Griechenland-Krise

„Wie soll eine Familie mit 20 Euro am Tag überleben?“

Thessaloniki am Tag nach dem „Nein“. Auf den ersten Blick scheint das Leben seinen normalen Gang zu nehmen. Doch der Schein trügt. Die Folgen der Abstimmung schlagen auf den Alltag der Menschen durch. Ein Ortsbesuch.
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Gabriel: „Wir können nicht so tun, als sei nichts gewesen“

ThessalonikiAuf der Egnatia-Straße, die die nordgriechische Stadt Thessaloniki von West nach Ost durchschneidet, brummt der Verkehr wie an jedem Werktag. Alle Geschäfte haben geöffnet, viele Cafés sind voller Menschen, die sich lachend unterhalten. So als sei nichts geschehen. Weder wird viel gejubelt, noch scheint Katerstimmung zu herrschen.

Dabei haben die Griechen historisches hinter sich: Am Sonntag haben sie laut und deutlich „Nein“ gesagt zur Krisenpolitik der Gläubiger. Sie haben „Nein“ gesagt zu weitere Sparvorhaben – und damit die Marschroute ihrer Regierung um Premier Alexis Tsipras gestützt.

Martin Tofern
Der Autor

Martin Tofern ist Redakteur in Düsseldorf.

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Dabei erlebt das Land chaotische Zustände: An nahezu jedem Bankautomaten in Thessaloniki stehen fünf, sechs Menschen in der Schlange. Sie schauen ernst und besorgt, denn seit diesem Montag spucken die Maschinen offenbar für einige Kunden nur noch 20 Euro aus. „Wie soll eine Familie mit Kindern von 20 Euro am Tag überleben“, schimpft Stella Serbou. Sie ist Inhaberin eines Stoffgeschäfts in der Dragoumistraße mitten in der Stadt. Landesweit gilt nach wie vor die Abhebungsgrenze von 60 Euro – auch wenn es wegen eines Mangels an 10- und 20-Euro-Scheinen oft auf 50 Euro hinausläuft.

In den großen Unternehmen und Banken werden am Montag hastig Krisenszenarien entwickelt, wie Mitarbeiter berichten. Die Umfragen vor der Volksabstimmung hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt. Das „Nein“ erwischte viele Geschäftsleute unvorbereitet.

Einige Bankfilialen haben sogar geöffnet. Die Kunden dürfen sie aber nur einzeln betreten, indem sie durch eine Art doppeltürige Schleuse gehen. Vor einer Filiale der Piräus-Bank steht ein Polizist und beobachtet das Treiben. Eingreifen muss er wohl nicht, noch ist die Lage ruhig.

Auch Stella Serbou war am Morgen auf der Bank. Sie wollte eine EC-Karte beantragen und hat sich gleich um kurz nach sieben auf den Weg gemacht. „Ich habe schließlich ein Geschäft und muss für meine Kunden da sein“, erklärt sie.

„Wer braucht jetzt schon Stoffe?“
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35 Kommentare zu "Griechenland-Krise: „Wie soll eine Familie mit 20 Euro am Tag überleben?“"

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  • Dass in Griechenland die Tomatenpreise so hoch sind, liegt an der Maffia der griechischen Händler. Die lassen sich von Lidl +Co. ihre goldenen Abzockpfründe nicht kaputtmachen. Somit sind die Griechen die eigenen Verursacher ihrer hohen Lebensmittelpreise.

  • „Wie soll eine Familie mit 20 Euro am Tag überleben?“

    Wenn ich meine derzeitige Steuernachzahlung anschaue, so fällt mir nur eins ein: "Wenn man zu doof ist, für sich selbst zu sorgen, mal mit Arbeiten versuchen und vor allem mehr den faulen Arsch bewegen, als das immer nur das dämliche Maul auf zu reißen!"

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "Auch Stella Serbou war am Morgen auf der Bank. Sie wollte eine EC-Karte beantragen und hat sich gleich um kurz nach sieben auf den Weg gemacht"

    Die Tatsache, dass die Frau im Jahr 2015 keine EC-Karte hat zeigt doch eindeutig die Mentalität der Griechen. Alles Bar ohne Rechnung. Ich habe 3 Konten in 3 verschiedenen Ländern, die Kosten belaufen sich auf vielleicht 10 Euro im Quartal, da die Konten in Österreich, Deutschland und der Niederlande quasi gratis sind. Ich frage mich, warum die Menschen da nicht so vorsorgen und sich vorbereiten? Hätte der Grieche sein Geld auf dem Direktbank-Konto in der Niederlande, könnte er soviel Geld abheben wie er will, aber der Grieche hat ja nicht mal eine EC-Karte...

  • Man sieht anertellen Situation gerade für das "einfache" Volk, das die Kaufkraft vom Euro für Griechenland viel zu hoch ist. Denke, wenn dort das Kilo Tomaten 3 euo kostet, alo genauso viel wie in Deutschland hier abe die Gehälter ganz anders sind, dort natürlich viel zu hoch sind. so müßte der euro dort um das 10 fache weniger sein,dann könnten die menschen auch für 50 cent die tomaten bekommen und dann kommt man auch hin und so muß es mt allem sein.

  • In GR liegt der Mindeslohn S. E. bei € 640, in Portugal bei € 505! Die griechischen
    Discounter sind oft teurer weil sie einen hoeheren Mindestlohn zahlen muessen.

  • Wenn der Geldautomat auf max € 60 programmiert ist, aber nur € 20 herausgibt, dann heisst das,
    der Saldo des Kontos gibt nicht mehr her. Das ist in Deutschland auch so!

  • @ Meisenkaiser
    Zitat: "Die Griechen sollen ja hungern! "

    wenn ihre linke Regierung keine Steuern eintreibt, ja, dann sollen die Griechen wohl hungern.

    Das Dankeschön dürfen die dann an Syritza schicken

  • Die Griechen sollen ja hungern!
    Damit sie die linke Regierung abwählen und die Parasiten aus dem Ausland wieder vollen Zugriff auf das Land haben!
    Wie können es die Griechen nur wagen, sich den Parasiten - sorry, Investoren - aus dem Ausland zu widersetzen. Wo die doch nur das Beste wollen!
    Der Erfolg der Troika spricht doch für sich: In der Zeit der Troika wurden die Schulden verdoppelt und die Arbeitslosigkeit verdreifacht - was will man mehr?
    Die US und DE- Geier warten schon!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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