nicht mehr.

Spätestens am Montag muss die Einigung mit Griechenland her. Sonst ist das Land nicht mehr zu retten. Und das wäre nicht nur für Griechenland eine Niederlage, sondern für die gesamte Europäische Union.
Erstmals in der Geschichte der EU würde ein Mitgliedstaat in die Pleite rutschen, und auf die ökonomische könnte bald eine politische Katastrophe folgen. Die Demokratie in Griechenland wäre gefährdet, die EU-Mitgliedschaft des Landes auch.
Das gilt es zu vermeiden - unbedingt. Die Euro-Regierungschefs müssen Staatskunst zeigen am Montagabend. Dann ist Griechenland nicht verloren.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Schlussakt mit Tsipras"

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  • Ein wenig zurückhaltender als sonst ist Frau Berschens schon. Es ist ist die Angst der Neoliberalen vor der eigenen unverfrorenen Courage.

  • Wieder die altbekannte Griechen-Schelte von Frau Berschens, keine fachlich fundierte Analyse.
    Die hätte nämlich ergeben, dass das Gros der "Hilfsgelder" in die eigenen Taschen der Spender geflossen ist.
    Ja, die griechischen Regierungen haben ihr Klientel mit Posten versorgt, die Bevölkerung mit Almosen ruhig gestellt. Doch genau diese Zahlungen wurden von den Banken (national und international) auch unter Ansehung der griechischen Schuldenkrise und der Haftung der EU dafür immer wieder abgesegnet. Der europäische Steuerzahler wird schon haften...
    "Die Griechen" haften für gar nichts. Sollen die europäischen Finhanzhaie doch schreien...

  • Artikel in einer Wirtschaftszeitung ohne wirtschaftliche Grundlage ... priceless!

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