Griechenland-Krise
„Wie soll eine Familie mit 20 Euro am Tag überleben?“

Thessaloniki am Tag nach dem „Nein“. Auf den ersten Blick scheint das Leben seinen normalen Gang zu nehmen. Doch der Schein trügt. Die Folgen der Abstimmung schlagen auf den Alltag der Menschen durch. Ein Ortsbesuch.
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ThessalonikiAuf der Egnatia-Straße, die die nordgriechische Stadt Thessaloniki von West nach Ost durchschneidet, brummt der Verkehr wie an jedem Werktag. Alle Geschäfte haben geöffnet, viele Cafés sind voller Menschen, die sich lachend unterhalten. So als sei nichts geschehen. Weder wird viel gejubelt, noch scheint Katerstimmung zu herrschen.

Dabei haben die Griechen historisches hinter sich: Am Sonntag haben sie laut und deutlich „Nein“ gesagt zur Krisenpolitik der Gläubiger. Sie haben „Nein“ gesagt zu weitere Sparvorhaben – und damit die Marschroute ihrer Regierung um Premier Alexis Tsipras gestützt.

Dabei erlebt das Land chaotische Zustände: An nahezu jedem Bankautomaten in Thessaloniki stehen fünf, sechs Menschen in der Schlange. Sie schauen ernst und besorgt, denn seit diesem Montag spucken die Maschinen offenbar für einige Kunden nur noch 20 Euro aus. „Wie soll eine Familie mit Kindern von 20 Euro am Tag überleben“, schimpft Stella Serbou. Sie ist Inhaberin eines Stoffgeschäfts in der Dragoumistraße mitten in der Stadt. Landesweit gilt nach wie vor die Abhebungsgrenze von 60 Euro – auch wenn es wegen eines Mangels an 10- und 20-Euro-Scheinen oft auf 50 Euro hinausläuft.

In den großen Unternehmen und Banken werden am Montag hastig Krisenszenarien entwickelt, wie Mitarbeiter berichten. Die Umfragen vor der Volksabstimmung hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt. Das „Nein“ erwischte viele Geschäftsleute unvorbereitet.

Einige Bankfilialen haben sogar geöffnet. Die Kunden dürfen sie aber nur einzeln betreten, indem sie durch eine Art doppeltürige Schleuse gehen. Vor einer Filiale der Piräus-Bank steht ein Polizist und beobachtet das Treiben. Eingreifen muss er wohl nicht, noch ist die Lage ruhig.

Auch Stella Serbou war am Morgen auf der Bank. Sie wollte eine EC-Karte beantragen und hat sich gleich um kurz nach sieben auf den Weg gemacht. „Ich habe schließlich ein Geschäft und muss für meine Kunden da sein“, erklärt sie.

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„Wer braucht jetzt schon Stoffe?“

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  • Dass in Griechenland die Tomatenpreise so hoch sind, liegt an der Maffia der griechischen Händler. Die lassen sich von Lidl +Co. ihre goldenen Abzockpfründe nicht kaputtmachen. Somit sind die Griechen die eigenen Verursacher ihrer hohen Lebensmittelpreise.

  • „Wie soll eine Familie mit 20 Euro am Tag überleben?“

    Wenn ich meine derzeitige Steuernachzahlung anschaue, so fällt mir nur eins ein: "Wenn man zu doof ist, für sich selbst zu sorgen, mal mit Arbeiten versuchen und vor allem mehr den faulen Arsch bewegen, als das immer nur das dämliche Maul auf zu reißen!"

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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